ThyssenKrupp-Investor Outokumpu will 800 Stellen in Deutschland streichen
01.02.2012 | 16:58 Uhr 2012-02-01T16:58:48+0100
Düsseldorf. Bis zu 850 Arbeitsplätze wollen die Finnen in Deutschland abbauen. Weltweit sollen 1500 Stellen gestrichen werden. ThyssenKrupp hat zugesagt, bis zu 600 deutschen Inoxum-Mitarbeitern andere Arbeitsplätze im Konzern anzubieten.
Nach der Übernahme der ThyssenKrupp-Edelstahlsparte wirbt der finnische Outokumpu -Konzern um Vertrauen bei den Beschäftigten in Deutschland. "Die Standorte in dieser Region sind wichtiger Bestandteil in unserer langfristigen Strategie", sagte Vorstandschef Mika Seitovirta am Mittwoch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Bekanntgabe des 2,7-Milliarden-Euro-Deals . Er lege großen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern. "Dafür stehe ich persönlich", fügte er auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf hinzu.
Stellenstreichungen sind geplant
An Stellenstreichungen führe aber kein Weg vorbei. Im Zuge der Übernahme der ThyssenKrupp-Edelstahltochter will Outokumpu weltweit 1500 der über 19.000 Jobs streichen.
Bis zu 850 Arbeitsplätze wollen die Finnen in Deutschland abbauen. ThyssenKrupp hat zugesagt, bis zu 600 deutschen Inoxum-Mitarbeitern andere Arbeitsplätze im Konzern anzubieten. Die Arbeitnehmervertreter von ThyssenKrupp hatten erst nach zähen Verhandlungen einem Verkauf zugestimmt. Sie erhielten die Zusage, dass betriebsbedingte Kündigungen für vier Jahre ausgeschlossen sind und die Standorte ebenso lange gesichert sind. Das Stahlwerk in Krefeld soll allerdings bis Ende 2013 geschlossen werden, das Stahlwerk in Bochum könnte 2017 folgen.
Outokumpu-Chef: Alleine haben die Unternehmen keine Chance
Die Finnen stoßen bei den Gewerkschaften auf Skepsis. Outokumpu habe bereits einmal das Vertrauen von Beschäftigten in Deutschland verspielt - wenige Jahre nach einer anderen Übernahme hätten die Arbeiter ihren Job verloren , die Produktion sei stillgelegt worden, hatte IG-Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler während der Verhandlungen mit Outokumpu geklagt. Ohne eine Einigung mit Outokumpu wäre die Zukunft der Edelstahltochter aber ungewiss gewesen. "Wir haben den Gewerkschaften gesagt, dass es für die Unternehmen alleine langfristig keine Perspektive gibt", sagte Seitovirta.
Beide Unternehmen schreiben Verluste. Die Überkapazitäten in Europa und die immer stärker auf den Markt drängenden Konkurrenten aus Asien wie die südkoreanische Posco und die chinesische Baosteel machen ihnen zu schaffen. Das Geschäft leidet zudem unter den stark schwankenden Preisen für Nickel, das für Legierungen benötigt wird. Outokumpu legte am Mittwoch Zahlen für das vierte Quartal vor. Mit einem operativen Fehlbetrag von 71 Millionen Euro fuhr der Konzern einen höheren Verlust ein als von Analysten ohnehin erwartet.
Frust bei den Mitarbeitern
"Wir müssen die Kapazitäten anpassen", sagte auch ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Es sei für die Mitarbeiter frustrierend gewesen, wegen der Überkapazitäten in jedem Quartal Verluste einzufahren. Für die Beschäftigten gebe es jetzt eine Perspektive. Zwar seien auch Finanzinvestoren an der Edelstahltochter interessiert gewesen. Mit Outokumpu gebe es aber auch für die Beschäftigten mehr Gewissheit.
