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VRR will "Ticket 1000" ent- und "Ticket 2000" aufwerten

08.07.2013 | 19:52 Uhr
VRR will "Ticket 1000" ent- und "Ticket 2000" aufwerten
Ticket 1000 und 2000: Die Monatskarten sollen sich künftig noch deutlicher unterscheiden.Foto: Lars Heidrich/WAZ FotoPool

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) will mehr Kunden im öffentlichen Personennahverkehr an die teurere Monatsfahrkarte „Ticket 2000“ binden. Deshalb plant der VRR, die Leistungen des „Ticket 1000“ zu beschneiden und das „Ticket 2000“ attraktiver zu gestalten. So steht es in einer VRR-Beschlussvorlage.

Die Rheinbahn in Düsseldorf versuchte es im Juni dieses Jahres auf die sanfte Tour. Der Verkehrsbetrieb der Landeshauptstadt schrieb 15 000 Abonnenten der günstigen Monatsfahrkarte „Ticket 1000“ an und machte ihnen die teurere 2000er-Variante schmackhaft. „Wechseln Sie zum Premium-Ticket“, forderte die Rheinbahn ihre Kunden auf. Und legte gleich einen neuen Vertrag bei. Unterschrift genügte.

Ein Gedanke, der offenbar auch den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in Gelsenkirchen umtreibt. Eine Beschlussvorlage für den Verwaltungsrat des Verbundes empfiehlt, den „Weg einer Profilschärfung zwischen einem Standard- und einem Premiumprodukt“ weiter zu beschreiten. Heißt im Klartext: Die Leistungen des günstigeren „Ticket 1000“ sollen eingedampft, die des teureren „Ticket 2000“ ausgebaut werden. Der Verwaltungsrat soll darüber am Freitag entscheiden.

Bereits 2013 deutliche Preisanstiege

Und die Vorlage sagt auch gleich, wie das gehen soll: Die Mitnahme eines Erwachsenen am Wochenende und werktags nach 19 Uhr soll beim „Ticket 1000“ entfallen. Dafür dürfen Abonnenten künftig ein Fahrrad mitnehmen. Das war bislang nur Kunden des ähnlichen „Firmentickets“ gestattet. Auch sie sollen auf die Mitfahrgelegenheit für Erwachsene künftig verzichten.

Gleichwohl will der Verkehrsverbund die Attraktivität des „Premiumprodukts“, des „Ticket 2000“, steigern. Durften Abonnenten dieser Fahrkarte bislang nur am Wochenende und werktags nach 19 Uhr Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre auf ihrem Ticket mitnehmen, soll ihnen das jetzt rund um die Uhr gestattet werden.

Die Preise für alle Monatstickets, egal ob „Ticket 1000“ oder „Ticket 2000“, sollen auch 2014 steigen. Wie hoch, darüber schweigt sich die VRR-Vorlage aus. Nur so viel: „Die Preise sollen sich im Erhöhungsmaß an den tarifstrategischen Leitlinien der vergangenen Jahre orientieren“, heißt es dort.

Bereits 2013 hatte der Verkehrsverbund die Preise deutlich angehoben. Im Schnitt stiegen die Ticketpreise um 3,9 Prozent. Besonders betroffen vom Preisanstieg: das „Ticket 2000“. Der VRR nannte damals die rege Inanspruchnahme der Zusatznutzen – Fahrradmitnahme und Mitfahrgelegenheiten – als Grund. Im Jahr 2012 zählte der VRR etwa 1,1 Millionen Kunden mit „Ticket 1000“. Etwa vier Millionen Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel an Rhein und Ruhr waren im Besitz eines „Ticket 2000“.

Einführung eines Wochentickets im Gespräch

Neben Leistungsveränderungen bei Monatstickets denkt der VRR auch über die Einführung eines Wochentickets nach. Das gab es bereits schon einmal an Rhein und Ruhr, wurde aber im Jahr 2006 zugunsten eines Vierer-Tagestickets abgeschafft. Der Verwaltungsrat des Verkehrsverbundes soll nun darüber befinden, ob er sich für die Wiedereinführung stark macht.

Die VRR-Vorlage nennt auch einen Preis: Das Wochenticket soll 37 Prozent des Einzelpreises eines „Ticket 1000“ kosten – im günstigsten Fall etwa 23 Euro. Und soll nur auf elektronischem Wege, also über das Internet, vertrieben werden.

Auch Kunden, die in Nahverkehrszügen die Erste Klasse nutzen, müssen sich auf Änderungen einstellen. Bislang gibt es nur eine Preisstufe, egal, wie lang die zurückgelegte Strecke ist. Der VRR will künftig mehr Geld von ihnen sehen, wenn sie eine längere Reise antreten. 15 Prozent, sagt die Vorlage für den Verwaltungsrat. Im Gegenzug sollen kürzere Fahrten günstiger werden. Von fünf Prozent Rabatt ist die Rede.

