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Ernährung

Warum es der Umwelt hilft, wenn wir weniger Fleisch essen

22.03.2013 | 18:44 Uhr
Bevor das Steak auf den Grill kommt, belastet es heftig die Umwelt.Foto: dapd

Essen.  Die Herstellung von Fleisch verbraucht sehr viel Wasser, Dünger, Futtermittel und benötigt riesige Acker- und Weideflächen. Die Fleisch-Produktion ist deshalb eine hohe Belastung für das Klima. Die Herstellung eines Kilos Weizen „kostet“ nur rund 1300 Liter Wasser. Ein Kilo Rind benötigt 15.500 Liter. Ein Faktencheck.

Die Weltbevölkerung wächst – und sie hat Hunger. Die wachsende Lust auf Fleisch steht dabei einer ausreichenden Ernährung aller Menschen entgegen. Und durch den zunehmenden Wald-, Flächen- und Wasserverbrauch hat die Lust auf Fleisch auch Auswirkungen auf das Klima.

Rund sieben Milliarden Menschen leben auf der Erde, pro Tag kommen 220 000 hinzu. Die Welternährungsorganisation FAO forderte daher bereits eine Steigerung der Lebensmittelproduktion um 70 Prozent bis zum Jahr 2050. Bliebe alles wie es ist, benötigte die Menschheit eine zweite Erde, um genügend Lebensmittel zu produzieren. Wasser und Böden müssten gerechter und sparsamer genutzt werden, so die Forderung.

Das Wasser

Für die Herstellung von Fleisch werden große Wassermengen benötigt. Für ein Kilo Rindfleisch fließen nach einer Studie des WWF knapp 15.500 Liter Wasser – ein kleiner Swimmingpool für drei, vier saftige Steaks.

Der Wasserverbrauch in der Nahrungsmittelindustrie

Die Experten machen folgende Rechnung auf: Bis ein Rind geschlachtet wird, hat es 1300 Kilogramm Getreide und 7200 Kilo Raufutter gefressen. Das Futter benötigt zum Wachsen sehr viel Wasser. Hinzu kommen 24 Kubikmeter Trinkwasser für die Tiere sowie sechs Kubikmeter für die Stallreinigung. Zum Vergleich: Die Herstellung eines Kilos Weizen „kostet“ nur rund 1300 Liter Wasser.

Umgerechnet heißt das, dass in jedem Kilogramm Rindfleisch 6,5 Kilo Getreide, 36 Kilo Raufutter und viel Wasser stecken. Es fließen demnach mehr Ressourcen und Energie in das Fleisch, als es am Ende hergibt. Für die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung ist das keine gute Bilanz. Natürlich ist Kuh nicht gleich Kuh. Der Wasserverbrauch eines Rinds in Intensivhaltung sei weitaus höher als der eines Tieres auf der Weide, räumen die Autoren ein. Doch um den wachsenden Fleischhunger zu stillen, werden weltweit immer mehr Tiere intensiv in Ställen gemästet.

Die Flächen

Essen die Menschen mehr Fleisch, benötigen sie größere Flächen. Nach Angaben des „Fleischatlas“, herausgegeben vom Bund für Umwelt- und Naturschutz und der Heinrich-Böll-Stiftung, dient knapp ein Drittel des kultivierten Landes unserer Erde der Erzeugung von Viehfutter. Über 30 Prozent der Ernte von Weizen, Roggen, Hafer oder Mais – etwa 800 Millionen Tonnen – wandern demnach in die Tröge. Hinzu kommen 250 Millionen Tonnen Ölschrote, vor allem Sojabohnen. In Deutschland fällt die Rechnung noch deutlicher aus: Etwa die Hälfte der zwölf Millionen Hektar Agrarfläche werde für Futtermittel genutzt.

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Kein Fleisch, keine Wurst, kein Fisch! Was kann man dann noch essen außer Beilagen und Salat? Die meisten Menschen haben ein ganz falsches Bild vom Vegetarismus. Zum Welt-Vegetariertag erklärt Ernährungswissenschaftler Dr. Detlef Pape die größten Irrtümer zum Thema fleischlose Ernährung.

Man könnte somit sehr viel mehr Menschen mit Getreideerzeugnissen ernähren, wenn man weniger Tiere füttern müsste. Da Ackerland begrenzt ist, müssen neue Flächen für Futter und Vieh gewonnen werden. So rodete Brasilien große Regenwald-Gebiete, um Platz zu gewinnen für die zweitgrößte Rinderherde der Erde. Mehr als 60 Prozent der entwaldeten Flächen werden dann als Viehweiden genutzt.

