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Wenn der Nachbar das Paket annimmt - sieben Irrtümer

09.12.2015 | 09:00 Uhr
Wenn der Nachbar das Paket annimmt - sieben Irrtümer
Foto: dpa

Essen.   Als Nachbar hilfsbereit zu sein, ist ein netter Zug. Zum Beispiel, wenn man Pakete für andere annimmt. Rechtlich ist das nicht immer unkritisch.

Pakete für Nachbarn annehmen ist für viele zur Gewohnheit geworden, mitunter eine nervende Gewohnheit, dank Amazon, Zalando und Co. Schließlich boomt der Online-Handel, und Paketzusteller geben sich tagsüber die Klinke in die Hand. Gerade zur Weihnachtszeit steigt das Paket-Aufkommen erheblich.

Im Großen und Ganzen ist man als hilfreicher Nachbar vor Rechtsfolgen gefeit. Es handelt sich schließlich meist nur um eine Gefälligkeit. Aber es gibt Ausnahmen. Man kann die Annahme von Post für andere selbstverständlich verweigern. Manchmal sollte man das sogar. Corinna Reisewitz, Juristin der Verbraucherzentrale NRW räumt mit ein paar Rechtsirrtümern auf.

Ein Nachbar ist ein klar definierter Begriff? Nein, so ist es nicht

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"Dessen Haus oder Wohnung angrenzt oder in der Nähe eines andern ist" - den nennt man im Deutschen "Nachbar", heißt es etwa im Wörterbuch der Brüder Grimm, der ersten systematischen Erfassung des deutschen Wortschatzes. Doch dass der Begriff rechtlich klar ist, das ist eher ein Märchen. Wie genau man den Begriff "Nachbar" definieren muss, ist im Postverkehr sogar "ein ständiger Streitpunkt", sagt Corinna Reisewitz, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW, mit dem sich schon mehrere Gerichte befasst haben. So reicht es nach gängiger Auffassung nicht aus, wenn der Zusteller auf eine Benachrichtigungskarte nur "Nachbar" schreibt, wenn er eine Postsendung an anderer Stelle im Haus abgegeben hat. Manchen Gerichten, sagt Reisewitz, reicht aber etwa die Angabe "direkter Nachbar" aus. Allgemein gelte: In einem Mehrfamilienhaus sind gemeinhin alle übrigen Hausbewohner Nachbarn. In Hochhaussiedlungen wiederum nur die Mitbewohner auf der Etage.

Es ist nicht entscheidend, ob ich einen Nachbarn wirklich kenne! Falsch

Wenn man weiß, dass es die auf einer Postsendung adressierte Person im Haus nicht gibt, dann sollte man eine solche Sendung nicht annehmen, sagt Corinna Reisewitz, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW. Wenn es sich später als Straftat herausstellt, weil Betrüger zum Beispiel einen falschen Namen auf die Klingel einer leerstehenden Wohnungen gesetzt haben , dann ist dadurch höchst wahrscheinlich ein Schaden entstanden – und zwar dem Absender. Die einzige Adresse in der Sendungsverfolgung ist der Nachbar, der die Sendung für jemand anderen angenommen hat. Kommt es zu einem Verfahren, müsste aber Vorsatz nachgewiesen werden. Der wäre etwa gegeben, wenn man das Paket angenommen hat, im Wissen darum, dass es den Adressat an der Adresse nicht gibt. Das gilt auch, wenn ein Fremder im Besitz der Abholkarte ist und die Postsendung in Empfang nehmen will.

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Es ist egal, wann ich dem Nachbarn sein Paket aushändige! Nicht ganz

Corinna Reisewitz erklärt: Wenn man mit dem Nachbarn vorher etwas ausgemacht hat, dann steht man rechtlich in einem Auftrags-Verhältnis und sollte sich an die Absprache halten. Das ist zum Beispiel so, wenn der Nachbar den Erhalt einer Sendung angekündigt hat und man vereinbart hat, sie für ihn in Empfang zu nehmen. War man einfach nur da, als der Zusteller klingelte, und nimmt eine Postsendung für jemand anderen im Haus an, dann ist das rechtlich ein Gefälligkeitsverhältnis. Dafür gibt es keine Fristen.

Die Unterschrift ist nur für den Zusteller wichtig. Nun, ja...

Damit quittiert man, dass man die Postsendung angenommen hat. Und man wird für die Sendungsverfolgung erfasst. Es ergibt sich jedoch keine rechtliche Verpflichtung gegenüber dem Postunternehmen. Auch gegenüber dem Absender hat man sich zu nichts verpflichtet. Gegenüber dem Empfänger aber schon...

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Kommentare
10.12.2015
12:46
Wenn der Nachbar das Paket annimmt - sieben Irrtümer
von ArthurSpooner | #30

Also wenn man sich hier die Kommentare so durchliest... irgendwie scheine ich ja echt Glück mit meinen Nachbarn zu haben. Hier wird ja echt nur...
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1 Antwort
Wenn der Nachbar das Paket annimmt - sieben Irrtümer
von kd-gv | #30-1

Also bei mir geht es darum, das ich weder meine Nachbarn mit meinen Paketen belästigen möchte, ebenso umgekehrt. Mit meinen Nachbarn habe ich keinerlei Probleme.
Zum gerühmten Service von DHL und den Packstationen. Ich habe mir eine DHL Karte/Konto angeschafft und zweimal versucht mir ein Paket an eine Filiale senden zu lassen, under anderem ein Paket von dem kleinen unbekannten Unternehmen mit dem A... Daten dreimal überprüft, alles gut. Jedesmal ist das Paket von der Versandverteilstelle Krefeld zurückgesendet worden, hat also gar nicht die Filiale erreicht. Wie schon gesagt, ich lasse den Boten jetzt laufen.

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Wenn der Nachbar das Paket annimmt - sieben Irrtümer
Wenn der Nachbar das Paket annimmt - sieben Irrtümer
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http://www.derwesten.de/wirtschaft/verbraucher/wenn-der-nachbar-das-paket-annimmt-sieben-irrtuemer-id10263333.html
2015-12-09 09:00
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