Unruhen in Nordafrika treffen Reisebranche
02.02.2011 | 18:28 Uhr 2011-02-02T18:28:00+0100
Essen. Die Unruhen in Tunesien und Ägypten treffen die Reisebranche. Bis Mitte Februar haben die Veranstalter Touren ins Land der Pyramiden abgesagt. Auch nach Tunesien hebt zunächst kein Flieger ab. Kunden können Reisen kostenlos stornieren oder umbuchen.
Die Unruhen in Tunesien und Ägypten treffen die Reisebranche. Bis Mitte Februar haben die Veranstalter Touren ins Land der Pyramiden abgesagt. Auch nach Tunesien hebt zunächst kein Flieger ab. Die Unternehmen reagierten damit auf die verschärften Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes. Diese bezogen zuletzt auch die Touristenregionen in Ägypten mit ein, in denen es zwar ruhig sei, aber zu Versorgungsengpässen kommen könnte. „Wenn das eine nicht enden wollende Geschichte wird, wäre das eine Katastrophe“, sagte Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) dieser Zeitung. Die Unternehmen könnten „Millionen verlieren“.
Noch im Dezember gab sich die Branche optimistisch: Sie hatte die Wirtschaftskrise mit einem blauen Auge überstanden. Nach einem Rückgang der Umsätze im Jahr 2008/09 um etwas mehr als zwei Prozent meldeten die Unternehmen wieder steigende Buchungszahlen. An dem erneuten Höhenflug – weltweit verreisten erstmals 935 Millionen Menschen – konnte selbst der Vulkanausbruch in Island nicht rütteln. Mitte April 2010 hatte dieser den internationalen Flugverkehr für Tage lahmgelegt.
Für 2010/2011 erwartete der DRV ein weiteres Plus. Er rechnete sogar damit, das Umsatz-Allzeithoch aus dem Jahr 2007/08 von 21,4 Milliarden Euro zu knacken. Jetzt aber hat der Verband Zweifel, ob die Prognose zu halten ist. Laepple:„Ich denke, das können wir uns abschminken.“
Tunesien und Ägypten sind nicht gerade Top-Reiseziele der Deutschen. Beliebt aber sind sie doch: 1,3 Millionen Deutsche fliegen jährlich ins Land der Pyramiden, etwa eine halbe Million nach Tunesien. Eine Durchschnittsreise mit Programm und Erholung am Roten Meer in Ägypten, gern für den Winter gebucht, kostet etwa 800 Euro. Hochgerechnet sind die Reisemärkte Tunesien und Ägypten über eine Milliarde Euro schwer. Dass die Reiseveranstalter nun aktiv Verträge kündigen, kostet Geld. Wie viel, bleibt abzuwarten. Die größten Anbieter Tui, Rewe Touristik und Thomas Cook wollten sich am Mittwoch dazu nicht äußern.
Das Angebot an Urlauber, bis zum 28. Februar kostenlos umzubuchen, geschieht dabei nicht nur aus Kundenfreundlichkeit. In Branchenkreisen heißt es, es gehe auch darum, Umsatzeinbußen klein zu halten. Eine Strategie, die aufgehen könnte, wenn man den großen Anbietern glaubt. „Die Menschen buchen eher um, als zu stornieren“, sagte eine Tui-Sprecherin. Die Türkei, vor allem aber die Kanaren (Spanien) seien sehr gefragt.
Für den Kunden kann das bedeuten, beim Preis drauflegen zu müssen. Nicht gerade für einen schnell gebuchten Trip in die Türkei, den es derzeit für 300 bis 400 Euro pro Woche und Person gibt, aber für die Kanaren. Die seien grundsätzlich etwas teurer, zudem drohte ein Preisanstieg durch die erhöhte Nachfrage. Denn: Anbieter könnten gezwungen sein, ihre Kontingente aufstocken.
Was auf Touristik-Unternehmen und Reisende noch warten könnte, hängt dem DRV zufolge von der Entwicklung der nächsten 14 Tage ab. Kehre schnell Ruhe ein, bliebe der deutsche Tourist erfahrungsgemäß gelassen. „Kommt es zum Schlimmsten und man kann lange Zeit nicht mehr nach Tunesien oder Ägypten fliegen, wird’s kritisch“, sagte Klaus Laepple.
Und das dürfte dann nicht nur für die Branche in Deutschland gelten: Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen Ägyptens. Angaben des zuständigen Ministeriums zufolge hatten 2009 etwa 12,5 Millionen Menschen das Land besucht. Das erlöste damit circa elf Milliarden Dollar.

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