Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Börse

Vor 25 Jahren startete der Dax – mit 1000 Punkten

27.06.2013 | 18:31 Uhr
Vor 25 Jahren startete der Dax – mit 1000 Punkten
25 Jahre Dax: Eine Erfolgsstory trotz einiger Abstürze.

Frankfurt/Main.   Der Börsen-Leitindex aus den 30 größten deutschen Unternehmen hat eine wechselvolle Geschichte. Am 1. Juli 1988 startete der Deutsche Aktienindex mit gerade einmal 1000 Punkten. Danach ging es oft steil bergauf – und genauso oft auch wieder runter. Erst kürzlich, am 22. Mai, knackte der Dax seine bisherige Höchstmarke.

Auch im Duden hat er seinen festen Platz. „Dax“ steht da auf Seite 202. Die drei Buchstaben sind längst in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen: Der Deutsche Aktienindex taucht von Montag bis Freitag in „Tagesschau“ und „heute“ auf, er steht jeden Tag in der Zeitung – und dies seit mittlerweile 25 Jahren. Am 1. Juli feiert der Dax Geburtstag.

Und das in guter Laune: Schließlich hat das wichtigste Börsenbarometer in Deutschland nach sechs Jahren im Mai wieder die Marke von 8000 Punkten geknackt. Mehr noch: Am 22. Mai verbuchte der Dax mit 8530,89 Punkten zum Börsenschluss einen neuen Rekord. Aber auch so ist der Index eine Erfolgsgeschichte. Mitte der 80er-Jahre gab es zwar diverse Indizes, die die Entwicklung der Aktienkurse zusammenfassten, aber nicht von der Börse, sondern nur von einzelnen Zeitungen. Mit der Erfindung des Dax, angestoßen von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Wertpapierbörsen, der Frankfurter Börse und der Börsenzeitung, ändert sich dies. Am 1. Juli 1988 wird der Dax zum ersten Mal berechnet.

Index für die 30 wichtigsten deutschen Aktien

1163 Punkte zeigt damals die Anzeigetafel im Frankfurter Börsensaal. Es geht nicht bei Null oder Eins los, weil Frank Mella, damals Redakteur der Börsenzeitung und Vater des Dax, den Index bis auf das Jahr 1959 zurückrechnet. Die 30 wichtigsten deutschen an der Börse gehandelten Aktien finden Eingang in den Index. Kriterien sind:

  • die Marktkapitalisierung, also der Börsenwert des Unternehmens (Kurs multipliziert mit der Zahl ausgegebener Aktien) und
  • der Streubesitz, also der Anteil der Aktien, der nicht in festem Besitz ist, der bei mindestens fünf Prozent liegen muss. Der Streubesitz ist auch für die Gewichtung der Aktien im Dax wichtig: Je größer er ist, desto mehr bestimmt diese Aktie die Entwicklung des Dax. Schwergewichte sind unter anderem BASF, Bayer, SAP oder Siemens, die zusammen mit rund 35 Prozent die Richtung des Dax bestimmen. In die Berechnung des Dax fließen auch die Dividenden ein. Übernahmen, Fusionen oder wirtschaftliche Probleme einzelner Firmen führen immer wieder zu Veränderungen im Dax. Jährlich im September wird seine Zusammensetzung überprüft.

Viel Vermögen wurde vernichtet

Kontinuierlich nach oben ging es mit dem Dax allerdings nicht immer – im Gegenteil. Die Golfkrise 1990 (Grafik) führte ebenso zu einem Absturz wie die Asienkrise im Oktober 1997 und die Russland-Krise knapp ein Jahr später. Fast drei Jahre dauerte der Crash nach dem Platzen der Internetblase im Frühjahr 2000: Von 8136 Zählern stürzte der Dax – auch wegen der Terroranschläge in den USA im September 2001 – bis März 2003 auf nur noch 2188 Punkte ab. Viele Vermögen, aber auch Existenzen wurden vernichtet.

Börse
Dax knackt Marke von 8000 Punkten

Erstmal seit Januar 2008 knackt der Deutsche Aktienindex die 8000-Punkte-Marke. Das sorgt für Champagnerlaune bei den Investoren rund um den Globus. Auch der US-Leitindex Dow Jones Industrial und der japanische Nikkei-Index steigen. Aktien scheinen bei den Anlegern weltweit hoch im Kurs zu stehen.

Es dauerte fast viereinhalb Jahre, bis sich der Index auf ein neues Rekordhoch von 8151 Punkten mehr als verdreifachte. Der Ausbruch der Finanzkrise brachte der Dax-Euphorie ein jähes Ende. Im März 2009 zählte der Index nur noch 3666 Punkte, fast 55 Prozent weniger als beim Hoch im Juli 2007.

Was eine alte Anlegerregel eindrucksvoll verdeutlich: nie Geld investieren, auf das man angewiesen ist. Wer nach dem Einbruch Aktien verkaufen muss, erleidet mitunter enorme Verluste.

Bis Mai 2011 ging es dann wieder um mehr als 100 Prozent auf 7527 Punkte nach oben, bevor die Euro-Schuldenkrise zum Absturz auf 5072 Punkte im September 2011 führte. Seitdem geht es auch beim Dax fast nur bergauf – um fast 70 Prozent bis Mai dieses Jahres.

Rolf Obertreis


Kommentare
Aus dem Ressort
Essener Energieversorger Steag klagt gegen Spanien
Steag
Beim Essener Kraftwerkskonzern Steag kriselt das bislang ertragsstarke Auslandsgeschäft. Doch die Übernahme durch Stadtwerke aus finanzschwachen Kommunen des Ruhrgebiets erhält den Segen der Behörden.
Twitter begeistert Börsianer mit großem Nutzerwachstum
Kurznachrichten
Seit dem Börsengang von Twitter im November stellen sich Anleger die Frage: Wächst der Kurznachrichtendienst schnell genug? Lange konnte es Twitter den Anlegern nicht recht machen. Die neuesten Zahlen aber verzückten die Börsianer.
Wie NRW tausende Mini- in Vollzeitjobs umwandeln will
Arbeitsmarkt
Zwei Jahre lang wurden 2000 Minijobber in vier Städten gefördert. Nun wurden ihre Jobs in Vollzeitstellen umgewandelt. Arbeitsminister Guntram Schneider wertete das 300 000 Euro teure Projekt als Erfolg.
Umsatz mit E-Zigarette und Zubehör ist stark angestiegen
E-Zigarette
Der Umsatz mit E-Zigaretten und Zubehör in Deutschland ist laut Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH) innerhalb von vier Jahren von fünf auf 100 Millionen Euro bis Ende 2013 explodiert. 2014 soll er sich auf 200 Millionen Euro verdoppeln. Die Diskussion über die Gesundheitsgefährdung hält an
Wie Insolvenzverwalter Görg Karstadt verschenkt hat
Insolvenz
Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat Karstadt vor vier Jahren praktisch verschenkt. Görg überließ dem Milliardär Berggruen die Warenhauskette für einen Euro – ohne einen Vertrag mit klaren Investitionszusagen. Daher muss sich Görg nun kritische Fragen gefallen lassen.
Umfrage
Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?

Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?