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Konzernbilanz

Thyssen-Krupp meldet fünf Milliarden Euro Verlust

10.12.2012 | 20:48 Uhr
Thyssen-Krupp meldet fünf Milliarden Euro Verlust
Weiter schlechte Nachrichten aus der Zentrale von Thyssen-Krupp: Im Geschäftsjahr 2011/2012 hat der Konzern Milliardenverluste gemacht.Foto: dapd

Essen.  Milliardenverlust bei Thyssen-Krupp: Deutschlands größter Stahlkonzern hat im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren. Das wurde am Montagabend am Rande der Aufsichtsratssitzung bekannt. Derweil reißt die Kritik an Aufsichtsratschef Gerhard Cromme nicht ab.

Der krisengeschüttelte Stahlkonzern ThyssenKrupp hat im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende September) einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren. Der Fehlbetrag sei damit noch um 3,2 Milliarden Euro höher als im Vorjahr ausgefallen, teilte das Unternehmen am Montagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit.

Im verlustreichen amerikanischen Stahlgeschäft habe der Konzern Abschreibungen von 3,6 Milliarden Euro vorgenommen. Eine Dividende will der Konzern für 2011/12 nicht zahlen. Im laufenden Geschäftsjahr peilt er einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund einer Milliarde Euro an.

Aufsichtsrat bestätigt Trennung von Vorständen

"Das Projekt Steel Americas und die verschiedenen Compliance-Verstöße haben nicht nur einen immensen finanziellen Schaden verursacht", sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Der Konzern habe damit auch an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren.

Der Aufsichtsrat bestätigte die vorzeitige Trennung von den Vorständen Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen. Das Kontrollgremium habe mit den Veränderungen im Vorstand ein klares Zeichen für einen Neuanfang gesetzt, erklärte Hiesinger. "Wir etablieren konsequent eine neue Führungskultur, die auf Ehrlichkeit, Transparenz und Leistungsorientierung basiert." Hiesinger will sich am Dienstagmorgen auf einer Pressekonferenz in Essen dazu und zum Geschäftsverlauf äußern.

Schienenkartell
Thyssen-Krupp verklagt Manager auf Schadenersatz
Thyssen-Krupp verklagt Manager auf Schadenersatz

Wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung am sogenannten Schienenkartell will der Stahlkonzern Thyssen-Krupp laut einem Pressebericht einen ehemaligen Manager auf 103 Millionen Euro Schadenersatz verklagen. Vorstandschef Heinrich Hiesinger wolle mit der Klage Zugriff auf die für Manager-Versagen abgeschlossene Manager-Haftpflichtversicherung bekommen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Montag.

Laut dem Bericht glaubt Thyssen-Krupp dem früheren Spartenvorstand für das Schienengeschäft nachweisen zu können, dass er eine Schlüsselfigur im Kartell gewesen sei. Dieser bestreite alle Vorwürfe. Mit der Klage wolle Hiesinger auch den Beschäftigten demonstrieren, dass dunkle Geschäfte und Misswirtschaft bei Thyssen-Krupp geahndet würden, heißt es in der "Süddeutschen Zeitung".

Der Konzern war zuletzt von Korruptionsaffären und Milliardenverlusten bei zwei Stahlwerken in Übersee erschüttert worden. Dem Bericht zufolge soll die Klage gegen den Ex-Spartenvorstand noch in diesem Jahr erfolgen, bevor Ende des Jahres Verjährung eintrete. Gegen den Ex-Manager ermittelt dem Bericht zufolge auch die Staatsanwaltschaft Bochum wegen des Schienenkartells.

Deutsche Bahn wusste seit dem Jahr 2000 vom Schienenkartell

Wie das Handelsblatt berichtet, waren die Deutsche Bahn und Thyssen-Krupp erheblich früher über die Preisabsprachen für Schienen informiert gewesen als bislang bekannt. Demnach sei die Bahn im Jahr 2000 auf das Kartell gestoßen und habe es der Staatsanwaltschaft Frankfurt gemeldet.

Bislang hatten Bahn und Thyssen-Krupp angegeben, erst durch die Razzien 2011 von den Absprachen erfahren zu haben. Die Zeitung zitiert dagegen aus dem Brief eines Bahn-Anwalts an die Staatsanwaltschaft vom August 2000, wonach Unterlagen sichergestellt wurden, "die eindeutig auf Preisabsprachen zu dem Einkauf von Schienen hinweisen".

