Unternehmen sorgen sich um Akzeptanz der Industrie

Gustav Deiters leitet das Ibbenbürener Familienunternehmen Crespel & Deiters in fünfter Generation. Er sorgt sich um das Image seines Wirtschaftszweigs, der Industrie.
Gustav Deiters leitet das Ibbenbürener Familienunternehmen Crespel & Deiters in fünfter Generation. Er sorgt sich um das Image seines Wirtschaftszweigs, der Industrie.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Unternehmer Gustav Deiters sorgt sich um die Industrie in NRW. Er hat eine Kampagne gegründet, um das Image der Unternehmen aufzupolieren.

Essen/Ibbenbüren.. Riesige Silos, in die täglich Hunderte von Tonnen Weizenmehl gepumpt werden, sind das Wahrzeichen des Familienunternehmens Crespel & Deiters in Ibbenbüren. Es ist eines der größten deutschen Hersteller von Weizenstärke. Die Anmutung des Werks im nördlichen Westfalen und dessen schiere Größe sind zugleich die Probleme, die Gesellschafter Gustav Deiters umtreibt.

„Das sieht nach alter Industrie aus“, sagt der Unternehmer. Hinter den Mauern wird aber ein hochmodernes Produkt hergestellt: Weizenstärke. Sie sorgt dafür, dass Ketchup so schön rot und sämig ist. Sie dient aber auch als umweltfreundlicher Klebstoff für die Papier- und Wellpappenindustrie.

„Gemeinsam. Zukunft. Leben“

Deiters hat den Widerspruch zwischen dem Image seines 250 Mitarbeiter zählenden Betriebs und den Innovationen, die hier entwickelt werden, erkannt und 2011 die Kampagne „Industrie – Gemeinsam. Zukunft. Leben.“ gestartet. Stellvertretend für seine Initiative, die die Akzeptanz für Industrie erhöhen soll, hat Deiters den mit 30 000 Euro dotierten Initiativpreis NRW, den die WGZ Bank in Düsseldorf und die WAZ alljährlich für jeweils drei Familienbetriebe ausloben, verliehen bekommen.

Gustav Deiters kommt viel herum. Beruflich in ganz Europa, ehrenamtlich in Nordwestfalen. Der Unternehmer ist Vizepräsident der dortigen IHK und Vorsitzender des Regionalausschusses im Kreis Steinfurt. Und so hat er immer wieder erfahren müssen, dass sich die Industrie von den Bürgern entfernt, dass Anwohner gegen die Ansiedlung produzierender Betriebe protestieren und vor allem gar nicht wissen, was die Unternehmen überhaupt tun.

Fachkräftemangel macht sich bemerkbar

„Es ist ein Vakuum entstanden. Die Unternehmen haben zum Teil selbst ihre Türen für die Öffentlichkeit zugemacht“, räumt Deiters selbstkritisch ein. Die negativen Folgen bekämen sie jetzt zu spüren – vor allem beim Thema Fachkräftemangel. „Wie wollen wir Nachwuchs bekommen, wenn Industrie das Image hat, altmodisch zu sein?“, fragt der Unternehmer.

Wirtschaft Mit anderen gründete Deiters deshalb die Kampagne „Industrie – Gemeinsam. Zukunft. Leben.“ Rund 360 Unternehmen und Verbände aus der Region haben sich inzwischen der Akzeptanz-Offensive angeschlossen, die sich nicht nur das Werben um Nachwuchs auf die Fahnen geschrieben haben.

Die Kampagne organisiert Industrie-Kongresse, Seifenkistenrennen, Radrennen und Ausbildungstage, an denen Azubis der beteiligten Unternehmen ausschwärmten, um in karitativen Einrichtungen Dinge zu reparieren oder mit Senioren spazieren zu gehen. „Die Resonanz ist extrem positiv“, zieht Deiters Bilanz.

Die Unternehmen öffnen

Zum Jahresprogramm gehört auch, die Unternehmen für Besuchergruppen zu öffnen. Eine Idee, die auch der Verein Zukunft durch Industrie an Rhein und Ruhr verwirklicht. Bei der letzten „Langen Nacht der Industrie“ 2014 blickten 2800 Bürger hinter die Kulissen von 65 Unternehmen. Die Führungen waren rasch ausgebucht.

Mit NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hat die Kampagne aus Nordwestfalen einen prominenten Unterstützer. Das Ministerium hat vor geraumer Zeit den „Dialog schafft Zukunft“ aufgesetzt, um Antworten zu finden, wie Bürger frühzeitig in den Bau von Kraftwerken, Stromtrassen, den Ausbau des Schienennetzes oder lokale Investitionen im Rahmen der Energiewende eingebunden werden können.