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Rewe im NDR-Markencheck - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern

04.09.2012 | 08:24 Uhr
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Rewe im NDR-Markencheck - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
Rewe kommt im "Markencheck" des NDR in Sachen Produktqualität ganz gut weg. Beim Blick auf soziale Kriterien offenbart die Supermarktkette aber Schwächen.Foto: dapd

Essen.   Supergünstig, hohe Qualität und gutbezahlte Mitarbeiter und Zulieferer – so soll er sein, der ideale Supermarkt. Rewe erfüllt diese Ansprüche nicht alle, wie der NDR in seinem Markencheck zeigt. Der allerdings ist diesmal eine krampfhafte Suche von Enthüllungsjournalisten nach der berühmten Leiche im Keller.

Jetzt, wo die großen Phänomene der deutschen Einzelhandelslandschaft durchgecheckt sind , stürzen sich die Reporter der Öffentlich-Rechtlichen auf die B-Ware. Beispielsweise Rewe. Auch hier, so dachten sie wohl, wird es irgendeine empörende Sensation aufzudecken geben. Damit sollten sie Recht behalten. Immerhin, auch beim zweitgrößten Lebensmittelhändler Deutschlands geht nicht alles mit rechten Dingen zu.

Die gute Nachricht vorweg: Rewe-Produkte sind billig und größtenteils auch qualitativ hochwertig. Bei den Eigenprodukten kann Rewe mit den günstigen Angeboten von Aldi, Lidl und Co. mithalten, was viele der befragten Passanten überrascht. Auch bei den Markenprodukten macht der Einkauf bei Rewe oder einem anderen Discounter kaum einen Unterschied: 2,50 Euro mehr zahlt man bei Rewe für 25 ausgewählte Lebensmittel. „Es tut sich nichts. Dafür würde ich nicht den weiteren Weg gehen“, sagt eine Frau zu diesem Unterschied.

Sehr gutes Hackfleisch, Schimmel auf den Erdbeeren

Denn das, was sie bei Rewe bekommt, ist auch noch gut: Hack- und Grillfleisch, frische Kirschen und Champignons zaubern dem Lebensmittelsachverständigen Michael Benner fast ein Lächeln auf die Lippen. Nur die gammeligen Erdbeeren schockieren ein bisschen: Schimmel auf Handelsklasse-1-Beeren, das geht nicht. Was noch nicht geht, so sind sich die später befragten Hobbyköche einig, sind gleiche Produkte zu verschiedenen Preisen. Beispiel: die Saure Sahne mit derselben Betriebsnummer, einmal von der günstigen Eigenmarke (JA), einmal von der teureren (Rewe). Gleicher Inhalt, anderer Preis. „Das ist Beschiss am Kunden“, findet einer der Köche. Rewe rechtfertigt dies mit dem kleineren Becher der teureren Sahne, die also die Produktionskosten steigern würde. Muss man nicht verstehen, ist aber so.

Bio-Fans dürfen sich freuen: Die Bio-Produkte von Rewe tragen alle zertifizierte Siegel, bieten also den Bio-Mindeststandard und manchmal sogar noch mehr. Das sei, wie sogar die Tester eingestehen müssen, ein „echter Pluspunkt für Rewe.“

Um ganz sicher zu gehen nehmen die NDR-Markenchecker auch noch die angeblichen Verkaufstricks der Handelskette unter die Lupe und finden … nichts wirklich Neues. Bremszone, Bückzone, Quengelzone und eine Metzgereiauslage die „lecker belichtet“ ist – wer hätte das gedacht, dass auch Rewe mit den üblichen Psychotricks zur Manipulation der Kunden arbeitet? Dafür kommen die Öffnungszeiten, die oft sogar bis 24 Uhr dauern, bei den Käufern gut an. Bis zu 10 Prozent der Wocheneinkäufe, so eine Auskunft der Handelskette, werde nach 20 Uhr erwirtschaftet.

