Viel Korruption in NRW-Ämtern
25.01.2011 | 06:58 Uhr 2011-01-25T06:58:00+0100Essen. Alarmierende Studie über Korruption in NRW-Ämtern: In den vergangenen zwei Jahren wurden fast zwei Drittel der Behörden durch Kriminalität geschädigt. Damit liegt NRW deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Oft geht es um viel Geld.
Für Steffen Salvenmoser besteht kein Zweifel: „Die Behörden in Nordrhein-Westfalen haben ein Korruptionsproblem“, sagt der ehemalige Staatsanwalt, der sich nun in Diensten der Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers befindet. PwC, so das Kürzel der renommierten Firma, hat eine Studie zur „Kriminalität im öffentlichen Sektor“ erstellt. Das Ergebnis für NRW alarmiert die Prüfer: In den vergangenen zwei Jahren wurden fast zwei Drittel der Behörden durch Kriminalität geschädigt. „Damit liegt das Land deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Hier ist nur jede zweite Behörde betroffen“, berichtet Salvenmoser im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe.
Die Studie wurde im Auftrag von PwC und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg von TNS Emnid durchgeführt. Bundesweit haben sich Verantwortliche aus 500 Behörden geäußert. Die Auswertung für NRW umfasst die Daten aus mehr als 80 Kommunal- und Landesbehörden.
Unterschlagung und Veruntreuung
„Das Ergebnis der Studie fällt differenziert aus“, erläutert Salvenmoser. „Die Behörden in NRW sind offenbar stärker von Kriminalität betroffen als im Bundesschnitt. Mindestens ein Teil der auffällig gewordenen Fälle lässt sich auch auf die vergleichsweise scharfen Kontrollen in NRW zurückführen.“
Am häufigsten berichten die befragten Behörden in NRW über Vermögensdelikte wie zum Beispiel Unterschlagung oder Veruntreuung. Es folgen Formen von Korruption wie Vorteilsannahme und Bestechlichkeit sowie wettbewerbswidrige Absprachen, Urkundenfälschung und Subventionsbetrug. „Korruption in Behörden gehört nicht zum Alltag, ist aber ein Problem, das immer wieder auftaucht“, sagt der Staatsanwalt außer Dienst. „Wenn wir von Korruption in Behörden sprechen, geht es beispielsweise darum, dass ein Beamter eine Gegenleistung dafür erhält, dass er eine Baugenehmigung ausstellt. Bei der illegalen Zuwendung kann es sich um Bargeld ebenso wie die kostenlose Autonutzung oder einen Gratis-Großeinkauf handeln.“
Schäden zwischen 100 000 und 250 000 Euro
In NRW verursachten der Studie zufolge ein Viertel der entdeckten Straftaten finanzielle Schäden zwischen 100 000 und 250 000 Euro. Bei 16 Prozent der Fälle lag der Schaden sogar zwischen 250 000 Euro und einer Million Euro. Die Kriminalitätsbelastung in den NRW-Behörden sei zwar „sehr hoch“, urteilt Salvenmoser. „Aber die Bürger schätzen die Situation noch viel dramatischer ein, als sie tatsächlich ist.“ So gehörte zur Studie auch die Befragung von 1000 Bürgern in Deutschland, davon mehr als 200 Menschen in NRW. Das Ergebnis: Jeder zweite Bürger in NRW ist der Ansicht, dass die Verwaltung in Deutschland häufig durch Korruptionsdelikte geschädigt werde. Savenmoser gibt allerdings zu bedenken: „Vergleicht man die Korruption in Behörden und Unternehmen, schneidet der staatliche Sektor besser ab als die die private Wirtschaft.“ Fazit: „Deutschlands Beamte sind besser als ihr Ruf.“
Die Bekämpfung der Kriminalität sei in den NRW-Behörden im Vergleich mit anderen Bundesländern überdurchschnittlich stark ausgeprägt. „Die Behörden könnten allerdings noch viel tun, um Kriminalität in den Amtsstuben zurückzudrängen“, sagt Salvenmoser. Er regt zum Beispiel mehr Job-Rotation an. Denn oft arbeiten die Täter aus der Verwaltung bereits seit vielen Jahren auf ihrer Position. Trotzdem sei Job-Rotation nur bei einem Drittel der Behörden in NRW üblich. „Es ist bemerkenswert, wie mancher Behördenleiter die Gefahren unterschätzt“, urteilt Salvenmoser. „Nur etwa jeder zehnte Befragte sieht nach eigener Wahrnehmung Probleme im eigenen Haus. Tatsächlich gab es aber in den vergangenen zwei Jahren in zwei Drittel der Behörden in NRW Fälle von Kriminalität.“

10:54
Es verwundert nicht, dass Behördenleiter keine realistische Selbsteinschätzung zur Korruption in Ihren Verwaltungen haben; sind sie doch die Nutznießer der Korruption.
Wer glaubt den, dass z.B. die Genehmigung von Schwerlasttransporten bei einer Bezirksregierung Arnsberg jahrelang in die Hunderttausende korrupt ist und der Landrat wüßte dies nicht, der ist mehr als naiv.
Hier wird über kleine Hampelmänner abkassiert, ohne sich zu beschmutzen.
In der Straßenbauverwaltung NRWs läuft es noch toller. Hier werden Mitarbeiter gegen Zahlung eines monatlichen Salärs befördert und teils auch einfach so abkassiert. Wer 100 oder 200 € im Monat abdrückt, darf weiter schlafen.
