VW-Patriarch Piëch auf Distanz zu Vorstandschef Winterkorn

Wolfsburg..  Das Verhältnis der mächtigen VW-Automanager Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn scheint gestört. Dem „Spiegel“ sagte VW-Aufsichtsratchef Piëch: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Die Äußerung kommt einem Erdbeben im Volkswagen-Konzern gleich. Damit scheint die bislang als selbstverständlich angesehene Berufung Winterkorns an die Spitze des VW-Aufsichtsrats mehr als fraglich. Winterkorns Vertrag als VW-Vorstandschef läuft bis 2016, Piëchs Vertrag als Chefaufseher endet 2017.

Seit 1981 arbeiten Piëch und Winterkorn zusammen, damals noch bei Audi. Nun aber häuft sich im Aufsichtsrat offenbar die Kritik an Winterkorns Arbeit. Ein Kritikpunkt sei die schwache Rendite der Konzern-Kernmarke VW, berichtet der „Spiegel“.

Wer nun Chef des VW-Aufsichtsrats werden könnte, ließ Piëch demnach offen. Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen, Allerdings werde es kein Mitglied der VW-Eignerfamilien sein. Sowohl an der Spitze des Aufsichtsrats als auch an der Spitze des Vorstands müsse ein Techniker sitzen. Die Familien Porsche und Piëch besitzen die Stimmenmehrheit bei Volkswagen. Piëch gilt als VW-Machtzentrum. Ohne ihn fällt keine zentrale Entscheidung. Der Patriarch hatte den Konzern vor Winterkorn selber geführt.

Betriebsrat hält zum VW-Chef

Der VW-Betriebsrat sprang Winterkorn zur Seite. „Wir haben mit Winterkorn den erfolgreichsten Automobilmanager an Bord. Gemeinsam mit ihm haben wir seit 2007 eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben. Wenn es nach uns geht, wird sein Vertrag über 2016 hinaus verlängert“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Eine weitere Diskussion über Personen lehnt er ab. „Wir plädieren dafür, dass wir uns nun wieder dem Unternehmen und seinen 600 000 Beschäftigten zuwenden und weiter am Erfolg arbeiten.“