Warum der Gaspreis oben bleibt

Berlin/Essen..  Eigentlich müssten die Gaspreise für Millionen Verbraucher in Deutschland sinken. Das jedenfalls hat Steffen Bukold von der Hamburger Firma Energy Comment in einer Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion ermittelt. Doch kaum ein Versorger will tatsächlich die Preise senken. Gerade einmal elf Prozent der Gasanbieter in Deutschland haben bisher die zuletzt stark gesunkenen Einkaufspreise an ihre Kunden weitergegeben.

„Die Einkaufspreise sanken deutlich, während die Verbraucherpreise fast unverändert blieben. Offensichtlich wurden die Margen ausgeweitet“, urteilt Bukold. Seinen Berechnungen zufolge haben die Gaskunden im Jahr 2014 insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro zu viel gezahlt. Für einen Durchschnittshaushalt seien dies 108 Euro. Das Geld fließe in die Kassen der Versorger oder Energiehändler.

Milder Winter, schwache Konjunktur

Haben Energieversorger nicht schon in diesem Jahr die Preise verringert, wäre der Studie zufolge eigentlich zum Januar 2015 eine Senkung um acht Prozent zu erwarten, wenn die gefallenen Einkaufspreise berücksichtigt werden. Aber die Realität sieht anders aus: Lediglich 97 von bundesweit 780 Versorgern haben für die Monate Oktober 2014 bis Februar 2015 Preissenkungen angekündigt oder schon umgesetzt. Im Durchschnitt liegen die Preisermäßigungen bei 4,8 Prozent. Acht Gasversorger haben sogar eine Anhebung um durchschnittlich 4,2 Prozent angekündigt. „Daher ist im Moment nicht erkennbar, dass die Kostensenkung zeitversetzt an die Verbraucher weitergegeben wird“, urteilt Bukold.

Nach zwei stabilen Jahren brachen die Gaspreise 2014 im europäischen Großhandel ein – vor allem durch den ungewöhnlich milden Winter, aber auch durch eine schwache Nachfrage angesichts der lahmenden Konjunktur in Europa. Die Großhandelspreise fielen nach Angaben von Energy Comment von durchschnittlich 2,71 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) im Jahr 2013 auf 2,29 ct/kWh im ersten Halbjahr und 2,14 ct/kWh im zweiten Halbjahr 2014. Das Preisniveau bei den privaten Verbrauchern habe aber nur geringfügig nachgegeben: Von 6,57 ct/kWh im Durchschnitt 2013 auf 6,52 ct/kWh im Durchschnitt 2014. Da andere Kostenelemente wie Netzentgelte, Steuern oder Abgaben unverändert waren, habe es offenbar eine beträchtliche Margenausweitung bei den überregionalen und regionalen Gasversorgern sowie den Gashändlern oder Stadtwerken gegeben.

Die höhere Marge der Gasanbieter habe bei der Energiewirtschaft zu zusätzlichen Einnahmen in Höhe von 1,04 Milliarden Euro geführt. Die privaten Haushalte werden wegen des Umsatzsteuer­Effekts mit einem noch höheren Betrag belastet, nämlich 1,24 Milliarden Euro zusätzlich. Im Gewerbe habe es eine Zusatzbelastung in Höhe von 0,54 Milliarden Euro gegeben. Die Gaspreise der Verbraucher könnten im Gesamtjahr 2014 den Berechnungen zufolge um acht Prozent niedriger liegen, wenn die Margen der Anbieter unverändert geblieben wären.

Die Gasversorger verhalten sich allerdings je nach Region sehr unterschiedlich. So variiert auch die Ersparnis, die Verbrauchern in diesem Jahr entgangen ist. Der Studie zufolge zahlten Gaskunden in Baden-Württemberg im Schnitt 139 Euro zu viel, in NRW waren es 117 Euro, in Hamburg und Berlin dagegen lediglich 76 oder 17 Euro. Zu den Versorgern zählen viele Stadtwerke: Von den 780 Gaslieferanten befinden sich 590 mehrheitlich im Besitz der Kommunen.

„Wechsel in Betracht ziehen“

„Es ist gut, dass bereits einige Gasversorger mit der Senkung der Preise angefangen haben. Das erhöht den Druck auf die anderen Versorger, die erst einmal abwarten wollen“, sagt die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn. Ihr Rat für Verbraucher lautet: „Wenn nicht im Laufe der nächsten Monate eine Preissenkung angekündigt ist, sollte man einen Wechsel seines Versorgers in Betracht ziehen.“