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Warum der Energiekonzern Eon die Krise spürt

13.11.2012 | 20:18 Uhr
Warum der Energiekonzern Eon die Krise spürt
Eon-Chef Johannes Teyssen steht unter Druck.Foto: dapd

Düsseldorf.  Deutschlands größter Energiekonzern zeigt sich pessimistisch. Rezession und Energiewende belasten das Geschäft. Eon-Chef Johannes Teyssen will eisern sparen. Eine entscheidende Frage, die sich Eon jetzt stelle, laute: „Was können wir uns noch leisten?“

Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen hatte eine lange Problem-Liste mitgebracht. Deutschlands größter Energiekonzern stellt sich auf schwierige Zeiten ein – daran ließ der Mann an der Spitze von Eon keinen Zweifel. Das Unternehmen kommt nicht zur Ruhe: Für die kommenden Monate plant Teyssen Kraftwerksschließungen und Unternehmensverkäufe. Das Effizienzprogramm „Eon 2.0“, das unter anderem den Abbau von 11.000 Arbeitsplätzen vorsieht, wolle er nun „noch schneller und entschlossener umsetzen“, kündigte Teyssen an.

Es kam für viele Anleger überraschend, dass Teyssen die Gewinnziele des Konzerns für die nächsten Jahre zurücknahm. Der Pessimismus des Konzernchefs vergraulte viele Anleger. Die Eon-Aktie stürzte zwischenzeitlich um knapp 13 Prozent ab und verzeichnete den höchsten Tagesverlust in der Firmengeschichte.

Teyssen machte vor allem die Energiewende und die Euro-Krise für die Probleme des Konzerns verantwortlich. „Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg war in so kurzer Zeit ein so deutlicher Absatzrückgang zu beobachten“, sagte er in einer Telefonkonferenz. Der „Nachfrage-Einbruch“ sei insbesondere in Ländern wie Italien und Spanien zu spüren. Doch auch in Deutschland hat Eon Sorgen. Regelmäßig stehen Gas- und Kohlekraftwerke still, weil Ökostrom Vorrang hat. Selbst moderne Anlagen könnten unter diesen Bedingungen kaum mehr profitabel betrieben werden, kritisierte Teyssen.

Obwohl Eon über Preisdruck klagt, spüren die meisten privaten Stromverbraucher in Deutschland wenig davon. Zwar sind die Großhandelspreise wegen der schwächeren Nachfrage der Industrie massiv gefallen, doch zugleich müssen private Kunden höhere Steuern und Abgaben zahlen.

„Stagnation oder gar Schrumpfung“

Eigentlich schien es, als habe Eon die Einbußen durch den beschleunigten Atomausstieg gut verkraftet. Einmalbelastungen fielen nicht mehr an, auch günstigere Verträge mit dem russischen Gaslieferanten Gazprom sorgten für Entlastung. Tatsächlich glänzte Eon in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres mit Wachstumsraten. Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 93,6 Milliarden Euro. Der Konzernüberschuss erhöhte sich um 155 Prozent auf gut vier Milliarden Euro.

Ausdrücklich bestätigte Eon die Gewinnprognose für das laufende Jahr, die einen Konzernüberschuss zwischen 4,1 und 4,5 Milliarden Euro und eine Dividende von 1,10 Euro pro Aktie vorsieht. Doch es waren die unangenehmen Aussichten, die für Unruhe sorgten. Das Ziel, im kommenden Jahr einen Gewinn von 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro und eine Dividende von 1,10 Euro pro Aktie zu erreichen, erscheine nicht mehr realistisch, räumte Eon ein. „In Europa und mittlerweile auch in Deutschland wächst die Wirtschaft deutlich verlangsamt, manche Teile Europas gehen in Richtung Stagnation oder gar Schrumpfung“, sagte Teyssen zur Begründung.