Lohndumping und Werkverträge

Aber: Das klingt alles zu positiv für einen vernünftigen Markencheck. Schließlich hat Rewe alle Anfragen des NDR zur Zusammenarbeit kategorisch abgelehnt. Also muss da doch irgendetwas faul sein! Na klar, der Umgang mit den Mitarbeitern und Zulieferern. Sandra (will unerkannt bleiben) verdient als erfahrene Verkäuferin nur 6,50 Euro in der Stunde in einer  Rewe-Franchise-Filiale. In den zentral geführten Märkten bekäme sie tarifliche 14 Euro in der Stunde. Außerdem setzt die Handelskette, wie ein Enthüllungsjournalist (nein, nicht Günter Wallraff) jüngst herausfand, auch Arbeiter mit Werkverträgen ein . Das heißt, dass diese nur dafür bezahlt werden, ein Werk zu vollbringen, beispielsweise ein Regal zu füllen. Das ist günstiger, als jemanden einzustellen und sogar billiger als Leiharbeiter. Nur wird den „Werkverträglern“ auch abverlangt, dass sie zusätzlich Kunden beraten. Dabei heraus kommen Stundenlöhne, von denen man nicht leben kann. Immerhin beutet Rewe keine rechtlosen Mütter mit fünf Kindern in Drittländern aus, wie es bei vielen anderen bisher getesteten Marken der Fall war.

Nicht leben können übrigens auch die Milchbauern von den 27 Cent pro Liter, die ihnen die Molkereien bezahlen, damit der Kunde später frische JA-Milch für 45 Cent kaufen kann. „Das ist schon unterhalb der Schmerzgrenze“, sagt Milchbauer Ottfried Wolter. Er selbst tischt seinen Kollegen jedoch abgepackte Salami aus dem Supermarkt auf, deren Erzeuger wohl ebenfalls über den Billig-Wahn der Verbraucher jammert.

Und hier schließt sich der Kreis: empörte Passanten versprechen angesichts der Rewe-Mitarbeiterpolitik keinen Fuß mehr in ein solches Geschäft zu setzen, stehen aber in zwei Wochen schon wieder um 21 Uhr an der Quengelzone und kaufen die Saure Sahne von JA, weil sie so günstig ist und es halt schnell und unkompliziert gehen muss. Und die Verkäuferin, deren Schicht noch bis Mitternacht dauert, bleibt bei Rewe, weil anderswo genauso schlecht gezahlt wird. Die NDR-Tester checken währenddessen weiter Marken in der Hoffnung, einmal das einzige Unternehmen zu finden, das günstige Produkte, gute Qualität UND faire Arbeitsbedingungen vereint.

Pia Mester

Kommentare
06.09.2012
17:44
Rewe im NDR-Markencheck - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von meinemeinungdazu | #12

Wenn REWE noch Geld für den Pleite-FC-Köln ausgibt, kann etwas nicht stimmen. Und REWE sollte nciht von Einzelfällen sprechen. Ich meide REWE.

04.09.2012
14:57
Rewe im NDR-Markencheck - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von Bronkhorst | #11

Kiste Dortmunder Kronen bei REWE 11,50€. Gleiche Kiste im Getränkemarkt 10,50€, kauft man gleich zwei nur noch 9,50€
Da müsste ich ja behämmert sein im REWE zu kaufen.

Gleiches gilt für z.b. für Erdbeeren, Kirschen. Die sind im Penny immer um einiges günstiger. Aber wenn man nur die Preise von Artikeln vergleicht, die sowieso kaum billiger zu machen sind wundert mich der Test nicht. (Mehl, Butter, Zucker, Milch....) Bei Artikeln, die es nirgendwo unter 2-3€ gibt, gibt es teils erhebliche Preisunterschiede.

04.09.2012
14:42
Rewe im NDR-Markencheck - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von dummmberger | #10

Witzig:

"Die Bio-Produkte von Rewe tragen alle zertifizierte Siegel, bieten also den Bio-Mindeststandard und manchmal sogar noch mehr. Das sei, wie sogar die Tester eingestehen müssen, ein echter Pluspunkt für Rewe."

An anderer Stelle auf derselben WAZ-Seite finden wir den Artikel:
"ARD zeigt die Farce mit dem Bio-Siegel im Supermarkt"

04.09.2012
13:41
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #9

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04.09.2012
11:26
Rewe im NDR-Markencheck - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von scouti | #8

Neu ist das mit den Werkverträgen zum Regalauffüllen aber nicht. Andere Ketten haben auch schöne Regalmeter ..."vermietet". Die "Mieter" bestücken die Regale mit eigenen Kräften ... so kommt ein Minijobber schon mal auf viele Arbeitgeber und geht doch nur mit 400 Euro im Monat heim ...

04.09.2012
10:18
Rewe im NDR-Markencheck - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von OmenEstNomen | #7

Will noch wer Kaffee?