Es muß natürlich auch die Statistik des BKA immer wieder angeführt werden:
70% der Korruptionsfälle in Deutschland im öffentlichen Dienst; Schaden jährlich 4 Mrd. €; Dunkelziffer 90% (damit eine Staatsanwaltschaft gegen eine Landesbehörde ermittelt, müßen schon Tote im Flur liegen..... sonst läßt man die Kollegen in Ruhe.
12:55
Die römische Dekadenz geht von den politischen Ebenen aus und durchdringt unser ganzes Gemeinwesen, das der Mafia inzwischen schon höchst nahe steht.
Eine Gesellschaft, der alle alle ethischen Vorbilder abhanden gekommen sind, kann keine gute Zukunft haben.
Ein Staat, dessen korrupte Führungselite in Politik und Wirtschaft nicht das Gemeinwohl verfolgt sondern primär eigene Interessen, wird sukzessive die Herzen der Bürger verlieren, ja Ablehnung und Feindschaft bis hin zum Widerstand ernten.
12:43
@demokratischundsozial et. al.
Ich lese immer Beamte. Weiter oben habe ich bereits ausgeführt, dass das, ich will es mal so ausdrücken, eine dumme Einschränkung ist. Die meisten Bedienstete im öffentlichen Dienst sind keine Beamte sondern Angestellte. Gerade Städte haben nur noch wenige Beamte.
Im übrigen sollte man auch einmal darüber nachdenken, dass es zu einer Bestechung immer zweier Beteiligter bedarf: dem Bestochenen und dem Bestecher. Für mich wirft das auch ein deutliches Bild auf die Moral von Unternehmen. Das hat nichts mehr mit dem Bild vom ehrlichen Kaufmann zu tun. Es scheint so, als wären unsere Unternehmen in der Bimbesrepublik angekommen. Das ist sie halt, die geistig moralische Wende des Helmut Kohl.
12:38
#32 von r.kant. Akzeptieren sie doch einfach, dass es außer mir, auch noch andere vernünftige und denkende Nutzer in dieser Kommentarfunktion gibt.
r,kant, Sie sind die Sarah Dingends des WAZ Forums.
12:36
#7 von tiptel160
44 Prozent der an Korruptionsfällen Beteiligten sind Beamte, 16 Prozent bekleideten eine Leitungsfunktion, 17 Prozent gehörten dem höheren Dienst an. Für mich sind das 44 Prozent zu viel.
Hier der Link zu dieser Studie: http://www.pwc.de/de/offentliche-unternehmen/kriminalitaet-im-oeffentlichen-sektor-2010.jhtml
#6 von Kalutti. Wer seine Staatsdiener ordentlich bezahlt verhindert auch Korruption...
Ich glaube nicht, dass Beamte bei der Essensausgabe der Tafeln Schlange stehen müssen. Und mit ihrer Begründung ist es zukünftig gerechtfertigt, wenn die wirklichen Niedriglöhner ihr Gehalt jenseits der Legalität aufstocken. Also ein Freibrief für das Personal des Sicherheitsgewerbes ( Stundenlohn 6€ Brutto) zukünftigt den Inhalt des Geldtransportes entwendet. Und auch die Putzfrau ( Stundenlohn 4-8 € brutto) darf demnächst mit gutem Gewissen den Safe der Firma, in der sie Reinigungstätigkeiten vornimmt, knacken, usw. Ach übrigends, es sind auch diese Niedriglöhner die Ihr Beamtengehalt mitfinanzieren.
12:33
Ich habe gestern noch erlebt wie Beamte, vom Bürger bezahlt, mit den Anliegen der Bürger umgehen. Keine Auskunft, keine Antworten auf dringende Fragen, Bearbeitungszeit 4,5 Jahre und dann eine Antwort, Zweizeiler, total am Thema vorbei. Bauamt Essen!
peterika
12:31
Um bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen ins Auswahlverfahren zu kommen, ist es für viele Firmen nur nur durch Bestechung möglich, dabei sein zu können...
Kommen sie mit Dumpingangeboten, berkommen sie keinen Auftrag, geben sie ein passendes Angebot ab, wird zum Nachteil des Auftragnehmers nachgebessert..
Kommt man mit passender Summe in der Tasche lässt sich das Ganze ganz anders aushandeln.
Schade nur, das das Geld den Raffzähnen, und nicht den Gemeindekassen zu Gute kommt.
12:04
@ Linker-Genosse
Entweder haben sie eine Vollknall oder sie leiden unter Verfolgungswahn.
Sobald hier ein Nutzer keinen gequilten linken Schwachsinn schreibt, wird diesem Nutzer unterstellt, mit mir identisch zu sein.
Akzeptieren sie doch einfach, dass es außer mir, auch noch andere vernünftige und denkende Nutzer in dieser Kommentarfunktion gibt.
11:53
Wenn, wie berichtet, in NRW schärfer kontrolliert wird, ist eine höhere Zahl aufgedeckter Fälle ja keine Überrraschung.
Trotzdem finden wir auf der Titelseite In NRW gehts besonders korrupt zu
Solange es keine vergleichbaren Kontrollen gibt, gibt es auch kleine vergleichbaren Zahlen.
11:53
@ #19 Atheist
Ich verstehe ihren Kommentar nicht. Was ist eigentlich: aufdoktrinierte
Dieses Wort habe ich noch nie gehört. Ich bitte um eine gelegentliche Erklärung!