Das Schreiben nenne die später überführten Kartellsünder Thyssen-Krupp und Voestalpine. Die Bahn bestätigte dem Blatt die frühen Hinweise an die Staatsanwaltschaft. Diese hätten aber offensichtlich keine Notwendigkeit für Ermittlungen gesehen.
Thyssen-Krupp

Aufklärungswille der Ex-Bahnmanager haben gefehlt

Dabei habe aber auch bei den Konzernen der Aufklärungswille gefehlt, zitierte die Zeitung einen Ex-Bahnmanager. Die Unternehmen hätten sich auf ein Geschäft geeinigt: Die Bahn akzeptierte überhöhte Preise für Schienen, die als Teil des Schienennetzes ohnehin vom Bund getragen werden, im Gegenzug sei ThyssenKrupp Kunde der Bahn-Frachttochter DB Cargo geblieben. Die Bahn wies dies dem Bericht zufolge, Thyssen-Krupp äußerte sich nicht dazu.

Wegen illegaler Preisabsprachen zu Lasten der Deutschen Bahn verhängte das Bundeskartellamt im Juli Bußgelder von insgesamt 124,5 Millionen Euro gegen vier Stahlfirmen: Thyssen-Krupp Gleistechnik, die seit 2010 zum Vossloh-Konzern gehörende Firma Stahlberg Roensch sowie gegen die Voestalpine-Töchter TSTG Schienen-Technik und Voestalpine BWG. Darüber hinaus gehörten noch weitere Firmen zu dem Kartell. (dapd/afp)

Das Traditionsunternehmen ist in der schwersten Krise seit der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999. Die Kosten für die neuen Stahlwerke in Übersee waren auf zwölf Milliarden Euro in die Höhe geschossen - der Börsenwert des gesamten Konzerns liegt inzwischen nur noch bei 8,3 Milliarden Euro. Bereits im Geschäftsjahr 2010/11 hatte ThyssenKrupp rund zwei Milliarden Euro auf die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA abgeschrieben. Insidern zufolge gibt es für die zum Verkauf gestellten Werke zwar mehrere Interessenten, diese wollen aber dafür nicht tief in die Tasche greifen.

Kartellabsprachen, Korruptionsvorwürfen, Schadenersatzforderungen

Zudem wird ThyssenKrupp von den Folgen illegaler Kartellabsprachen, Korruptionsvorwürfen, Schadenersatzforderungen und einem Zerwürfnis des Aufsichtsrats mit dem ehemaligen Management erschüttert.

In der Kritik steht auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Der Dachverband Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre macht ihn für die Schwierigkeiten mitverantwortlich und fordert seinen Rücktritt. "Cromme muss zurücktreten", sagte Verbands-Geschäftsführer Markus Dufner. Er verwies auf die Milliardenverluste mit den neuen Stahlwerken in Übersee, Kartellabsprachen und Korruptionsvorwürfe. Cromme macht dafür hingegen das frühere Management mitverantwortlich.

Cromme gilt als einer der einflussreichsten Manager Deutschlands. Zwei Jahre hatte er Thyssen-Krupp zusammen mit Ekkehard Schulz geführt, ehe er 2001 in den Aufsichtsrat wechselte. Den Bau der neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA hat er maßgeblich begleitet. In seine Zeit fielen zudem Fälle illegaler Preisabsprachen Thyssen-Krupps mit anderen Aufzugs- und Schienenherstellern.

Konzernlegende Beitz hat das letzte Wort

"Wenn Cromme davon wusste, muss er zurücktreten. Wenn nicht, dann ist er als Chefkontrolleur unfähig", sagte Dufner. Der 69-Jährige solle sich aus dem Gremium verabschieden und auch nicht an die Spitze der Krupp-Stiftung wechseln, die einen Anteil von 25 Prozent am Unternehmen hält. Dort will Cromme die 99-jährige Konzernlegende Berthold Beitz beerben.

Beitz hat bei wichtigen Entscheidungen immer noch das letzt Wort. Vor wenigen Tagen hatte bereits die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gefordert, die Rolle Crommes und des Aufsichtsrats zu überprüfen. Die DSW vertritt Aktionäre mit rund einer Millionen Thyssen-Krupp-Papieren, die Kritischen Aktionäre sprechen für Anleger mit 100.000 bis 150.000 Papieren. Insgesamt hat Thyssen-Krupp 514 Millionen Aktien ausstehen. (rtr/dapd/dpa)

Kommentare
11.12.2012
19:25
Thyssen-Krupp meldet fünf Milliarden Euro VerlustSteinbrück im Aufsichtrat !!!!!!
von albertus28 | #4

Da sitzt der Vorträgsmillionär und "Wirtschaftsfachmann" auch noch im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp,verdient hier noch dickes Geld und beaufsichtigt...
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