Das Klima

Die massive Nutzung von Trinkwasser sowie die Rodung großer Waldflächen als Kohlendioxidspeicher haben Auswirkungen auf das Weltklima. Zudem ist die Landwirtschaft laut Umweltbundesamt nach Energieerzeugung und Industrie der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen. Ein Großteil entsteht durch die Herstellung und das Verteilen synthetischer Düngemittel auf den Feldern – auch für das benötigte Futter.

Das Institut für angewandte Ökologie in Freiburg hat die Klimabilanz verschiedener Lebensmittel verglichen. Bei der Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch aus konventioneller Produktion fallen danach 13,3 Kilo des Klimagases CO2 an. Schweinefleisch schlägt mit 3,2 Kilo CO2 zu Buche, Geflügel mit 3,5 Kilo. Die Werte für tiefgekühlte Produkte liegen noch deutlich darüber, während Bio-Fleisch insgesamt eine etwas günstigere Klimabilanz aufweist. Gemüse dagegen erzeugt fast 100 Mal weniger CO2 als Fleisch.

World-Barbecue

Nach Ansicht von Klimaforschern könnte der Ausstoß der Treibhausgase Methan und des besonders schädlichen Lachgases (Kunstdünger) deutlich reduziert werden, wenn die Menschen weniger Fleisch essen würden. Statt der täglichen Portion Fleisch und Wurst ein guter Braten am Sonntag – für den Genuss und zum Wohle des Klimas.

Christopher Onkelbach


Kommentare
25.03.2013
19:50
@18
von Spatenklopper | #19

Schlimm daran ist, dass in Gegenden, in denen rein ökologisch kaum jemand leben dürfte, weil das Nahrungsangebot nicht ausreichend ist, die höchsten Geburten- und Sterblichkeitsraten herschen.

Solange dort Menschen 10 Kinder zur Welt bringen, die Nahrung aber kaum für eines reicht, können Sie auf soviel Müsli und ich auf Fleisch verzichten wie Sie wollen, es wird sich nichts daran ändern.

25.03.2013
17:14
Warum es der Umwelt hilft, wenn wir weniger Fleisch essen
von RuhrpottMH | #18

@17
Und was ist daran schlimm, wenn man Müsli statt am Schnitzel knabbert???
Ich persönlich finde, nur weil Land oder Person xyz was schlechtes macht, in welcher Form auch immer, sollte das das eigene Handeln nicht beeinflussen und sein Handeln nicht rechtfertigen.
Guten Hunger

25.03.2013
15:19
@ RuhrpottMH | #12
von Okling | #17

Die Deutschen sind durchaus bereit, sich in gewissen Dingen zur Umweltschonung deutlich einzuschränken. Das zeigen eben die vielen Biokäufer usw.

Wenn man aber sieht, dass alle anderen um einen herum offensiv genau das machen, was man selber nicht mehr tun soll, herrscht einfach ein Ungleichgewicht. Für jedes hier eingesparte Gramm CO² werden in den Boomländern 10 Gramm zusätzlich verursacht.

Das mag nach versuchter Rechtfertigung für die eigenen Taten klingen, aber ist eher die Frustration daüber, dass sich der Rest der Welt mit ausuferndem Konsum dafür bedankt, dass wir mit immensen Aufwand die Ressourcen schonen.

Und mit Wasserverbräuchen zu argumentieren, ist im regenreichen Deutschland fast schon ein Hohn.

Da wird uns politisch angeblicher Umweltschutz in Form von Ökosprit aufgedrängt, und anschließend bekommen wir die Watsche, dass für die dafür benötigten Flächen Urwald gerodet würde.

Die ganze Welt boomt wie irre, nur Deutschland knabbert Müsli statt Schnitzel?

25.03.2013
05:29
Warum es der Umwelt hilft, wenn wir weniger Fleisch essen
von RuhrpottMH | #16

@15 In diesem Zusammenhang von Nazis zu sprechen, finde ich sehr unangebracht.
Der Beitrag der WAZ entspricht doch den Tatsachen, wieso wird so heftig kritisiert?? Merkt man evtl. das das eigene Handeln für sehr viel Leid auf der Welt verantwortlich ist, welches man leicht lindern könnte?!?
Eine Fleischsteuer ist garnicht nötig. Würden die milliardenschweren Argrarsubventionen weltweit gestrichen, würde man den reelen Preis von Lebensmitteln erkennen, und nicht querfinanziert von uns allen.