04.09.2012
09:20
Rewe-Markencheck im NDR - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von Bahnhofskind | #6

wenn die Milchbauern angeblich von den Erlösen nicht leben können, fragt man sich, warum sie weitermachen, gell? Jeder denkende Mensch würde unter diesen Umständen aufhören und H4 beantragen. Aber das würde den Bauern verwehrt, denn sie müssten erstmal ihr Millionenerbe - den Hof - verscherbeln und aufzehren. Außerdem ist dann nichts mehr mit Mercedes fahren...

1 Antwort
Rewe-Markencheck im NDR - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von Pit01 | #6-1

Bauernbashing? Übrigens kenne ich hier am Niederrhein keine "reichen Bauern" und erst recht nicht mit Mercedes, wenn man von Kleinlaster mal absieht, der dan mindestens 10 Jahre halten muss. Also, bitte etwas mehr Gerechtigkeit. Ach, liebses Bahnhofskind, fahren Sie nur Bahn und kein Auto?

04.09.2012
09:11
Rewe-Markencheck im NDR - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von LilaLatzhose | #5

Jaja...das Lohnniveau....aber auch dann wird bei Lebensmitteln gespart. Nirgendwo geben Menschen so wenig Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aus wie hier in Deutschland. Weil da gespart wird, egal wieviel man verdient. Weil auch mit mehr Einkommen keine hochwertigeren Lebensmittel gekauft werden.Das Kilo Zucchini für 69 Cent, das Toastbrot für 69 Cent. Überlegt eigentlich mal wer, wie diese günstigen Preise zustande kommen...wer alles an der Produktion und Logistik und am Verkauf beteiligt ist? Billig kaufen geht nur, wenn billig produziert wird. In dem Moment, wo teurer produziert wird, steigen die Preise. Da hat man auch mit einem höheren Lohn dann nicht mehr Kaufkraft im Portemonnaie. Wir jammern wirklich auf hohem Niveau.Ums Überleben gehts nicht; Unterkunft, Heizung, fließend Wasser und Essen selbstverständlich und möglichst gesponsort oder zum Nulltarif. Nur Geldausgaben für Handy, Technik, Zigaretten, Auto, Urlaub und Freizeit sind das, was die Lebensqualität ausmacht.

04.09.2012
08:57
Rewe-Markencheck im NDR - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von Ex-Ruhrgebietler | #4

Diese "Check"-Sendungen im ÖR haben mittlerweile den Charakter von Volksbelustigung in Kombination mit gespielt-empörten Aufschwingen zum Anwalt der Entrechteten. Beim WDR-Markencheck werden dann auch schon mal hochwissenschaftliche Kriterien wie "riecht gut" oder "schmeckt nicht so lecker" zur Beurteilung herangezogen.

Übelste Stimmungsmache, quasi wie "Akte" von Sat 1, nur halt für Leute mit Schulabschluß...

2 Antworten
Rewe-Markencheck im NDR - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von Eduard79 | #4-1

Wie testen Sie denn bitte Geschmack und Geruch, wenn nicht mit den Kriterien "schmeckt gut" und "riecht gut"!?

Wenn man nicht eine repräsentative Studie durchführen will, in der man zig Testpersonen einen Blindtest machen lässt, hat man gar keine andere Möglichkeit, als dies zugegebenermaßen subjektiv zu testen.

Rewe im NDR-Markencheck - günstig, gut und unfair gegenüber Mitarbeitern
von Ex-Ruhrgebietler | #4-2

Und wenn man gar keine andere Wahl hat als subjektiv zu testen, dann läßt man es besser ganz sein. Bei "riecht gut" und "schmeckt gut" hat jeder andere Vorstellungen, so daß diese "Testergebnisse" Null Aussagekraft haben. Eine Schande, das Bauernfänger wie "Foodwatch", wo schon mal Mickie Krause Müllermilch "testet" in der öffentlichen Wahrnehmung hochseriösen Organisationen wie Stiftung Warentest den Rang abläuft. Und noch schlimmer, das die ÖR Programme diesen Mist auch noch nachäffen..

04.09.2012
08:53
Dilemma
von PaulPanter | #3

Der letzte Absatz des Artikels ist sehr gelungen und bringt das Dilemma
auf den Punkt. Wir alle unterstützen die Billigheimer und Lohndrücker, bis
wir selbst an unseren Arbeitsplätzen in diese Profitmaximierungsmaschinerie
geraten. Ich schätze, heutzutage könne auch Journalisten davon ein Lied singen.

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