Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Konto-Gebühren

Von wegen "kostenlos" - Wie Banken beim Girokonto tricksen

04.11.2012 | 18:40 Uhr
Von wegen "kostenlos" - Wie Banken beim Girokonto tricksen
Ein kostenloses Girokonto ist verlockend - doch manch eine Bank trickst bei ihren Angeboten. Dann wird das vermeintliche Gratis-Konto plötzlich teuer.Foto: Ingo Otto/WAZ FotoPool (Archiv)

Düsseldorf.   Ein kostenloses Giro-Konto - das nutzen viele Banken, um Kunden zu gewinnen - doch nach einiger Zeit kann es für den Kunden böse Überraschungen geben: Wenn das Konto plötzlich gar nicht mehr kostenfrei ist.

Um Kunden zu ködern, werben die Geldinstitute mit einem kostenlosen Girokonto – haben sie sich dann die Verbraucher geangelt, ändert manches Institut aber „klammheimlich“ die Bedingungen und kassiert doch Geld für den angepriesenen Service. Als Beispiel nennt die Verbraucherzentrale NRW die Santander Bank. „Die Bank hat Kunden mit Gratis-Girokonto ein Schreiben geschickt, das wie Werbung aussah. Darin stand: ,Glückwunsch: Ab sofort nutzen Sie GiroStar ein Jahr kostenfrei’“, erzählt Annabel Oelmann, die Expertin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale. Doch nach dem Jahr kostete das Konto eben nicht mehr null Euro, sondern 5,99 Euro pro Monat, was auch in dem Schreiben aufgeführt wurde. „Viele Angeschriebene haben den Brief aber als Werbung achtlos weggeworfen, ohne alles durchzulesen und haben so unwissentlich ihr Einverständnis erteilt“, sagt Oelmann.

Es scheint eine dreiste Masche der Banken zu sein. Um Kunden zu ködern, werben die Geldinstitute mit einem kostenlosen Girokonto – haben sie sich dann die Verbraucher geangelt, ändert manches Institut aber „klammheimlich“ die Bedingungen und kassiert doch Geld für den angepriesenen Service.

Banken
Gerichtsurteil - Kreditgebühren sind nicht rechtmäßig

Erneut hat ein Gericht festgestellt, dass Bearbeitungsgebühren für Kredite nicht rechtmäßig sind. Viele Kunden von Banken und Bausparversicherern können jetzt auf Rückzahlungen hoffen. Allerdings müssen betroffene Kunden selbst aktiv werden, um Geld zurückzubekommen.

Auf Anfrage kommentierte die Santander Bank die Kritik der Verbraucherzentrale nicht, sondern verwies darauf, dass das gebührenpflichtige „GiroStar-Konto“ Vorteile wie ein zinsfreies Sofortdispo von 500 Euro oder einen Reisebuchungsservice mit fünf Prozent Rückvergütung habe. Kunden könnten zudem jederzeit innerhalb der zwölf Testmonate wieder zurück in das kostenfreie „Giro4Free“-Konto wechseln. Auch andere Kreditinstitute – Filialbanken wie die HypoVereinsbank oder einige kleinere Sparkassen – versuchen nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW ihre Kunden vom Nulltarif zum gebührenpflichtigen Konto zu locken. „Seit dem Sommer beobachten wir dazu ei­nen Trend. In unseren Beratungsstellen häufen sich die Klagen“, sagt Annabel Oelmann. Zumindest würden aber die meisten Banken im Schreiben an die Kunden die Änderungen klar formulieren.

Angebote von Direktbanken prüfen

Grund für die Kehrtwende beim Gratiskonto sei der Kostendruck, erläutert Oelmann. Während Direktbanken, also Online-Banken ohne Zweigstellen, weiterhin kostenfreie Konten anbieten könnten, müssten die Filialbanken für ihr Filialnetz viel Geld ausgeben – und versuchten es sich über Gebühren für das Girokonto zum Teil wieder hereinzuholen.

