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Thyssen-Krupp

Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme weht eisiger Wind ins Gesicht

18.01.2013 | 11:02 Uhr
Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme weht eisiger Wind ins Gesicht
Verzichtet auf Geld: Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.Foto: dapd

Bochum.  Nach massiven Verlusten bei Thyssen-Krupp durch Probleme bei Stahlwerken in den USA und Brasilien wird der Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2011/2012 auf die Hälfte der Vergütung verzichten. Die Kartell- und Korruptionsfälle verurteilte Aufsichtsratschef Cromme beim Aktionärstreffen nachdrücklich.

Buhrufe und Pfiffe – Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp, weht bei der laufenden Hauptversammlung in Bochum eisiger Wind ins Gesicht. Bevor die Debatte über die Krise des Konzerns beginnt, stellt der Münchner Anwalt Oliver Krauß den Antrag, Cromme als Versammlungsleiter abzusetzen. Der quirlige Jurist, der schon Hauptversammlungen der Deutschen Bank und der Metro aufmischte, erntet Beifallsstürme, als er Cromme als „die größte Teflonpfanne der Republik“, an der jegliche Kritik abperle, bezeichnet. Krauß bezeichnet das Verhalten des Aufsichtsratsvorsitzenden als „unwürdiges Beispiel der Nichtverantwortung“.

Nach dem Frontalangriff ist Cromme sichtlich irritiert, verzettelt sich. Nach Rücksprache mit dem Notar der Hauptversammlung lässt er über den Antrag erst gar nicht abstimmen, Krauß habe „keinen wichtigen Grund“ genannt, warum Cromme als Versammlungsleiter abgesetzt werden sollte. Im Bochumer Ruhrcongress macht sich Unruhe unter den Aktionären breit. Mehrere Aktionärsschützer kündigen an, dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern.

Aufsichtsrat verzichtet für ein Jahr auf die Hälfte der Bezüge - Aktionäre lachen

Das Blitzlichtgewitter, das um kurz vor zehn Uhr auf die Thyssen-Krupp-Oberen Berthold Beitz, Gerhard Cromme und Heinrich Hiesinger niederging, war nur der Auftakt zu einer Hauptversammlung in Bochum, auf der es kräftig donnerte.

Mit lauten Lachern und wenig Applaus quittiert die Hauptversammlung Crommes symbolische Geste: Für das Geschäftsjahr 2011/12 verzichtet der Aufsichtsrat auf die Hälfte seiner Bezüge. Cromme selbst sollte als Vorsitzender 210.500 Euro, sein Stellvertreter Bertin Eichler von der IG Metall 159.500 Euro erhalten. Die Bezüge für den Aufsichtsrat insgesamt sollten sich nach Angaben von Thyssen-Krupp auf knapp 1,5 Millionen Euro belaufen.

Trotz zahlreicher Rücktrittsforderungen - Cromme wankt nicht

Cromme kennt sich aus mit brenzligen Situationen. Er hat das Krupp-Stahlwerk Rheinhausen geschlossen und wurde deshalb mit Eiern beworfen. Gegen Widerstand führte er die einstigen Konkurrenten Thyssen und Krupp zusammen. Jetzt wird nach Crommes Verantwortung für die schwerste Krise in der jungen Geschichte des fusionierten Konzerns gefragt. Doch trotz zahlreicher Rücktrittsforderungen wankt der 69-Jährige nicht. In seinem Rechenschaftsbericht für den Aufsichtsrat geht Cromme selbst darauf ein: „Unsere Geschichte zeigt, dass wir immer Kräfte mobilisiert haben, um gestärkt aus solchen Krisen hervorzugehen. Das wird auch diesmal so sein.“

Ob die Milliardenverluste bei den neuen Stahlwerken in Brasilien USA, beim Schienen- und Aufzugkartell sowie Luxusreisen für Journalisten und Gewerkschafter – Cromme legte Auszüge von Gutachten vor, die er selbst in Auftrag gegeben hatte und die weder dem Aufsichtsrat, noch dem Vorstand Pflichtverletzungen nachweisen. „Der Aufsichtsrat hat seine aktienrechtlichen Pflichten zur Überwachung des Vorstands im Zusammenhang mit den Steel-Americas-Projekten zu jedem Zeitpunkt umfassend eingehalten“, zitiert Cromme aus den Gutachten.