Sven Frohwein


Kommentare
09.07.2013
21:12
VRR will
von buerger99 | #53

Eine Riesensauerrei! Vor allem das der Zuschlag für die 1. Klasse nun auch noch gestaffelt werden soll.
Nirgend wo in Deutschland gibt es Ticket für Bürger ab 60 Jahre , was nur ca. 30% eines Ticket 2000 kostet. Das Bärenticket : Für ca. 71.70€ Preisstufe D / 94.80€ Preisstufe E
KOSTENLOSE Nutzung der 1. Wagenklasse und ab 19:00 Uhr inkl. der Mitnahme einer 2. Person ebenfalls in der 1. Klasse!

Vergleich Ticket 1000 Preisstufe D: 132,09 / E: 196,74 + 1. Kl Zuschlag 43,42€
Ticket 2000 Preisstufe D: 138,76 / E: 206,27 / 1.Kl Zuschlag 43.42€
Mitnahme 2. Person 1. Kl. NEIN!
alles ABO Preise.

Warscheinlich scheinen sich einige Bärenticket Besitzer bei der VRR beschwert zu haben, das die Bürger die alleine NUR für die 1. Klasse 43,32€ zahlen ihnen die Sitzplätze weg nehmen.

Aber irgend wie müssen die Leih-Autos und Leih-Räder in den Innenstädten bezahlt werden.

09.07.2013
21:04
VRR will
von tomatenkiller_neo | #52

#44-1 Nein Paselacki, ICH hab keinen in der Krone und fasel was von 2 Stunden
Autofahrt verbieten. Da nutzt es auch nichts, mit dem tattrigen Finger einen Beitrag
doppelt abzuschicken.

09.07.2013
20:59
VRR will
von tomatenkiller_neo | #51

#49 Klar, hol mal in einer völlig überfüllten S1 ein Laptop raus ...

Schlaf mal im Stehen, wenn eine Knallcharge mal wieder seine Musik volle
Kanne aufgedreht hat und die Ohrstecker verkehrt rum drin sind ...

Guck einfach in die Luft und plane schon mal die Entschuldigung für den Chef fürs
Zuspätkommen, wenn mal wieder morgens die S-Bahn ausgefallen ist ...

Erfreue die Mitreisenden durch lautstarkes Essen und Schmatzen, sie freuen sich.

09.07.2013
19:29
leserschwert | #49
von schRuessler | #50

Schön wärs.

Von der Zeit, die ich mit demÖPNV zur Arbeit brauche, verbringe ich den Großteil an Haltestellen bzw Bahnhöfen beim Warten. Und ein Stehplatz im Bus lädt auch nicht unbedingt zum Arbeiten am, Laptop ein.

Und warum muss eigentlich jeder ÖPNV-Verfechter hier mit Beleidigungen wie "denkfaules Autofahrerhirn" um sich werfen?

Übrigens schaffe ich es mit meinem "denkfaulen Autofahrerhirn" tatsächlich auch, während der Fahrt schon mal zu überlegen, was auf der Arbeit ansteht.
Wer das nicht schafft, sollte wirklich lieber Bahn fahren.

09.07.2013
16:25
#48
von leserschwert | #49

Natürlich dauert es für viele Wohn-/Arbeitsortkombinationen mit Bus & Bahn länger als mit dem Auto. Trotzdem bitte bei den Zeitangaben ehrlich rechnen: Das einzige, was Sie im Auto, außer "auf die Fahrbahn starren" und "sich über die anderen ärgern" machen können, ist "wdr2 hören". In der Bahn kann man seinen laptop / tablet oder sein smartphone rausholen, lesen, schreiben, schlafen, essen oder einfach in die Luft gucken und schonmal überlegen, was gleich im Büro ansteht.

Anders ausgedrückt: Wer eine Stunde in der Bahn mit einer Stunde im Auto vergleicht und zu dem Ergebnis kommt, dass er da jetzt gleich lang unterwegs ist, betreibt mit seinem denkfaulen Autofahrerhirn eine Milchmädchenrechnung. Autofahren ist Zeitverschwendung, Bahnfahren nicht unbedingt. Es sein denn, eines Ihrer zahlreichen Hobbys ist Staunachrichten hören oder sich über Spritpreise / Werkstattabzocke / Parkgebühren ärgern. Dann sei Ihnen die Zeit hinterm Steuer gegönnt, und ich will nix gesagt haben.

2 Antworten
ÖPNV langsamer
von moikel | #49-1

Das man mit dem ÖPNV langsamer ist als mit dem PKW stimmt in den meisten Fällen. Nur warum?

Richtig, weil in den letzten Jahrzehnten konsequent das Autofahren durch immer neue Autobahnen gefördert wurde, während Bahnschienen zurückgebaut, Haltestellen der Verwahrlosung preisgegeben und Fördergelder zusammengestrichen wurden.

VRR will
von ExWalsumer | #49-2

Gute Idee, ich mach in meiner Freizeit auch nichts anderes als mit dem Handy Musik zu hören und irgendwelche spielchen am Tablet zu spielen. Das kann ich ja auch im Zug.