„Was können wir uns noch leisten?“

Eon stellt nun Investitionen auf den Prüfstand. Mehrere Kraftwerke will der Konzern vom Netz nehmen. Überlegungen zum Bau des umstrittenen Kohlekraftwerks „Staudinger 6“ in Hessen gibt Eon auf. Das benachbarte Gaskraftwerk „Staudinger 4“ und das Gaskraftwerk „Irsching 3“ in Bayern sollen noch als Reserve zur Sicherung der Stromversorgung im Winter gehalten und später abgeschaltet werden. Teyssen sagte, eine entscheidende Frage, die sich Eon jetzt stelle, laute: „Was können wir uns noch leisten?“

Ulf Meinke



Kommentare
14.11.2012
12:24
Warum der Energiekonzern Eon die Krise spürt
von Pit01 | #4

Wo ist Rezession bei "sprudelndem" Steueraufkommen? So langsam, geht mir diese Falsch - Aussage, meist aus dem Arbeitgeberlager, auf den Geist.

13.11.2012
23:58
Warum der Energiekonzern Eon die Krise spürt
von Hastalamuertesiempre | #3

Dass ich micht gleich weglache...

Harry Roels (ehemals Shell) verdiente als Chef der RWE im Jahr 2006 noch 9,8 Millionen Euro im Jahr vor seinem Abgang.

Wer solche Gehälter zahlt, der spürt nur eines, Gier nach mehr!

2 Antworten
Warum der Energiekonzern Eon die Krise spürt
von Schneewittchen68 | #3-1

Die Gier nach mehr gibt es doch inzwischen bei allen Branchen. Man muss sich nur die Zahlen ansehen, mit denen jongliert wird. Wenn man nicht die Zahlen des Vorjahres übertreffen kann, gibt es nur eine Lösung: Entsorgung des "Humankapitals" damit die Aktionäre befriedigt werden. Langsameres Wachstum oder gleichbleibende Zahlen sind Rückschritt. Und da man inzwischen nur noch den Aktionären und nicht mehr den Mitarbeitern verpflichtet ist, wird sich dieser Trend noch fortsetzen. Mal sehen, was die Energieversorger machen, wenn sich die Deutschen keinen Strom / kein Gas mehr leisten können.

Warum der Energiekonzern Eon die Krise spürt
von Hastalamuertesiempre | #3-2

Schneewittchen:

Scön dass es noch Menschen gibt, die den Durchblick haben. Schon nach Tschernobyl in einer Diskussion in der Schule nannte ich im Unterricht als Alternative zu AKW Solarzellen breitgefächert installiert in Nordafrika. Dort scheint die Sonne immerhin an 335 aus 365 Tagen. Und ich bin Laie. Experten haben seit den 80ern Pläne hierfür doch die grossen Energiekonzerne sind eiskalt in ihrem Kalkül.

Wussten Sie, dass es unzählige Lobbyisten-Marionetten in der Politik gibt, die teils ohne jegliche Gegenleistung bei den grossen vier Energieriesen Deutschlands beschäftigt sind.

Die Politiker sind das Problem. Ohne Lobbyismus hätte man die Riesen längst in die Knie gezwungen und deren Gier abgestraft.

13.11.2012
23:37
Warum der Energiekonzern Eon die Krise spürt
von Hugo60 | #2

Dann spart mal und verschäft die Rezession!

13.11.2012
22:35
Warum der Energiekonzern Eon die Krise spürt
von kuba4711 | #1

Welche Rezession?
In unserer banana republika herrscht Wirtschaftsaufschwung bei den Konzernen.
Dass die Menschen in unserem Land kein Geld haben ,das hat was mit der Inflation zu tun.
Die Banken und Versicherungen und Konzerne haben zuviel Geld und deshalb haben diese so viel Angst vor Inflation ,dass sie dafür sorgen ,dass ihre Mitarbeiter um den 25 igsten jeden Monats kein Geld mehr in der Tasche haben.
Durch diese geldpolitische Mengenbegrenzung bei den Verbrauchern wurde bisher der tatsächliche Ausbruch einer Inflation -in der Fläche - erfolgreich verhindert.

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