Cromme: "Rechtlich korrekt bedeutet nicht unternehmerisch gut"

Er übt aber auch Selbstkritik: Der Vorstand habe bei der Stahlwerke-Planung Annahmen und Kennzahlen vom Vorstand vorgelegt bekommen, die „als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein sogar als falsch erwiesen haben“. Dabei, so die Anwaltskanzlei Hengeler Mueller, seien dem damaligen Vorstand aber keine Pflichtverletzungen vorzuweisen. Es wird also nicht zu Schadenersatzansprüchen kommen. Cromme betont aber auch: „Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen.“ Nicht unerwähnt lässt der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp aber auch einige externe Gründe wie die Explosion der Arbeitskosten, die Entwicklung der Wechselkurse und der Erzpreise, die zu der erheblichen Verteuerung der Stahlwerke beigetragen hätten.

Wie schon im Dezember nimmt der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger seinen Chefaufseher in Schutz. Es sei Cromme gewesen, der den Kulturwandel bei Thyssen-Krupp eingeleitet habe. Nicht zuletzt, indem er vor zwei Jahren ihn, Hiesinger, von Siemens nach Essen geholt habe. Der Konzernchef räumt ein, bei seinem Amtsantritt sei ihm nicht annähernd bewusst gewesen, wie tiefgreifend der nötige Veränderungsprozess sein werde. "Unsere alte Führungskultur war an vielen Stellen von Seilschaften und blinder Loyalität gekennzeichnet. Fehlentwicklungen wurden lieber verschwiegen als korrigiert", so Hiesinger.

Frank Meßing

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Kommentare
18.01.2013
18:04
Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme weht eisiger Wind ins Gesicht
von Peter_vom_Daimler | #19

Cromme zieht schon seit über 25 Jahren eine Spur der Verwüstung hinter sich her.
Rheinhausen, Hoesch, Krupp-Profilstahlkonzept der frühen 90er Jahre. Solche Sachen fallen mir spontan beim Namen Cromme ein.

Ein Stahlwerk in Alabama oder ein Hüttenwerk in Rio zu bauen, ist ungefähr das selbe Abenteuer wie ein Freibad am Nordpol zu eröffnen.
Geringe Kosten und verfügbarkeit von Rohstoffen und Energie ist nicht immer alles.

18.01.2013
17:25
Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme weht eisiger Wind ins Gesicht
von DerMerkerNRW | #18

Warum hört Cromme nicht auf? Er wird nicht das biblische Alter von Beitz erreichen, sieht jetzt schon fertig aus und wird es nicht mehr lange machen! Das gönnerhaft gespendete Geld ist so, als ob man einen Gedemütigten in das Gesicht spuckt! Anstatt Hiesinger sofort zu installieren, damit er sein Siemens Konzept (Stahl Gesamt an Mittal, den Rest an Siemens) durchziehen kann, agiert die Momentane Niete in Nadelstreifen weiter und wird das Unternehmen endgültig in den Abgrund oder wie in Brasilien in den Sumpf stossen! Cromme war und bleibt ein aroganter Selbstdarsteller ohne Führungsqualitäten!

Das wars ThyssenKrupp!

18.01.2013
16:09
Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme weht eisiger Wind ins Gesicht
von harrass | #17

Ich war vor 25 Jahren auf der Brücke von Rheinhausen, als das Stahlwerk dort von Dr. Cromme geschlossen wurde. Dr. Cromme hat damals eine Absprache nach der anderen gebrochen.
Cromme Touren war ein Begriff in Duisburg.
Das Werk musste schliessen, um Cromme den Weg in den Vorstand zu ebnen. Stahlwerke in Deutschland sind für Cromme eben nicht rentabel.

Als in Deutschland vor ein paar Jahren eine Ethikkommission gegründet wurde und ausgerechnet Dr. Cromme die führen sollte, hielt ich das erst für einen Witz.

Jetzt wurde Thyssen vor die Wand gefahren, weil Stahlwerke eben nicht in Deutschland gebaut werden sollen, sondern überall und von allen, nur eben nicht von den teuren Deutschen.
Zeitgleich kommt ein Skandal nach dem anderen zum Vorschein. Von Seilschaften und blinder Loyalität ist die Rede.

Und ausgerechnet Dr. Gerhard Cromme hat üüüberhaupt keine Ahnung wie es dazu kommen konnte und üüüberhaupt keine Verantwortung...

18.01.2013
15:58
Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme weht eisiger Wind ins Gesicht
von Hans100 | #16

Vor diesem Herrn kann man nur verächtlich ausspucken. Welch eine Schande für das deutsche Management generell!!

