Verdi-Protest gegen "sozialpolitischen Skandal" bei der Post

Um die Bezahlung der Paketzusteller der Post ist ein Streit entbrannt. Nach Einschätzung eines Verdi-Tarifexperten verdienen die Zusteller nur 85 bis 65 Prozent dessen, was ihnen nach dem Haustarifvertrag zusteht.
Um die Bezahlung der Paketzusteller der Post ist ein Streit entbrannt. Nach Einschätzung eines Verdi-Tarifexperten verdienen die Zusteller nur 85 bis 65 Prozent dessen, was ihnen nach dem Haustarifvertrag zusteht.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Verdi wirft der Deutschen Post Vertragsbruch und Tarifflucht vor. Die Post klagt dagegen über Wettbewerbsnachteile und die fehlende Gesprächsbereitschaft der Gewerkschaft.

Düsseldorf.. Die Deutsche Post AG rühmt sich, in den nächsten fünf Jahren bis zu 10.000 Stellen in der Paketzustellung zu schaffen. Die Gewerkschaft Verdi indes wirft dem Logistik-Riesen Tarifflucht vor. Die Vize-Vorsitzende Andrea Kocsis sprach am Mittwoch in Düsseldorf sogar von einem „sozialpolitischen Skandal erster Güte“.

Was ist passiert? Seit Anfang des Jahres hat die Post analog zu ihren bundesweit 49 Niederlassungen, von denen aus die regionale Paketzustellung gesteuert wird, sogenannte DHL Delivery GmbHs gegründet.Befristet Beschäftigten bietet das Unternehmen nun an, dort unbefristete Verträge erhalten zu können. Nach Verdi-Angaben allerdings zu deutlich schlechteren Bedingungen. Während bei der Post ein Haustarifvertrag mit Stundenlöhnen zwischen 13,90 und 17,61 Euro gelte, orientierten sich die DHL Delivery GmbHs am schlechteren Tarifvertrag für die Logistik- und Speditionsbranche.

25 Prozent haben befristete Verträge

Nach Einschätzung des Verdi-Tarifexperten Stephan Teuscher verdienten die Zusteller somit nur noch 85 bis 65 Prozent dessen, was ihnen nach dem Post-Haustarifvertrag zustehe. Von den bundesweit 86.000 Brief- und Paketzustellern sowie den 14.700 reinen Paketzustellern, so Teuscher, habe jeder vierte einen befristeten Vertrag.

Recht Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis ist alarmiert. „Das neue Modell ermöglicht es der Post, auch unbefristet Beschäftigte zu schlechteren Konditionen in die Delivery GmbHs zu versetzen“, sagte sie gestern in Düsseldorf. Die Gewerkschafterin kritisiert aber nicht nur, die vermeintliche Tarifflucht des „gelben Riesen“. Kocsis wirft dem Konzern zudem Vertragsbruch vor. So verstoße die Post etwa gegen die geltende Vereinbarung, dass sie nur bis zu 990 der 9800 Zustellbezirke fremd vergeben dürfe.

„Ein Streik ist die ultima ratio“

Während Verdi noch mitten in internen Abstimmungen steckt, wie sie auf das Vorpreschen der Post reagieren wird (Kocsis: „Ein Streik ist die ultima ratio.“), weist Post-Personalvorstand Melanie Kreis die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück: „Die neuen Firmen zahlen nach regionalen, mit Verdi vereinbarten Tarifverträgen und teilweise darüber“, sagte die Managerin der „Rheinischen Post“. Sie räumte aber auch ein: „Damit wir wettbewerbsfähig sind, müssen wir uns bei den Gehältern der geplanten 10.000 weiteren Zusteller nun dem Marktniveau annähern.“ Laut Kreis habe sich Verdi verweigert, die Gehaltsfragen innerhalb des Haustarifvertrags zu lösen.