Thyssen-Krupp will CO2 aus Stahlwerk für Chemieproduktion nutzen

Thyssen-Krupp hat Zukunftspläne für das Stahlwerk in Duisburg.
Thyssen-Krupp hat Zukunftspläne für das Stahlwerk in Duisburg.
Foto: Ilja Höpping/ Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger blickt in die Zukunft: Der Essener Konzern plant ein Stahlwerk ohne Umweltverschmutzung durch klimaschädliches Kohlendioxid. Hüttengase aus dem Stahlwerk in Duisburg sollen als Rohstoff für die Chemieproduktion dienen. Doch bis es soweit ist, dürfte es noch Jahre dauern.

Essen/Duisburg.. Das Projekt trägt den futuristischen Titel ­„Carbon2Chem“. Es könnte dem Stahlstandort Duisburg millionenschwere Investitionen bringen – und zum Vorzeigemodell in Sachen Klimaschutz in der Industrie werden. Noch ist es allerdings ein Blick in die Zukunft, den Thyssen-Krupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger wagt. Nicht in drei oder fünf, sondern eher in acht bis zehn Jahren könne „Carbon2Chem“ Wirklichkeit werden.

Die Idee lautet: Es soll ein Stahlwerk entstehen, das praktisch ohne Umweltverschmutzung durch klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) arbeitet. „Wir wollen in Zukunft Hüttengase aus unserem Stahlwerk in Duisburg – einschließlich des darin enthaltenen CO2 – als Ausgangsstoff für die Chemieproduktion nutzen“, erläuterte Heinrich Hiesinger am Dienstag in Essen.

Thyssen-Krupp Es sei möglich, „nahezu das gesamte bei der Stahlproduktion freiwerdende CO2“ umzuwandeln, sagte Hiesinger. So könnte aus Hüttengasen Methanol produziert werden, ein Vorprodukt für Treibstoff. Allerdings sei zusätzlicher Wasserstoff nötig. Dieser müsste durch den Prozess der Elektrolyse erzeugt werden. Der hierfür benötigte Strom wiederum soll aus erneuerbaren Energien kommen.

Auch NRW-Ministerpräsidentin Kraft ist eingebunden

Wenn sich der Vorstandschef eines großen Industriekonzerns wie Thyssen-Krupp persönlich zu einem Zukunftsvorhaben äußert, geht es in der Regel um mehr als eine vage Projektidee. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) soll sich bereits mit „Carbon2Chem“ befasst haben. Schließlich geht es um ein Prestigeprojekt, mit dem sich der Industriestandort NRW weltweit profilieren ließe. Dem Vernehmen nach soll im November eine Projektgesellschaft namens „Trek“ gegründet werden, an der auch das Land NRW beteiligt ist.

Schon im vergangenen Dezember hatten sich rund 40 Vertreter von Forschungsgesellschaften, Universitäten und Unternehmen in Duisburg getroffen, um das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Zu dem Kreis gehörten unter anderem das Mülheimer Max-Planck-Institut, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Unis Bochum und Duisburg-Essen sowie die Konzerne BASF, Bayer, RWE und Siemens. Erklärtes Ziel war es auch, ein branchenübergreifendes Netzwerk aus Stahlherstellern, Stromerzeugern und Chemieproduzenten zu schaffen. Diese Industrien beschäftigen in NRW fast 200 000 Menschen.

ThyssenKrupp Die Hoffnung ist, das neuartige Stahlwerk zum Exportschlager zu machen – Ingenieurskunst „Made in Germany“ beispielsweise für ein Land wie China, das zunehmend unter Luftverschmutzung leidet. Schließlich habe das Projekt das Potenzial, den CO2-Ausstoß der Hütte „auf nahezu Null zu reduzieren“, betonte Reinhold Achatz, der Technologiechef von Thyssen-Krupp.

Ressourcenschutz als Konzernziel von Thyssen-Krupp

Konzernchef Hiesinger hat jedenfalls die Bereiche Forschung und Entwicklung zum großen Zukunftsthema von Thyssen-Krupp erklärt. Schon jetzt seien mehr als 3000 Mitarbeiter des Konzerns an dieser Stelle beschäftigt. Seit dem Geschäftsjahr 2010/11 habe sich der Aufwand für Forschung und Entwicklung um mehr als 30 Prozent erhöht. Allein im laufenden Jahr will Thyssen-Krupp mehr als 720 Millionen Euro investieren. Außerdem solle der Konzern künftig insbesondere für „Ressourcen- und Energieeffizienz stehen“.

Ob „Carbon2Chem“ zu einem Erfolg wird, hängt allerdings entscheidend davon ab, ob die Finanzierung des millionenschweren Vorhabens gelingt. Schon in den ersten Phasen sind Millionensummen erforderlich, letztlich könnte das Investitionsvolumen die Milliardenschwelle überschreiten. Gerade ein Unternehmen wie Thyssen-Krupp wird sich vermutlich sehr genau überlegen, ob ein solches Risiko vertretbar ist.