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Warum der Versicherer Ergo 1350 Stellen streicht

27.07.2012 | 19:10 Uhr
Ergo-Konzernchef Torsten Oletzky setzt den Rotstift an. Foto: dpad

Düsseldorf.   Zuletzt sorgte der Düsseldorfer Konzern mit einem Sex-Skandal für Aufsehen: Für Vertriebsmitarbeiter hatte es eine ausschweifende Betriebsfeier gegeben. Nun macht Ergo mit einem massiven Arbeitsplatzabbau Schlagzeilen. Es trifft vor allem Beschäftigte aus dem Vertrieb.

Früher hat „Herr Kaiser“ von der Hamburg-Mannheimer dem Unternehmen ein Gesicht gegeben. Die Werbefigur, gewissermaßen Deutschlands bekanntester Versicherungsvertreter, ist längst in Rente geschickt worden. Heute steht der Name Ergo im Mittelpunkt. Ob es der Firma gut getan hat? Jedenfalls wollen Konzernchef Torsten Oletzky und Vertriebsleiter Rolf Wiswesser nun den Rotstift bei Ergo ansetzen.

Der Düsseldorfer Versicherungskonzern baut 1350 Arbeitsplätze ab, damit fällt etwa jede vierte Stelle im Vertrieb weg. Auch betriebsbedingte Kündigungen sind möglich. Die Gewerkschaft Verdi reagierte mit scharfer Kritik und sprach von einer „unternehmerischen Fehlentscheidung“. Die Firmenleitung betont, Gespräche mit den Betriebsräten aufnehmen zu wollen, um möglichst sozialverträglich vorzugehen.

Insgesamt zählt Ergo rund 19 500 Mitarbeiter in Deutschland, davon 5000 im Vertrieb. Hinzu kommen dort noch die selbstständigen Vertreter. 700 Stellen will das Unternehmen nun im Außendienst streichen, im Innendienst sollen 650 Jobs wegfallen. Dadurch sollen die Kosten des Konzerns jährlich um 164 Millionen Euro sinken. Bis zum Jahresbeginn 2014 soll der Umbau abgeschlossen sein.

Die Bilanz des Allianz-Konkurrenten war zuletzt durchwachsen. In den ersten drei Monaten des Jahres steigerte die Ergo-Gruppe ihren operativen Gewinn auf 257 Millionen Euro (nach 167 Millionen im Vorjahr), der Konzern verlor aber auch Marktanteile.

Ergo zieht jetzt verschiedene Vertriebsaktivitäten unter einem Dach zusammen. Ziel ist es, die Beratung und Betreuung der Kunden zu vereinheitlichen. Mitarbeiter aus Hamburg, München, Köln, Berlin und Mannheim müssen voraussichtlich nach Düsseldorf umziehen, wo sich die Ergo-Zentrale befindet. Die Ergo-Gruppe gehört zum Münchener Rückversicherer Munich Re.

Konzern hatte mit Sex-Skandal für Schlagzeilen gesorgt

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Mit einem "Happening" vor der Ergo-Zentrale nahm die "Die Partei" den Versicherer aufs Korn. Eine Blondine im Bademantel und mit Sektflasche in der Hand spielte unter anderem auf den Skandal um eine ausschweifende Sex-Party auf Ergo-Kosten an.

Ergo will auch die Zahl der Vertriebsbüros verringern. Statt 218 Regionaldirektionen soll es nur noch 120 geben. So wird der Versicherer in Städten, in denen es bisher mehrere Niederlassungen gab, künftig nur noch eine Vertretung haben. Trotz der Zentralisierung bleiben die bestehenden Marken von Ergo erhalten. Krankenversicherungen werden weiter unter der Marke DKV, Rechtsschutzversicherungen unter der Marke D.A.S. vertrieben.

Zuletzt sorgte Ergo mit einem peinlichen Sex-Skandal für Schlagzeilen. Wie vor einigen Monaten bekannt wurde, hatte die vom Ergo-Konzern übernommene Versicherung Hamburg-Mannheimer im Jahr 2007 die traditionsreiche Gellert-Therme in Budapest angemietet und eine ausschweifende Betriebsfeier veranstaltet. Zahlreiche Prostituierte sollen bezahlt worden sein, um die 100 besten Vertreter zu belohnen. Der Skandal wurde bekannt, als Ergo gerade eine große Werbekampagne startete.

Ulf Meinke

Kommentare
28.07.2012
10:18
Warum der Versicherer Ergo 1350 Stellen streicht
von worldsaway | #4

Für die allermeisten Versicherungen gibt es heute bessere und objektivere Möglichkeiten sich zu informieren als sich von Maklern und Vertrieblern was...
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2012-07-27 19:10
Ergo,Versicherung
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