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Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen

10.08.2012 | 09:18 Uhr
Der Stahl- und Technologiekonzern Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen.Foto: Lars Fröhlich

Essen.   Der Essener Stahl- und Technologiekonzern Thyssen-Krupp überrascht mit seinen Zahlen für die abgelaufenen drei Quartale. Wegen der Stahlflaute brach der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar ein. Analysten hatten aber Schlimmeres befürchtet.

Der Mischkonzern Thyssen-Krupp hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12, das Ende September endet, wegen der schwächelnden Stahlsparte Einbußen hinnehmen müssen. Dennoch bestätigte das Unternehmen seine Jahresprognose. Die Erlöse seien von April bis Ende Juni auf 10,71 Milliarden Euro von 11,506 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum zurückgegangen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der um Sondereffekte wie Veräußerungsergebnisse bereinigte Gewinn vor Abzug von Zinsen und Steuern (Ebit) schmolz auf 122 Millionen zusammen. Im Vorjahreszeitraum hatte er noch von 570 Millionen Euro betragen.

Analysten hatten allerdings im Durchschnitt lediglich mit Erlösen von 10,662 Milliarden Euro gerechnet und das bereinigte Ebit auf 78,9 Millionen Euro taxiert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger bekräftigte, im Geschäftsjahr ein bereinigtes Ebit im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich anzupeilen. Nach neun Monaten hat der Konzern 339 Millionen Euro erreicht. Der Auftragseingang blieb mit 31,9 Milliarden Euro um sieben Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Der Umsatz lag bei 31,2 Milliarden Euro und damit drei Prozent unter Vorjahresniveau.

Stahlnachfrage sinkt

Insbesondere die Stahlflaute und die nach wie vor akuten Anlaufschwierigkeiten des neuen Stahlwerks in Brasilien verhagelten Thyssen-Krupp die Bilanz. Steel Europe litt unter der geringeren Stahlnachfrage. Zudem wirkte sich der Verkauf des Metall-Umformungs-Geschäfts negativ aus. Der Umsatz von Steel Europe sank entsprechend auf 8,3 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum setzte die Sparte noch 9,8 Milliarden Euro um.

Besuch im TKS-Stahlwerk

Als einziger Konzernbereich steuerte Steel Americas mit dem Problem-Stahlwerk in Brasilien keinen positiven Beitrag zum Konzernergebnis bei. Steel Americas steigerte den Umsatz in den vergangenen neun Monaten zwar deutlich auf 1,6 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 775 Millionen Euro). Unter dem Strich fuhr die Sparte aber einen Verlust von 778 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: minus 887 Millionen Euro) ein. Thyssen-Krupp begründet die roten Zahlen mit einem“schwierigen Marktumfeld“ und einem „unbefriedigenden Preisniveau“ in Nordamerika. Zudem seien die neuen Hochöfen in Rio und Alabama noch nicht ausgelastet.

Rekord in der Aufzugsparte

Schwach entwickelte sich auch die Werkstoff-Sparte, die ebenfalls unter Nachfrageschwund leidet. Der Umsatz brach um zehn Prozent auf 9,9 Milliarden Euro ein. Mit 4,6 Milliarden Euro meldet indes die Aufzugsparte von Thyssen-Krupp einen Rekordwert. Das entspricht einem Plus von 15 Prozent. Der Umsatz schoss um sechs Prozent auf 4,1 Milliarden Euro in die Höhe. Der Anlagenbau und Automotive zeigten sich robust.

Video
Eine etwas außergewöhnliche Fortbildung haben jetzt Mitarbeiter bei Thyssen-Krupp in Duisburg absolviert. Sie durchlaufen eine Ausbildung um dann in luftiger Höhe selbst Arbeiten an ihren Anlagen durchzuführen.

Die hohe Verschuldung, die Thyssen-Krupp drückt, ging in den vergangenen neun Monaten deutlich zurück: Einschließlich der Edelstahl-Tochter Inoxum (ehemals Stainless Global), die der Konzern an den finnischen Wettbewerber Outokumpu verkaufen will, beliefen sich die Netto-Finanzschulden zum 30. Juni 2012 auf 5,8 Milliarden Euro und lagen damit deutlich unterhalb der Verschuldung zum Vorjahresstichtag (30. Juni 2011: 6,25 Milliarden Euro).

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger erklärte am Freitag in Essen, dass sich die Staatsschuldenkrise und die damit einhergehende Unsicherheit immer mehr im Geschäft niederschlage. „Wir spüren die deutliche Zurückhaltung unserer Kunden“, so Hiesinger. Mit der Einführung von Kurzarbeit in den deutschen Stahlwerken habe Thyssen-Krupp darauf „maßvoll“ reagiert. Für Steel Americas sucht der Konzern Investoren oder Partner. Das Marktinteresse sei hoch, betonte Hiesinger.

