Virtuelle Realität vom Niederrhein

Neukirchen-Vluyn..  Neukirchen-Vluyn. Klein, flexibel, hoch kreativ – ein Hightech-Unternehmen wie die Viscon GmbH vermutet man kaum in dem kleinen Gewerbegebiet an der Hochstraße. Dennoch gehören zu den Kunden des Teams um Managing Director Eric M. Küpper die Global Player der Automobilindustrie, die Bundeswehr, der Luftfahrtriese Airbus, Flughäfen auf der ganzen Welt. Sie alle setzen auf Virtual Reality, kurz VR. Oder, wie es der Viscon-Chef augenzwinkernd beschreibt, auf das Holodeck der Enterprise. Die Geschichte der Viscon GmbH ist eine Erfolgsgeschichte – und alles begann vor etwa zwölf Jahren im Hinterzimmer einer alten Gaststätte am Niederrhein...

Nicht in die Wiege gelegt

„Gelernt hab’ ich Vermessungstechniker.“ Eric M. Küpper war es nicht in die Wiege gelegt, dereinst für Konzerne wie VW oder BMW zu arbeiten. Aber als die Düsseldorfer Firma, bei der er als „Hiwi“ angefangen und sich hochgearbeitet hatte, das Interesse an der Virtual Reality verlor, da klopften die Automobilriesen an die niederrheinische Tür: „VW, Porsche und auch Airbus wollten uns.“ Ein solches Angebot erhält man nur einmal, und Küpper griff zu. Als kostenbewusster Jungunternehmer („Als Start-up weiß man ja nicht, wie‘s läuft“) wurde die Firma im Hinterzimmer einer Gaststätte gegründet, die dem Vater seines Freundes, Geschäftspartners und Tischlermeisters Markus Knoor aus Saelhuysen gehörte – denn Vater Knoor verlangte keine Miete.

Heute, zwölf Jahre später, liegt die Umsatzerwartung 2014 der Viscon GmbH mit ihren 13 Mitarbeitern bei 8,5 Millionen Euro. Die Kunden, die die Virtuelle Realität vom Niederrhein benötigen, sitzen in Wolfsburg und München, in Hongkong und Tel Aviv. Was nun genau ist VR, und wie setzt man sie ein? Die Beschreibung des Viscon-Chefs – „das Holodeck der Enterprise“ – trifft es ziemlich genau: In einen Raum, Cave genannt, wird ein dreidimensionales Bild projiziert, das dem Nutzer der Cave beispielsweise den völlig realen Eindruck vermittelt, er stünde in der Kabine eines Airbus. Er kann in der Kabine auf und ab laufen, alles aus jedem nur denkbaren Blickwinkel betrachten, jederzeit alles verändern. Die Konstruktion, die für eine solche VR bei Airbus benötigt wurde, geht über drei Stockwerke, ist über neun Meter hoch und verwendet über 21 Quadratmeter große Projektionsscheiben mit einem Gewicht von jeweils ein paar Hundert Kilo – gebaut von Geschäftspartner Markus Knoor, dem Schreiner aus Saelhuysen.

Vorreiter dieser Technik in der Industrie waren die Automobilhersteller: „VW hat als erster ein VR-Labor gegründet.“ Heute entstehen die Fahrzeuge aller großen Hersteller als 3D-Designstudie im Computer und werden anschließend virtuell begutachtet. Wie schult man heute Fluglotsen für ihre speziellen Aufgaben? Mit Virtual Reality und einer 360°-Projektion: „In Schiphol nutzen wir 20 Projektoren.“ Und ein Viscon-Partner in Brasilien baute eine Ölplattform in 3D nach, um Evakuierungspläne zu entwerfen.