Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Boni-Skandal

US-Regierung will Hilfsgelder von AIG zurück

18.03.2009 | 11:34 Uhr

Washington. 165 Millionen Dollar Bonuszahlungen sollen die Manager des Versicherungsriesen AIG bekommen haben - während die Regierung ein Rettungspaket über 180 Milliarden Dollar für den angeschlagenen Konzern schnüren musste. Jetzt fordert die Regierung einen Teil der Hilfsgelder zurück.

Nach dem Skandal um massive Bonuszahlungen bei dem angeschlagenen Versicherungsriesen American International Group (AIG) hat die US-Regierung dem Konzern gewährte Hilfen zurückgefordert. US-Finanzminister Timothy Geithen kündigte zudem am Dienstag an, er wolle die «geordnete Abwicklung» des Konzerns beschleunigen. AIG-Chef Edward Liddy sollte am Mittwoch vor einem Kongresskomittee Fragen zu den Bonuszahlungen beantworten.

Obama und Geithner: "beträchtliche Wut"

Nach dem Skandal um massive Bonuszahlungen bei dem angeschlagenen Versicherungsriesen American International Group (AIG) hat die US-Regierung dem Konzern gewährte Hilfen zurückgefordert. Foto: ap

In einem Brief an die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, schrieb Geithner, Präsident Barack Obama und er selbst teilten die «beträchtliche Wut» über die an Manager der Firma ausgezahlten Boni in Höhe von 165 Millionen Dollar. Sein Ministerium werde sämtliche «verantwortungsvollen Methoden» ausloten, um die «geordnete Abwicklung» des Konzerns zu beschleunigen. Bei den Bemühungen um die Klärung des künftigen Status' von AIG gehe es darum, einerseits die systemischen Risiken für das Finanzsystem zu verringern und andererseits die Verluste für die Steuerzahler zu minimieren.

Nach Angaben Geithners prüfte das US-Justizministerium Möglichkeiten, bereits geleistete Bonuszahlungen zurückzufordern. Sollten diese gegen Bestimmungen in dem Gesetz zur Belebung der Konjunktur verstoßen, werde die Regierung mit dem Unternehmen und dessen Angestellten über eine Rückzahlung verhandeln. Es sei aber aus rechtlichen Gründen nicht möglich gewesen, die Boni schon im Vorfeld zurückzuhalten, hob Geithner hervor. Er habe Konzernchef Liddy aufgefordert, für dieses Jahr geplante Bonuszahlungen in Höhe von hunderten Millionen Dollar auf Eis zu legen. Einige demokratische Senatoren forderten, die Prämien per Gesetz mit einer 90-prozentigen Steuer zu belegen, sollte Liddy nicht erneut mit den Managern über die Zahlungen verhandeln.

Obama: "beträchtliche Wut". Foto: ap

Geithner zufolge will die US-Regierung AIG nun vertraglich verplichten, die 165 Millionen Dollar dem Steuerzahler zurückzuzahlen. Die Summe solle von einer anstehenden Tranche von 30 Milliarden Dollar abgezogen werden, die der Versicherer im Rahmen des Rettungsplans bekommen solle. Das Hilfspaket Washingtons für den Konzern beläuft sich auf insgesamt bislang 180 Milliarden Dollar. AIG hatte im vergangenen Jahr mit 99,3 Millionen Dollar den höchsten Konzernverlust in der US-Wirtschaftsgeschichte verzeichnet. Nur durch den Einstieg der US-Regierung konnte der Konzern vor der Pleite gerettet werden. Der Staat hält 79,9 Prozent der Anteile an dem Versicherer.

Im US-Kongress mehrten sich die Forderungen nach einer Ablösung des Konzernchefs Liddy. Er sollte am Mittwoch vor dem Unterkomitee für Kapitalmärkte zu den Bonuszahlungen Stellung beziehen. Diese kamen nach Angaben des New Yorker Staatsanwalts Andrew Cuomo vor allem den Finanzmanagern zugute, deren Leistung zu den niederschmetternden Verlusten und dem Beinahe-Bankrott von AIG führten. (afp)

Mehr zum Thema:

DerWesten



Kommentare
18.03.2009
12:44
US-Regierung will Hilfsgelder von AIG zurück
von rtf | #4

rechtlich wohl schwierig das Geld zurückzufordern, aber es zeigt die kaltblütige Mitnahmementalität vieler Manager und die sind in Deutschland auch vertreten. Bereicherung auf Kosten anderer, eigentlich müßte da in den geltenden Gesetzen was zu finden sein. Raubrittertum gibts doch eigentlich nicht mehr.
Demnächst bekommen diese Leute dann auch noch Polizeischutz, weil sich der Mob sonst rächt und das wäre sein gutes Recht. Die Ausbeutung nimmt eine Form an, die durch nichts mehr zu gerechtfertigen ist.

18.03.2009
11:52
US-Regierung will Hilfsgelder von AIG zurück
von kuba4711 | #3

Auch die DB- von Herrn Ackermann gemanagt - hat indirekt von amerikanischen Steuergeldern profitiert.
In Finanzkreisen schätzt man so runde 12 MRD:

18.03.2009
10:09
US-Regierung will Hilfsgelder von AIG zurück
von nic | #2

woher zurückfordern.
geld bestimmt schon weg hehehe.

18.03.2009
08:12
US-Regierung will Hilfsgelder von AIG zurück
von supply | #1

Knapp 10% das ist doch für den Dollarsegen ganz normal.... ;-)
so sind die Manager eben, ob in USA oder in BRD...
nur in USA könnte es ärger geben, KÖNNTE, in Deutschland aber nicht

Aus dem Ressort
Container-Pläne in Dortmund sorgen für Ärger
Hafen
Wenn Wirtschaftsförderung auf Wutbürger trifft: Dortmund baut im Hafen ein Container-Terminal, das eine Job-Maschine sein soll. Es sorgt aber auch für viel Ärger – sogar bei den Grünen, die eigentlich für den Container-Verkehr sind.
Ein Sauerländer soll an die Spitze der IHK NRW
WIRTSCHAFT
Der Olsberger Unternehmer Ralf Kersting gilt als aussichtsreicher Kandidat für das Amt. Gewählt wird am 4. November.
Telefonanschlüsse vertauscht - Telekom verursacht Kabelsalat
Telefonnetz
Panne bei der Telekom: In Dinslaken wurden bei der Installation von neuen Verteilerkästen einige Anschlusskabel falsch verbunden. Die Folge: Einige Telefonleitungen sind tot, Kunden telefonieren mit der Nummer des Nachbarn und surfen eventuell auch auf dessen Kosten im Internet.
Sauerländer Ralf Kersting soll Chef der IHK NRW werden
Wirtschaft
Die 16 Industrie- und Handelskammern aus Nordrhein-Westfalen in Bochum wählen am 4. November einen neuen Präsidenten ihres Landesverbandes. Ein Sauerländer hat wohl gute Chancen auf diese Position: Ralf Kersting, Präsident der IHK Hellweg-Sauerland in Arnsberg, soll zu den Favoriten gehören.
Ruhr-Unternehmen ärgern Mindestlohn und die Rente mit 63
IHK-Umfrage
Unternehmen an Rhein und Ruhr beschreiben ihre aktuelle wirtschaftliche Lage mit großer Mehrheit als robust. Von den Industrie- und Handelskammern nach der Zukunft befragt, zeigen sich aber Sorgenfalten. Die Laune der Revier-Unternehmen sinkt vor allem wegen der Rente mit 63 und des Mindestlohns.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?