Banken
Dispo kostet bis zu 13,25 Prozent

Für Banken und Sparkassen ist es ein lukratives Geschäft, wenn Kunden ihr Girokonto überziehen und dafür hohe Überziehungszinsen zahlen. Das Verbraucherschutzministerium hat diesen Geschäftsbereich untersuchen lassen und gestern erklärt, dass es die Überziehungszinsen für viel zu hoch hält....

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt Bankkunden, jedes Schreiben ihres Kreditinstituts aufmerksam zu lesen. Seien darin nachteilige Geschäftsänderungen enthalten, sollten die Kunden sofort Widerspruch einlegen – oder sogar das Konto kündigen und zur preiswerteren Konkurrenz wechseln. So würden manche Direktbanken nicht nur ein Gratis-Girokonto, sondern sogar bis zu 100 Euro Prämie für den Wechsel anbieten. „Oft übernehmen sie auch einen Wechselservice, danach sollten Kunden fragen“, erläutert Oelmann.

„Regelmäßig vergleichen“

Laut der Verbraucherschützerin wechseln aber kaum Bürger ihr Kreditinstitut. „Oft führen die Leute einfach das Konto weiter, das ihre Eltern ihnen für den ersten Ferienjob eingerichtet hatten.“ Man solle aber immer wieder die Konditionen prüfen. „Also regelmäßig vergleichen, wie hoch etwa die Kontoführungskosten, die Dispo-Zinsen oder die Kosten für Kreditkarten sind und gegebenenfalls wechseln“, sagt Oelmann.

Christopher Shepherd


Kommentare
06.11.2012
07:59
Wer lesen kann .....
von tho_mse | #1

Was heisst wohl "Glückwunsch: Ab sofort nutzen Sie GiroStar __ein Jahr__ kostenfrei’"
Was passiert wohl nach einem Jahr??? Danach zahlt die Bank mir 50€ im Monat? Wohl kaum.
Banken sind wie alle anderen Firmen auch. Sie wollen Geld verdienen und haben nichts zu verschenken. Das sollte jeder mittlerweile verstanden haben.

Aus dem Ressort
Wichtigster Absatzmarkt - Volkswagen legt in China stark zu
Auto
Volkswagen will in diesem Jahr auf seinem wichtigsten Absatzmarkt in China wieder stark wachsen. Europas größter Autobauer plant auch einen weiteren Ausbau der Kapazitäten, um dem rasanten Wachstum des größten Automarktes der Welt folgen zu können.
Niemand will mit Barbie spielen - Umsatzrückgang bei Mattel
Kult-Puppe
Jahrzehntelang waren Barbie und Ken aus Kinderzimmer der Mädchen weltweit nicht wegzudenken. Aber jetzt schwächelt der Umsatz von Hersteller Mattel: Die Verkäufe der Puppen-Ikone fielen im ersten Quartal um 14 Prozent. Schuld sind wohl Smartphones und Konsolen.
Taxifahrten und Gemüse könnten mit Mindestlohn teurer werden
Arbeitsmarkt
Mit der Einführung des Mindestlohns könnten Taxifahrten und Saisongemüse deutlich teurer werden. Das fürchten zumindest die Branchenverbände. So müsste eine durchschnittliche Taxifahrt um 15 Prozent teurer werden, heißt es. Auch für Spargel müssten Verbraucher mehr zahlen.
Flughafen BER wird laut einem Experten nicht vor 2017 fertig
Großprojekt
Wann werden am neuen Hauptstadtflughafen Passagiere abgefertigt? Ein Verkehrsexperte aus dem Bundestag hat angeblich Erkenntnisse dafür, dass es noch länger dauert als bisher gedacht. Der Betreiber widerspricht: "Nein, das entspricht nicht dem Sachstand der Flughafengesellschaft."
Zulieferer Continental könnte in GM-Skandal hereinrutschen
Massen-Rückruf
Der deutsche Automobil-Zulieferer Continental könnte in den Skandal um General Motors rutschen. In den USA wird eine Conti-Tochter verklagt, weil von ihr produzierte Airbags für den amerikanischen Konzern nicht funktioniert haben sollen.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?