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Warum bietet KiK T-Shirts für 1,99 Euro an, Herr Haub?

02.01.2014 | 06:09 Uhr
Karl-Erivan Haub führt die Mülheimer Unternehmensgruppe Tengelmann.Foto: Volker Hartmann

Mülheim.   Karl-Erivan Haub führt in fünfter Generation den Mülheimer Familienkonzern Tengelmann (KiK, Obi, Kaiser’s). Ein Gespräch über unternehmerische Verantwortung beim Textildiscounter KiK, die Zukunft des Familienkonzerns und Haubs Erwartungen an die neue Bundesregierung.

Zum Mülheimer Familienunternehmen Tengelmann gehören die Obi-Baumärkte, der Textildiscounter KiK, die Supermärkte Kaiser’s und Tengelmann sowie die Online-Händler Baby-Markt.de und Plus.de. Tengelmann ist in 20 Ländern tätig und beschäftigt in über 4300 Filialen mehr als 83 000 Mitarbeiter.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub (53) führt in fünfter Generation den Mülheimer Familienkonzern. Ein Gespräch über unternehmerische Verantwortung beim Textildiscounter KiK, die Zukunft des Familienkonzerns und Haubs Erwartungen an die neue Bundesregierung.

Herr Haub, im September haben Sie zur Wahl von CDU/CSU aufgerufen. Jetzt haben Sie eine Große Koalition bekommen. Sind Sie zufrieden?

Haub: Ich habe ein klassisches 50:50-Erfolgserlebnis. Rot-Rot-Grün mit dem Wahnsinn einer Besteuerung von Betriebsvermögen hätte der Wirtschaft unmittelbar geschadet. Aber auch die aktuellen Pläne in der Rentenpolitik werden dem Wirtschaftsstandort Deutschland sicher nicht gut tun. Die neue Regierung wird im Gesetzgebungsverfahren hoffentlich noch einiges glattziehen.

Tengelmann-Chef vermisst "liberalen Gedanken" in Koalition

Was vermissen Sie im Koalitionsvertrag?

Haub: Es fehlt das Thema Eigenverantwortung. Wo steht im Koalitionsvertrag die Aufforderung an den Einzelnen, sich selbst zu engagieren, selber etwas zu tun? Der versorgende Staat will sich um alles kümmern. Man kann nicht bei jedem Thema nach dem Staat rufen. Ich vermisse den liberalen Gedanken, etwas selber anzupacken.

Dafür hätten Sie im Wahlkampf Ihre Anzeige aber nicht für die Union, sondern für die FDP schalten müssen. Liberale Ideen in der Wirtschaftspolitik der CDU muss man inzwischen lange suchen.

Haub: Ich hätte mich schwer getan, zur Wahl der FDP aufzurufen – so wie sie aufgestellt war. Mir ging es darum, die konservative Kraft zu stärken. Das ist auch gelungen. Es hat ja am Wahlabend kurzzeitig nach einer absoluten Mehrheit für die Union ausgesehen. Wir wollten vor allem verhindern, dass auf die Unternehmen noch höhere Belastungen zukommen.

Glauben Sie denn wirklich, dass Steuererhöhungen für die Große Koalition tabu bleiben?

Haub: Der Koalitionsvertrag baut wie selbstverständlich darauf auf, dass dieses zarte Pflänzchen von Aufschwung und sprudelnder Steuereinnahmen weiter wächst. Das ist aber weder selbstverständlich, noch gesichert. Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn die Arbeitslosigkeit steigt und das Wachstum schrumpft.

Wie waren denn die Reaktionen auf Ihre Anzeige für Frau Merkel?

Haub: Bis zum Wahlabend ergoss sich ein ordentlicher Sturm in den sozialen Medien. Zustimmung gab es aus dem Unternehmerlager. Ich war überrascht, dass sich nicht mehr Unternehmer engagiert haben. Ich habe die Anzeige aus Überzeugung geschaltet. Viele andere beklagen sich zwar, sind aber nicht bereit, auch mal etwas zu tun.

Wird das Augenmerk der Wirtschaftspolitik zu sehr auf Großkonzerne gelenkt?

Haub: Seit der Wirtschaftskrise 2008 hat sich herumgesprochen, dass Familienunternehmen größere Stabilität haben. Mittelstand kann atmen und Schläge einstecken. Medien berichten aber meist über die Großen.

Tengelmann gegen Alleingang bei Hilfsfonds für Bangladesch

Tengelmann war auch in den Schlagzeilen – aber negativ wegen der Beteiligung an dem Textildiscounter KiK. Was ist mit Ihrer eigenen Verantwortung nachzuschauen, was Sie in Billiglohnländern einkaufen? Der verheerende Einsturz einer Fabrik in Bangladesch und der Brand in einer anderen haben weltweit für Entsetzen gesorgt.

Haub: Es ist mittlerweile unbestritten, dass alle einkaufenden Textilunternehmen mit diesem Problem zu tun haben – selbst die teuren Labels. Wir hatten in den letzten Jahren begonnen, allein und aus eigener Kraft einige Verbesserungen in den Produktionsländern auf die Beine zu stellen. Das ist uns aber nicht mit großem durchschlagendem Erfolg gelungen. Es ist sehr traurig, dass es dieses tragische Unglück brauchte, damit sich alle Unternehmen, die dort produzieren lassen, endlich an einen Tisch setzten, um gemeinsam etwas zu bewegen. Das Brandschutzabkommen für Bangladesch wäre vorher gar nicht denkbar gewesen.

Tote in Textilfabrik in Bangladesch

In der Frage, wie Einsturz- und Brandopfer in Bangladesch angemessen entschädigt werden, hat diese Einigkeit aber nicht funktioniert.

Haub: Wir wollen gerne den gemeinsamen Hilfsfonds auf den Weg bringen, aber nicht allein. Wir können das Problem nicht allein lösen.

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Kommentare
03.01.2014
00:28
Warum bietet KiK und andere T-Shirts für 1,99 Euro an ?
von nullrunde | #26

KiK und all die anderen sind auch wichtig um die Stabilität des Euro dem Verbraucher vorzugaukeln .
Es wird halt in den statistischen Warenkorb ,...
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Warum bietet KiK T-Shirts für 1,99 Euro an, Herr Haub?
Warum bietet KiK T-Shirts für 1,99 Euro an, Herr Haub?
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2014-01-02 06:09
Wirtschaft