18.01.2013
14:57
Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme weht eisiger Wind ins Gesicht
von mickus | #15

Ist Herr Gerhard Cromme derzeit nicht auch Vorsitzender des Aufsichtsrats bei der Siemens AG?
Wieviele Unternehmen kann man eigentlich gleichzeitig beaufsichtigen?

18.01.2013
14:11
Teilweise Satire pur
von Menetscha | #14

Bin als TK-Mitarbeiter online dabei. Teilweise handelt es sich um Satire pur.

Die Erläuterungen zu dem Compliance-Programm (Achtung: es ist ein reines Online-Programm) sind ein Witz. Man wird aufgefordert, sich ein paar Schulungsseiten rein zu ziehen, um anschließend einen Fragebogen auszufüllen, vergleichbar einer theoretischen Führerscheinprüfung. Erreicht man eine gewisse Lösungsquote ist alles ok und man hat für wenigstens ein Jahr Ruhe.

Wie das Dingen dazu gut sein soll, heimliche Treffen in Pizzerien, wie seinerzeit bei der Gleistechnik, aufzudecken entzieht sich meinerm Verständnis.

Das Verantwortungsbewußtsein der Aufsichtsratsmitglieder, sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmervertreter ist ebenfalls ein Witz.

Als Insider kann ich nicht offen auftreten ohne meinen Arbeitsplatz zu riskieren. Aber wenn ich demnächst mal Rentner bin, könnte man ja mal bei der Hauptversammlung ein paar Detailfragen stellen ...

18.01.2013
13:25
Buh-Rufe und bohrende Fragen für Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat. Wo steckt denn SPD-Peer ?
von albertus28 | #13

Da gab/gibt es doch noch ein Aufsichtsratsmitglied,das fleißig wie immer Geld einsteckte,konsequent wie immer durch Abwesenheit gänzte und sich nun weckduckt.
Dieses Finanzgenie Steinbrück aber nur in eigener Sache hatte doch dieses Chaos zu beaufsichtigen...Ergebnis siehe oben,
Und der soll ein ganzes Land führen,davor bewahre uns der kluge Wähler.

18.01.2013
13:13
Buh-Rufe und bohrende Fragen für Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat
von werzuletztlacht | #12

Unternehmerische Entscheidungen bergen auch immer Risiken. Diese Geschichte ist von Lustreisen, Kartellen etc. zu trennen. Wenn jeder Vorstand für falsche unternehmerische Entscheidungen haften würde, würden keine Entscheidungen, insbesondere Investitionen, mehr getroffen. Das kann auch nicht der Weg sein.

1 Antwort
Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Cromme weht eisiger Wind ins Gesicht
von Mr.Observer | #12-1

Wenn Fehlentscheidungen durch FAHRLÄSSIGKEIT zustande kommen, sollte der Entscheider haften. Warum sollte er keinerlei Risiken haben? Herr Cromme war meines Wissens nicht ein einziges Mal vor Ort in Brasilien, um sich ein eigenes Bild zu machen. Für mich ist das Fahrlässigkeit.

18.01.2013
13:02
Buh-Rufe und bohrende Fragen für Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat
von Schimmi11 | #11

Das Politiker und Konzernvorstände sich für Erfolge verantwortlich zeigen, um Gehälter und Tantiemen in die Höhe zu schrauben ist bekannt. Für Misserfolge und daraus resultierende Konsequenzen, sind Belegschaften und alle andere zuständig. Seit wann
sind denn Aufsichtsräte für irgendwas verantwortlich? Den Namen zu Verfügung stellen
genügt doch wohl; ansonsten schützt Unwissenheit vor Strafe.
Wann machen sich Aufsichtsräte eigentlich sachkundig? Das kostet bestimmt extra.
nd für Vorsände gilt: wenn nichts funktioniert, dann fängt man halt im Vorstand der TUI an. Neues Spiel neues Glück!

18.01.2013
12:53
Buh-Rufe und bohrende Fragen für Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat
von Tobih2002 | #10

Letztendlich wird es wohl wieder der kleine Mann mit der Schüppe in der Hand ausbaden. Hauptsache diese Verbecher haben ihre Schäfchen im trockenem.

Denen gehts doch nur darum, ob sie rechtlich belangt werden können, nicht wie man den Konzern wieder in die Spur bekommt und Arbeitsplätze sichert...

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