ThyssenKrupp will Mitarbeiter nicht im Stich lassen
"Es passt perfekt zusammen", ergänzte Outokumpu-Boss Seitovirta. Die Produktpalette, die Kundenbasis und die Aufstellung in den Ländern ergänzten sich hervorragend. Die Unternehmen wollten einen Weltmarktführer im Edelstahlbereich schmieden. Der neue Konzern, an dem ThyssenKrupp 29,9 Prozent halten soll, komme auf einen Weltmarktanteil von 14 Prozent. Rein rechnerisch käme der Konzern auf eine Jahreskapazität von 3,5 Millionen Tonnen und einen Umsatz von 11,8 Milliarden Euro. Weitere große Spieler in der Branche, deren Produkte für Waschmaschinen, Küchenspülen, Besteck, Züge oder Fassaden von Wolkenkratzern verwendet werden, sind die ArcelorMittal -Abspaltung Aperam oder die spanische Acerinox.
ThyssenKrupp-Chef Hiesinger versicherte, dass sich der Konzern nach Abschluss der Transaktion, die bis Ende des Jahres über die Bühne gehen soll, weiter an Outokumpu beteiligen wolle. "Das Unternehmen hat ein Wachstumspotenzial." Daran wolle ThyssenKrupp teilhaben. Zudem lasse ThyssenKrupp seine Mitarbeiter nicht im Stich, die von Outokumpu übernommen werden sollen. "Wir kümmern uns um unsere Leute." Daher bleibe ThyssenKrupp an Outokumpu mit einer Minderheit beteiligt. (Reuters)

03:48
ThyssenKrupp erhält nicht umsonst 30% Anteile an Outokumpu!!!
Dabei geht es vielmehr um die Mitbestimmung, als um die (Ex-)Mitarbeiter.
Wenn tatsächlich das Stahlwerk in Bochum geschlossen werden würde, verdient TK weniger Geld, da Lohnwalzungen wegfallen. Die Bochumer Breitbandstraße, hätte zudem noch eine schlechte Auslastung (ca. 30% Edelstahl). Für TKSE wäre es eine Katastrophe, wenn die stärkste Breitbandstraße dicht gemacht wird. In Sachen Tonnage ist eine Duisburger Breitbandstraße (WBW2 glaub ich) besser aufgestellt, aber bei der Warmbandqualität, Flexibilität usw. ist das WBW3 am stärksten.
Ich habe es nie verstanden, wieso Krefeld die Produktion auf Ferrit ausweitet.
In Bochum steht nämlich ein schlecht ausgelastetes Edelstahlwerk, wo die Ferrit-Herstellung seit Jahrzehnten eine Spezialität ist (Eigene Edelstahlmarke: BorobeST = Bochumer rostbeständiger Stahl). Auf dieses Verfahren haben es die Finnen abgesehen, denn bei der Qualität ist Nirosta Weltspitze.
Die asiatische Konkurrenz stellt garantiert nur "Wald-und-Wiesen-Edelstahl" her, z.B.VA 4301. Alles andere wäre das Ergebnis von Industriespionage, leider deren Stärke.
Die Krefelder Gießwalzanlage ist durch die Schließung der Flüssigphase, dann endgültig eine Fehlinvestition. Diese Anlagen sind zwar im Gegensatz zu konventionellen Warmbreitbandstraßen kostengünstiger zu betreiben (kein Brammenlager , keine Wiedererwärmungsöfen), sind jedoch in Sachen Warmbandgefüge keine Konkurrenz. Wie wird eigentlich das flüssige Material bei Störungen warm- bzw. flüssig gehalten?
Es ist wirklich ein kleines Wunder, dass in Bochum noch Stahl in diesen Ausmaßen hergestellt wird.
Ich bin mir ziemlich sicher: Ohne das Bochumer Stahlwerk und die nebenanliegende Warmbreitbandstraße hätte es den ThyssenKrupp Konzern nie gegeben.
Diese beiden Anlagen sind so zu sagen ein eingespieltes Team.
Das Unternehmen würde nämlich Thyssen heißen!
Krupp Stahl wäre mit Rheinhausen untergegangen.
Das ist alles Arthur Tix zu verdanken.
Für die Kollegen im Krefelder Stahlwerk werden die letzten Wochen in "ihrem Werk" garantiert nicht die schönsten werden. Denn so ein verbindet Werk und ist wie ein zweites zu Hause.
Hoffentlich wird der neue Einsatzort in nicht allzu weit entfernt sein.
Warum sollte TKSE der nächste Streichkandidat sein?
In einem eher durchwachsenen Jahr wurden immerhin 800 Mio. Gewinn erzielt!
