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Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen

16.05.2009 | 15:54 Uhr
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen

Essen. Deutschlands führender Drogeriefilialist Schlecker schließe in großem Stil kleinere Filialen, schlägt die Gewerkschaft Verdi Alarm. Seit Anfang des Jahres seien schon 600 AS-Filialen dicht, rechnerisch damit 2000 Stellen weggefallen. Verdi reagiert darauf mit massiven bundesweiten Protesten.

Bei Deutschlands größtem Drogerieunternehmen Schlecker ist nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eine Welle von Schließungen kleinerer Filialen angelaufen. „Firmeninhaber Anton Schlecker hat nach unseren Erkenntnissen seit Jahresbeginn bundesweit bereits bis zu rund 600 AS-Filialen dichtgemacht, wodurch rechnerisch bis jetzt schon etwa 2000 Stellen weggefallen sind”, sagte der Verdi-Unternehmensbetreuer für die Schlecker-Mitarbeiter, Achim Neumann, der NRZ. Betroffen sind laut Verdi auch Standorte in Duisburg, Mülheim, Oberhausen und Dinslaken. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Schlecker-Filialen in Deutschland auf unter 9500 gefallen ist”, so Neumann. Schlecker selbst gibt stets eine Zahl von mehr als 10 000 an.

Der Drogeriediscounter stehe unter Druck vor allem durch die Konkurrenten dm und Rossmann, die dem schwäbischen Unternehmen Umsätze und Marktanteile abnähmen, so Neumann. Schlecker reagiere darauf durch die Aufgabe unrentabler Standorte und die Umstellung des Ladennetzes auf größere, sogenannte XL-Märkte.

Sorge um insgesamt 12 000 Stellen

Verdi fürchtet den Wegfall von insgesamt rund 4000 Schlecker-Filialen in Deutschland und „massive Entlassungen” in diesem und im nächsten Jahr. Es gebe „ein extrem hohes Arbeitsplatzrisiko für potenziell 12 000 Beschäftigte”, so Neumann. Damit wäre hierzulande fast jede dritte Stelle bei Schlecker in Gefahr. „Es geht um radikale Schließungen und Kündigungen. Allein bis Ende dieses Jahres könnte es bis zu 3000 Mitarbeiterinnen treffen”, sagt Neumann.

Anton Schlecker. Foto: Archiv

Die Dienstleistungsgewerkschaft macht nun dagegen mobil. Sie bringt, eingebettet in Aktionen zu den laufenden Tarifverhandlungen im Einzelhandel, gleich in mehreren Bundesländern eine groß angelegte Kampagne ins Rollen. Nach ersten Aktionen in der laufenden Tarifrunde in Nordrhein-Westfalen, darunter in Oberhausen, Bochum und am Freitag in Herten, sollen am kommenden Montag Schlecker-Filialen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und im Saarland für einen Tag Ziel von Protesten und Streiks sein. Weitere Aktionen sind in NRW, in Rheinland-Pfalz, im Osten und Norden der Republik geplant, kündigte Neumann an. Ein Ziel eines Protestzuges soll am Montag auch die Firmenzentrale des größten deutschen Drogeriefilialisten im schwäbischen Ehingen sein.

Umstellung auf Geschäfte im XL-Format

Firmeninhaber Anton Schlecker stellt nach Darstellung der Gewerkschaft wegen der scharfen Konkurrenz vor allem der Wettbewerber dm und Rossmann sein Filialnetz - auch an Rhein und Ruhr - zunehmend auf größere, sogenannte XL-Märkte mit einer Verkaufsfläche von 400 bis 800 Quadratmetern um. Eine XL-Filiale könne dabei bis zu vier Altstandorte ersetzen.

Nach ersten Anlaufschwierigkeiten sei die neue Vertriebsschiene auf bundesweit rund 60 Märkte gewachsen, mit denen die schwäbische Firma in dm- und Rossmann-Domänen vordringt. Bis zum Jahreseende könnten nach Verdi-Schätzung bis zu 200 XL-Filialen eröffnet sein. Der Drogeriediscounter selbst habe sich insgesamt 500 XL-Märkte zum Ziel gesetzt.