Die Realität ist leider etwas anders. Ich kann in nem Bus weder die Wohnung saugen, noch Spülen oder kochen. Den Müleimer leeren könnte ich, das bringt mir aber zu Hause nix. Wem das nicht reicht, Partner und Kinder sind auch glücklich über jede Minute die man mit ihnen verbringen kann.

Mit einer Sache haben sie tatsächlich recht, eine Stunde ÖPNV kann man nicht mit einer Stunde Auto oder Fahrrad vergleichen. Jede Stunden die ich mehr zu Hause verbringen kann, als im Bus ist doppelt so viel Wert!

09.07.2013
15:13
Scoo01 | #46
von schRuessler | #48

Ich weiß nicht, warum man immer alles wieder von vorne diskutiern muss.

Also nochmal:

Der ÖPNV ist nur dann billiger, wenn man komplett auf den PKW verzichten kann.
Ansonsten fallen Anschaffungskosten, Steuer, Versicherung, Inspektion etc auch dann an, wenn der PKW in der Garage bleibt.

Und "das schnellste" Verkehrsmittel" ist doch wohl Satire.

Wie schon mehrfach erwähnt, benötige ich für die Fahrt zur Arbeit mit dem ÖPNV ca 4-6mal so viel Zeit wie mit dem PKW.
Und da sind ausgefallene Züge und Verspätungen noch nicht eingerechnet.

Und warum sollte ich 24 Std/Tag mit der Bahn fahren, "bis der Hintern brennt"? Ich habe andere Hobbys.

09.07.2013
15:00
VRR will mehr Geld für weniger Leistung
von Aufmerksamer2013 | #47

Wie immer, jammern auf Hohem Niveu. oder Verkehrspreis explosien im Rhein Ruhr gebiet. VRR. Anstatt den Preis zu halbieren um so die meisten dazu zu bringen umzusteigen, wird der Preis mal wieder steigen und mehr Leute springen ab.

09.07.2013
14:59
Unglaubliche Milchmädchenrechnungen hier!
von Scoo01 | #46

Die Unterhalts- und Anschaffungskosten für Fahrzeuge sind natürlich in den letzten Jahren "nie" gestiegen ... Benzinpreisdiskussion, die hat auch nicht stattgefunden.

Schonrechnen an jeder Ecke, laufende Fahrzeugkosten werden gerne ausgeblendet. Trotz ausgefallener Züge und Verspätungen, ist es im Berufsverkehr das schnellste Verkehrsmittel.

Ach ja, meine Damen und Herren, das Monatsticket ist noch eine echte "Flatrate". Ja aufgepasst, nicht wie beim Internetanbieter ab Summe X eingebremst. Wer lust hat sich die ganzen anderen Mitfahrer anzutun, darf 24-Stunden fahren bis der Hintern brennt.

Da vergleicht man nicht die Kosten der reinen Pendelfahrt, sondern seine Gesamtkosten, dann siehts schnell anders aus in der Milchmädchenrechnung!

09.07.2013
14:02
VRR will
von ro-fisch | #45

Der öffentliche Nahverkehr wird in den kommenden Jahren fast unbezahlbar für die gebeutelten Städte und somit die Bürger, die die jährlichen Zuschussbedarfe finanzieren müssen.

Anstelle einmal die Köpfe zusammen zu stecken und über einen schlankeren, insbesondere über eine kostengünstigere Lösung nachzudenken, wird weiter so gewirtschaftet wie bisher. Unternehmensverbünde bzw. -zusammenlegungen wären geeignete Mittel um die Attraktivität des ÖPNV zu steigern und dabei die Kosten nicht aus den Augen zu verlieren. Ein steuerfinanzierter ÖPNV innerhalb der VRR-Grenzen wäre ebenso eine Überlegung wert, zumal hierdurch erhebliche Personal-/Sachkosten eingespart werden könnten. Solange jedoch Politik und VRR weiterhin nur Kirchtum-/Versorgungspolitik betreibt, kann nur auf Hilfe der EU ab 2019 gehofft werden.

09.07.2013
13:25
VRR will
von tomatenkiller_neo | #44

#42 Netter Beitrag, war wieder Happy Hour in der Kneipe ??

1 Antwort
VRR will
von Pase_Lacki | #44-1

Nicht immer von sich auf andere schließen.

Wieso? Der Beitrag ist ernst gemeint. Wenn doch Nichtraucher vor dem Rauch in einer Kneipe geschützt werden müssen, dann sollten doch wohl alle Menschen vor den weitaus größeren gesundheitlichen Schäden durch Abgase erst Recht geschützt werden.

Oder meinen Sie, die immer mehr ansteigende Anzahl an Lungenkrankheiten, Allergien u.ä. kommt daher, dass sich Kinder in Raucherclubs aufhalten? Nein, die wird auch durch Autoabgase und Feinstaub erzeugt. Und dagegen muss dringend etwas getan werden.

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