Ungeklärte Styropor-Entsorgung legt Bau lahm

Essen..  Wegen massiver Probleme bei der Entsorgung von Dämmstoffen wie Styropor stehen in NRW zunehmend Haus-Baustellen still. Besonders Dachdecker klagen über drastisch gestiegene Kosten oder Weigerungen der Entsorger, die seit Oktober als gefährlich klassifizierten Materialien anzunehmen. Der Dachdeckerverband Nordrhein empfiehlt seinen Betrieben sogar, keine Sanierungsarbeiten mehr zu beginnen.

Das Problem hatte sich lange angedeutet, Deutschland stuft gemäß EU-Verordnung Dämmplatten, die das Flammschutzmittel HBCD enthalten, nun als gefährlich und umweltschädlich ein. Diese wurden vor allem in Fassaden und Flachdächern verarbeitet. Sie können zwar nach wie vor verbrannt werden, aber nicht mehr als Mischabfall, sondern separat. Die Folge: Laut Dachdeckerverband verlangen die Entsorger nun bis zu 7000 Euro pro Tonne nach zuvor 150 bis 200 Euro oder sie nehmen das Material gar nicht mehr an.

„Die Lage hat sich derart zugespitzt, dass derzeit keine Sanierungsarbeiten mehr fortgeführt oder begonnen werden, bei denen Styropor-Abfall anfällt“, sagt Jürgen Renner, Experte des Dachdeckerverbands. In letzter Konsequenz würden dadurch Arbeitsplätze gefährdet. Die Betriebe könnten die Entsorgungskosten nicht mehr kalkulieren, bei laufenden Aufträgen drohten ihnen erhebliche Mehrkosten.

Die neue Einstufung hat der Bundesrat beschlossen. Das Bundesumweltministerium hat sich auf die Seite der Handwerker gestellt und rät den Ländern, das Mitverbrennungsverbot der Dämmstoffe zu kippen, zumal es technisch nicht sinnvoll sei. Am Zug ist nun Düsseldorf. Im Landesumweltministerium stehen Ende dieser Woche Gespräche mit Entsorgern und dem Handwerk an. „Wir haben das Problem erkannt und wollen es lösen“, hieß es gestern auf Anfrage aus dem Ministerium.