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Warum in Rotterdam Kühe auf ein Floß im Hafen ziehen sollen

Warum in Rotterdam Kühe auf ein Floß im Hafen ziehen sollen

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floating-farm-02~f20abb0e-10ae-4edc-b3be-73eb276e3724.jpg Foto: beladon
In Rotterdam soll ein schwimmender Bauernhof in Betrieb genommen werden. 40 Milchkühe sollen darauf leben – ohne seekrank zu werden.

Rotterdam. 

Braun-weiße Kühe stehen im Grünen, ihr Blick geht auf das Wasser. Zwischen den Baumkronen laufen Menschen über Stege und begutachten die Farm. Ein weiterer Steg trennt den schwimmenden Bauernhof vom Festland. Noch ist das eine Vision, doch schon in einigen Monaten soll es in Rotterdam Wirklichkeit werden. Ein Start-up ist dabei, in der niederländischen Hafenstadt eine sogenannte Floating Farm aufzubauen. Die Idee: Wenn immer mehr Menschen in Großstädte ziehen, müssen auch die Lebensmittel in die Nähe der Konsumenten kommen. Etwa 40 Kühe sollen auf dem rund 1200 Quadratmeter großen Ponton leben und von dort die Rotterdamer mit Milchprodukten versorgen. Die Baukosten sollen bei rund zweieinhalb Millionen Euro liegen.

Die Idee für den schwimmenden Bauernhof ist angetrieben von Klimawandel und wachsender Weltbevölkerung. „Die meisten Großstädte liegen an Deltas, an Flüssen, die in das Meer oder einen See münden. Während die Städte sich absenken, steigt der Wasserspiegel. Es macht also Sinn, sich das Wasser zunutze zu machen“, sagt Minke van Wingerden, Sprecherin von Floating Farm, deren Angaben zufolge der Bau im Oktober starten soll. Ihr Mann, Peter van Wingerden, ist einer der Gründer des Start-ups und Chef des Unternehmens Beladon, das schon ein schwimmendes Hotel und eine schwimmende Diskothek gebaut hat.

Floß-Kühe sollen ab 2017 täglich 1000 Liter Milch geben

Weil immer mehr Menschen in Megastädte ziehen, entfernen sich viele Stadtbewohner räumlich weiter vom Ackerland. Floating Farm will mit dem Projekt einen Weg finden, Lebensmittel in der Nähe der Verbraucher herzustellen. „Wir wollen frische, gesunde Lebensmittel direkt in der Stadt produzieren“, sagt Minke van Wingerden. „Dadurch können wir Transportwege verkürzen und so die Emission verringern. Zudem müssen wir keine weiteren Landflächen für die landwirtschaftliche Nutzung verwerten.“ Ab 2017 sollen die Kühe dann täglich rund 1000 Liter Milch geben, die im Untergeschoss weiterverarbeitet und verkauft werden.

Auch in Deutschland schrumpft die Ackerfläche. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sank der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche zwischen 2000 und 2014 von 53,5 auf 51,7 Prozent. Als Hauptgrund dafür nennt das Amt die stete Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen. Deren Anteil stieg innerhalb von 14 Jahren um rund zehn Prozent. Allerdings gibt es regional große Unterschiede. So hat Schleswig-Holstein als Spitzenreiter rund 70 Prozent Landwirtschaftsfläche, während es im Stadtstaat Berlin gerade einmal 4,3 Prozent sind.

Keine Angst vor seekranken Kühen

Die schwimmende Farm in Rotterdam soll nicht nur der Lebensmittelproduktion dienen, sie wird auch ein Labor, in dem untersucht werden soll, wie ein optimaler Kreislauf geschaffen werden kann. Zusammen mit dem Elektronikkonzern Philips wollen die Forscher unter anderem daran arbeiten, das richtige Futter für die Tiere herzustellen. Gras und Klee wachsen unter Beleuchtung von LED-Lampen im Gebäude. Auch der Unrat der Tiere soll genutzt werden. Ein spezieller Boden trennt den Dung vom Urin der Tiere. Während letzterer in einen Tank sickert, hat ein Roboter die Aufgabe, die Kuhfladen einzusammeln. Damit soll eine Biogasanlage betrieben werden, die Strom und Wärme erzeugt. Vor seekranken Rindern hat man übrigens keine Angst. Der Ponton ist fest vertäut und das Hafenwasser ruhig.

In Rotterdam sieht man sich mit der Floß-Farm noch nicht am Ende der Möglichkeiten. „Wir haben Pläne für weitere Projekt“, bestätigt Minke van Wingerden. Wenn man einen Bauernhof auf dem Wasser bauen könne, sei es auch möglich, eine ganze Floßreihe anzulegen, auf der verschiedenste Lebensmittel angebaut werden.