Schlecker habe dieses XL-Format in ein eigenes Unternehmen ausgegründet, um so „Tarifflucht” zu begehen, wirft die Gewerkschaft dem Unternehmen vor. Viele Mitarbeiterinnen, deren Altstandort geschlossen werde, könnten, wenn überhaupt, nur dann in eine der neuen tariffreien und betriebsratslosen Großfilialen wechseln, wenn sie schlechtere Bedingungen wie befristete Arbeitsverträge und einen Bruttostundenlohn von lediglich 6,50 bis acht Euro akzeptierten. In jüngster Zeit werde Mitarbeiterinnen der von Schließung betroffenen AS-Filialen mit bis zu 200 Quadratmetern Verkaufsfläche oft aber nicht einmal ein Wechsel in einen XL-Markt angeboten. Hier werde „rigoros gekündigt”, so Neumann.

Betriebsräte durchsetzen

Verdi geht es bei der Kampagne auch „darum, in den XL-Märkten die Tarifbindung zu sichern und betriebsrätliche Strukturen zu erreichen”, sagte Neumann. Verdi wirft Schlecker schon seit langem vor, die Gründung von Betriebsräten zu behindern und organisierte Mitarbeiterinnen unter Druck zu setzen. Die Gewerkschaft hat 150 000 „Rote Karten” drucken lassen, auf denen die Absender tarifliche und betriebsrätliche Mindeststandards fordern.

Schlecker dementierte die Verdi-Zahlen auf NRZ-Anfrage als „frei erfunden”.

Christian Icking

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Kommentare
11.06.2009
18:18
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von PeterPeisert | #22

@Nach ersten Aktionen in der laufenden Tarifrunde in Nordrhein-Westfalen, darunter in Oberhausen, Bochum und am Freitag in Herten, sollen am kommenden Montag Schlecker-Filialen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und im Saarland für einen Tag Ziel von Protesten und Streiks sein.

Wie soll DAS Kunden bringen? Ich habe oft auf Ausflügen in kleinen Orten Saft bei Schlecker gekauft - Alternativen gab es nicht. Schade, wenn es nicht mehr in Ladenburg oder einem anderen Ort möglich sein sollte. Wie soll aber dieses Verdi-Herumgehüpfe zusätzliche Kunden bringen - die ein Laden nun mal braucht?

25.05.2009
23:21
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von Min | #21

Ich habe heute erfahren, das meine Filiale am 16.06.09 geschlossen wird. Ich arbeite nicht auf einem Kuhdorf und wir sind die einzige Filiale in diesem recht großen Ort.
OPTIMIERUNG!!!! Das ist die Begründung.
Was aus uns Mädels wird, erfahren wir morgen.
Auch an Herrn Schlecker.... Vielen Dank....für das zerstören dreier Familien und 10-15 Jahre schufterei. Für was????

18.05.2009
10:44
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von Sweder Hopp | #20

Lieber gar nicht erst bei Schlecker, Lidl, Kaufland etc. einkaufen: wer Arbeitnehmerrechte nicht einhält, sollte mit Boykott gestraft werden

18.05.2009
10:41
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von Sweder Hopp | #19

Wer bei Schlecker, Lidl, Kaufland etc. kauft, macht sich mitschuldig daran, dass Arbeitnehmerrechte nicht eingehalten werden.

17.05.2009
21:39
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #18

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.05.2009
21:37
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von H.W.D.S. | #17

Bin wirklich gespannt, wann endlich die riesigen Glasscheiben der großkotzigen Konzernzentrale dran glauben müssen. Großkotzig hat dieses Büroungetüm nun lange genug einen Konzern nach aussen dargestellt, der er eigentlich nicht ist. Schlecker ist in meinen Augen ein unsozialer Betrieb - ohne Betriebsrat - und mit Arbetsbedingungen die an die mittelalterliche Sklaverei erinnert. Macht diesen Konzern endlich dicht, damit dieser Sozialfaschismus und die Ausbeuterei in diesen Läden endlich zu Ende ist. Schade um diel vielen 400,00 EUR-Jobs die dann kaputt sind. Aber die Ausbeutung hätte dadurch endlich ein Ende !!!

17.05.2009
07:38
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von Ritman | #16

#8 stimme Ihnen voll zu unser land wäre besser dran wenn es diese Ideologen nicht gebe.

16.05.2009
23:29
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von dasKollektiv | #15

radikale Gesinnung? kannst du das mir mal Erklären? und wieso Linke? also ich verstehe dich nicht.. was möchtest du sagen?

16.05.2009
23:24
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von immerNett | #14

@13 Deine Forderung spiegelt deine radikale Gesinnung wieder. Daher Linke, NEIN DANKE.

16.05.2009
22:22
Verdi: Schließungswelle bei Schlecker angelaufen
von dasKollektiv | #13

Rote-HartzIV-Fraktion wir brauchen dich..!

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