Obwohl hohe Transportkosten für Rohstoffe anfallen (Erz aus Brasilien, Kohle aus Australien). Die europäische Konkurenz Arcelor-Mittal wäre froh über solche Zahlen.
ThyssenKrupp ist in Sachen Forschung sehr gut aufgestellt und arbeitet vor allem mit der Automobilindustrie sehr gut zusammen.
20:03
Deutschland schafft sich ab.Als Industriestandort wird Deutschland langsam eingemottet.
Nur mit Neuentwicklungen und Geschäften im Ausland schaffen wir bei uns keine Arbeitsplätze.Es gibt in Deutschland nicht nur Akademiker oder Studierte.Wie sollen die normalen Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz finden wenn alle einfachen Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden.?
19:46
Erster Schritt von Cromme und Hiesinger vollzogen!
Ergebnis war im Mittelfeld! D.h. komplettes Stahlunternehmen verkauft, aber mit zu vielen Kompomissen und Einschränkungen. Dieses Jahr wird das Werk in Brasilien folgen und Hoffentlich nicht das Werk in Alabahma. Spätestens 2014 wird Steel Europe in Angriff genommen, so das 2015 oder 2016 der gesamte Stahl aus dem Konzern ausgegliedert wird! Ich hoffe die Arbeitnehmer können sich so Teuer wie möglich verkaufen! Inoxum war ein guter Start!
18:52
Die betroffenen Stahlwerker sind nicht zu beneiden, da berichtet die Presse zwar über die Konjunkturabhängigkeit der Edelstahlbranche und über Überkapazitäten, sowie die asiatische Konkurrenz - aber bei den Stromkosten hält man sich im Interesse der Anzeigenkunden bedeckt. Da wird weiter für Ökomodelle geworben die den Strompreis binnen kurzer Zeit verdoppeln, denn doppelte Erzeugung, manchmal mit Wind und ein bischen Sonne bei gleichzeitigem konventionellen Kraftwerksbetrieb plus doppeltes Netz kann in Summe nur zur Verdopplung der Strompreise führen.
"In Deutschland werden derzeit etwa 70% des Stahls in großen integrierten Hüttenwerken mit dem Oxygenverfahren produziert und etwa 30% in kleineren Elektrostahlwerken (Elektrostahl) hergestellt. Hierbei werden überwiegend Elektrolichtbogenöfen eingesetzt. Einer dieser Öfen verbraucht etwa so viel Strom wie eine Kleinstadt", schreibt die sachkunduge Fachpresse, nicht so diejenigen, die für Alles die "Schuld" bei den Aktionären oder Managern ablegen wollen.
Tapfer Parteien wählen und Organisationen vertrauen, die diese Strompreisverdoppelung eingeleitet haben, die nun die "Arbeitsplätze frisst" und privat das verfügbare Haushaltsgeld verringert.
Das die wirtschaftlichen Zusammenhänge so banal einfach sind und trotzdem solche folgenreichen politischen Fehler in der Energiepolitik gemacht werden, ist ein beschämendes Armutszeugnis.
Es zeigt in aller Deutlichkeiit was passiert, wenn aus den Launen eines Zeitgeistes deutsche Politiker sich einbilden Kernenergie sei schrecklich gefährlich, darum müsse man eine Alternative subventionieren, koste es was auch immer.
Wenn Politiker sich einbilden, man könne das Wetter bzw., das zukünftige Klima mit Verordnungen verändern und die Medien einen solchen Kockelores auf allen Kanälen und Seiten als Evergreen eines Zeitgeistes gebetsmühlenhaft verkünden.
Da werden irrsinige Summen an ökonomischen Potenzialen einem solchen Zeitgeist geopfert und gleichzeitig wird der Wohlstand eines Industriestandortes nachhaltig ruiniert, in dem wertschöpfende Arbeitsplätze verloren gehen, für die keine neuen in Sichtweite sind.
18:19
Hoffentlich sind die 800 Stellen in Deutschland nicht die Spitze des Eisbergs. Auch hierbei wird deutlich, wohin das Brasilien Projekt führte. Dadurch ist der "Global-Player" plötzlich in Geldnot geraten und sah offenbar im Verkauf der Edelstahlsparte eine Lösung. .Die Mitarbeiter müssen es ausbaden. Traurig aber leider wahr.