Frank Meßing



Kommentare
10.08.2012
12:49
Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen
von kuba4711 | #3

Ich gratuliere den Kollegen bei Thyssen - Krupp.
Denn nur ihre vorzügliche Arbeit vor Ort ist die Voraussetzung für diese Zahlen.
Jedoch gibt es eines zu beachten:
In der Stahl -Branche ist ja Kurzarbeit angemeldet.
An sich durchaus positiv zu sehen , bevor man Arbeitskräfte entlässt.
Jedoch gesellschaftspolitisch verbirgt sich dahinter ein Problem:
In diesen Bereichen vermindern sich die Lohnkosten für diesen Sektor des Unternehmens und "verschönen " die Zahlen für genau diesen Unternehmens - Teil und damit auch für die Gesamt -Bilanz.
Ich kritisiere dies -wohlgemerkt - nicht grundsätzlich ;bin aber dafür ,dass die Belastungen für die Sozialkassen daraus durch das Unternehmen in irgend einer Form - finanziell - wieder ausgeglichen werden.
Der betroffene Arbeitnehmer bei Thyssen muss dies nämlich tun.
Das erhaltene "Kurzarbeitergeld " wird bei seiner Steuererklärung als zusätzliches Einkommen gewertet.
Insoweit erhöht sich seine individuelle Steuerlast für das Folge -Jahr.

3 Antworten
Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen
von eisenkopf | #3-1

Kurzarbeitergeld wird nicht als "zusätzliches Einkommen" versteuert, schon gar nicht im Folgejahr.

Es unterliegt, wie übrigens auch das Krankengeld, als Lohnersatzleistung dem Progressionsvorbehalt.

Das ist etwas völlig anderes und wurde übrigens in diesem Zusammenhang von der SPD/FDP-Regierung in den 80er Jahren eingeführt.

Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen
von kuba4711 | #3-2

@ eisenkopf .
Ich gebe Ihnen vollkommen recht ,dass ich schlecht formuliert habe.
Ich wollte zum Ausdruck bringen ,dass für den betroffenen Arbeitnehmer bei seiner Lohnsteuer - Erklärung im Folge -Jahr eine finanziell höhere Belastung die Folge ist
Immer im Vergleich dazu , er hätte im vorangegangenen Jahr keine Kurzarbeit gehabt.
Und Sie haben auch völlig recht ,dass das Kurzarbeiter - Geld nach geltender Rechtsprechung des BGH als Lohnersatz -Leistung -erstaunlicherweise ,so sage ich - dem sog. Progressionsvorbehalt unterliegt.
Die Wirkung dieser Tatsache ist ,dass das Kurzarbeitergeld als zusätzliches Einkommen gewertet wird .
Steuer technisch.
Und dies , obwohl die Abführung an die Sozialkasse -also die Arbeitslosenversicherung von dem das Geld für die Kurzarbeit ein Teil ist , doch schon mit dem zugrunde liegenden Brutto -Gehalt versteuert worden ist
Meiner Meinung nach liegt also der Tatbestand einer Doppelbesteuerung vor.
Der Hinweis auf die SPD/FDP ist vernachlässigbar.

Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen
von kuba4711 | #3-3

@ eisenkopf.
Ihr Vergleich bzw. die Gleichsetzung von Krankengeld und Kurzarbeitergeld , im Zusammenhang mit der überraschend guten Bilanz von Thyssen - Krupp und der deswegen höheren Steuerlast der betroffenen Mitarbeiter im Stahlbereich , ist insoweit vollkommen falsch als der Grund - in der Regel - für die Auszahlung des Krankengeldes in der Person des jeweiligen Mitarbeiters liegt.
Für die Festlegung von Kurzarbeit kann der betroffene Mitarbeiter jedenfalls im tariflichen Bereich herzlich wenig ,da er dem sog. Direktionsrecht unterliegt.
Man sollte immer aufpassen die betrieblichen Äpfel nicht mit den Manager -Birnen zu vergleichen!
Ansonsten besteht die Gefahr ,dass die Birne weich wird! . : -))))

10.08.2012
10:46
Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen
von holmark | #2

Was lehrt uns das? Analysten, Ratingagenturen und all die anderen Geisterfahrer sollte man nicht allzu ernst nehmen...

1 Antwort
Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen
von xxyz | #2-1

Naja, so erst wie ein Würfelergebnis oder das Schauen in die Glaskugel. Die Wirtschaftsprognosen sind ja auch oft um Dimensionen von der Realität entfernt.

10.08.2012
09:45
Thyssen-Krupp überrascht mit robusten Zahlen
von DerMerkerNRW | #1

Es zählt eben immer noch Solide und Hart wie Krupp Stahl!
Bei so einer TOP Belegschaft, war auch nichts Anderes zu erwarten!

Glück Auf TKS

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