24.03.2013
23:00
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.03.2013
21:30
Warum es der Umwelt hilft, wenn wir weniger Fleisch essen
von RuhrpottMH | #14

@13
Um als Einzelner einen Minibeitrag zu leisten, kann ich auf Fleisch verzichten, aber ich kann keinen Krieg, Korruption,...etc. verhindern.

24.03.2013
19:08
Warum es der Umwelt hilft, wenn wir weniger Fleisch essen
von bearny | #13

Ich kann Okling und Wurzelputz nur zustimmen:
Die Probleme, die wir ausbaden sollen, werden woanders gemacht.
Wir aber sollen überall die Musterknaben spielen, diesmal soll wohl am deutschen Umweltwesen die Welt genesen, nachdem es zu Kaisers Zeiten auf andere Art nicht geklappt hat?
Ergänzend zu den Vorrednern/schreibern nur noch folgendes:
Fleisch ist nun wirklich nicht die Hauptursache für Hungersnöte. Wie wäre es mit Korruption, Kriegen, Ausbeutung, Auslaugung der Böden, auch natürliche Sachen wie Dürren, Überschwemmungen etc.
Letztere können wir nicht beeinflussen, Erstere aber schon. Und allein damit wäre schon viel mehr geholfen als ein Rinderstall weniger.

24.03.2013
17:41
Warum es der Umwelt hilft, wenn wir weniger Fleisch essen
von RuhrpottMH | #12

Guter Artikel.
Wir sind europaweit leider Spitzenreiter in Sachen Massentierhaltung.
Ein Einschränken dieses hilft mehr als irgendwelche Umweltzonen, Öko-Abgaben,...etc.
Hier spricht auch keiner von einem vollen Verzicht, sondern einer Reduzierung des Fleischkonsums.
Werdet eurem Konsum bewusster. Bitte kein "Land xyz ist aber schlimmer". Das macht das eigene Handeln auch nicht besser, sondern dient nur zur Gewissensberuhigung.
Guten Hunger

24.03.2013
13:01
Warum es der Umwelt hilft, wenn wir weniger Fleisch essen
von Wurzelputz | #11

@Okling | #10

BINGO!

Aber wir haben doch im Umwelt- und Klimaschutz Arbeitsplätze geschaffen, wie sollen die denn ihr Geld verdienen, wenn sie untätig in der Ecke sitzen? Da müssen Themen her, Medien eingeschaltet werden, Diskussionsrunden sich ereifern, Horrorszenarien an die Wand gemalt, Publikationen, Bücher, Berichte gefertigt und aufwändige Tests zu Bio- und Normal in Projektwochen erarbeitet und dem staunenden Volk vermittelt werden.
Ja, und eine Doktorarbeit springt auch noch dabei raus.

Ihren Kommentar habe ich mir ausgedruckt, der hängt jetzt an meiner Pinwand! Danke!

24.03.2013
12:46
Ja und?
von Okling | #10

Wir haben Wasser genug in Deutschland.

Wir haben auch genügend Anbauflächen in Deutschland, um und ausreichend mit Kohlenhydraten und Fleisch zu ernähren.

Das Hauptproblem sind ja wohl die Staaten mit den Milliarden an Einwohnern, für deren Verbräuche immer weiter die Urwälder gerodet werden, und nicht die popeligen 80 Millionen Deutschen.

Wir kaufen Bio, fahren immer mehr Fahrrad. Wir importieren keine bedrohten tropischen Hölzer mehr. Wir machen uns ein schlechtes Gewissen über Thunfisch und co. Wir sind Weltmeister in Mülltrennung. Wir treiben wie die Irren die Energiewende an. Die Bauauflagen sind extrem umweltfreundlich

Aber Japan fischt die Weltmeere leer, diverse Staaten haben verstrahlte und vergiftete Todeszonen. Vietnam züchtet Shrimps in Chemie-Seen. Die USA fahren V8-Trucks, China erstickt im Smog und Sand.

Es reicht langsam mit dem moralischen Zeigefinger in Deutschland. Wir können nicht stellvertretend die Welt retten die im Gegenteil zu uns immer weiter wächst.

1 Antwort
Warum es der Umwelt hilft, wenn wir weniger Fleisch essen
von Fynraziel | #10-1

...sowas von wahr ! Ist nur schade, dass das nur sehr wenige auch so sehen....

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