Thyssen-Krupp-Aktionäre entlasten Vorstand und Aufsichtsrat
18.01.2013 | 17:51 Uhr 2013-01-18T17:51:00+0100
Bochum. Milliardenschwere Fehlinvestitionen in Übersee-Stahlwerke, Schienen- und Aufzugkartelle, Luxusreisen für Journalisten und Gewerkschafter: Für Thyssen-Krupp-Chef-Aufseher Gerard Cromme war die diesjährige Hauptversammlung kein Zuckerschlecken. Seine Aktionäre pfiffen ihn aus, klatschten Beifall - und entlasteten Cromme und seinen Vorstand.
Pfiffe und Buh-Rufe auf der Hauptversammlung: Die Aktionäre des angeschlagenen Technologie- und Stahlkonzerns Thyssen-Krupp machten am Freitag im Bochumer Ruhr-Congress ihrem Unmut insbesondere gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme Luft und feierten Vorstandschef Heinrich Hiesinger als Hoffnungsträger.
Milliardenschwere Fehlinvestitionen in Übersee-Stahlwerke, Schienen- und Aufzugkartelle, Luxusreisen für Journalisten und Gewerkschafter – viele Aktionäre forderten von Cromme, dass auch er Verantwortung übernimmt und seinen Posten als Chefkontrolleur von Thyssen-Krupp räumt. Doch kurz vor Beginn der Hauptversammlung wurde deutlich, dass Berthold Beitz (99), mächtiger Chef der Krupp-Stiftung, Cromme weiterhin stützt. Demonstrativ ließen sich beide im Blitzlichtgewitter der Fotografen ablichten.
Thyssen-Aufsichtsratschef Cromme räumt Fehler ein
Bei der Thyssen-Krupp-Hauptversammlung kam es zu am Freitag im Bochumer Ruhr-Congress zum erwarteten Schlagabtausch. Wie in einem Schauspiel nahm Aufsichtsratschef Gerhard Cromme die Rolle des Bösen, Vorstandsvorsitzender Heinrich Hiesinger die Rolle des Guten ein.
Cromme räumte eigene Fehler ein: „Wir hätten früher handeln können“, sagte er, versteckte sich aber gleichzeitig hinter Gutachten, die Aufsichtsrat und Vorstand bei allen Versäumnissen attestieren, nicht gegen Pflichten verstoßen zu haben.
Der Beschluss der Aufsichtsratsmitglieder, angesichts des Konzernfehlbetrags von fünf Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2011/12 auf die Hälfte ihrer Bezüge zu verzichten, sorgte unter den Aktionären nur für hämisches Gelächter. Cromme selbst sollte als Vorsitzender 210 500 Euro, sein Stellvertreter Bertin Eichler von der IG Metall 159 500 Euro erhalten. Die Bezüge für den Aufsichtsrat insgesamt sollten sich nach Angaben von Thyssen-Krupp auf knapp 1,5 Millionen Euro belaufen.
Dennoch haben die Aktionäre des Stahlkonzerns letztendlich sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat entlastet. Alle Beteiligten erhielten zwischen 62 und rund 76 Prozent. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der im Mittelpunkt der Kritik stand, erhielt rund 69 Prozent. Er war von Aktionären für Milliardenverluste mitverantwortlich gemacht worden.
Aktionärssprecher verglichen Hiesinger mit „Heinrich der Löwe“
Während Cromme damit beschäftigt war, sich für Ursachen der Krise in der Vergangenheit zu rechtfertigen, positionierte sich Vorstandschef Hiesinger als Visionär und Anpacker, der Korruption bekämpft und Thyssen-Krupp wieder eine Zukunftsperspektive bieten will. Für seine Ruck-Rede erhielt der Manager immer wieder Applaus. Mehrere Aktionärssprecher verglichen Hiesinger mit dem kampferprobten „Heinrich der Löwe“.
Hiesinger bezeichnete die neuen Stahlwerke in Brasilien und USA als „größte Baustelle“ des Konzerns. Er zeigte sich aber auch zuversichtlich, dass ihr geplanter Verkauf bis zum Herbst abgeschlossen sein werde. Hiesinger bekannte sich dagegen zum europäischen Stahlgeschäft. Es gebe „keine Überlegungen, sich von Steel Europe zu trennen“, so Hiesinger. (mit dpa)

23:40
Wie war das noch mit den Krähen?
Wie ein Buchstabe die Bedeutung ändern kann. Man hätte die Sesselfurzer auch achtkantig rauschmeißen können - entlassen statt entlasten.
20:56
Hihi, es soll ja durchaus Mitarbeiter geben, die Aktienpakete am Unternehmen halten...Finde ich witzig, da finanziert man mit dem Wegfall seines eigenen Arbeitsplatzes seine eigene Rendite. Was ein Irrenhaus. :D
17:49
Die in dem Geschäft stecken kennen keine Moral, außer der die Geld vermehrt! Dies ist in diesem Land Standard. Alle, die sich diesem Spiel widersetzen gelten als Außenseiter. Das Mitläufertum genießt in Deutschland jedoch den höheren Stellenwert. Siehe TK-Hauptversammlung. Geldvermehrung ist Profit für diese Verhältnisse und Menschen, die dadurch glücklich werden.
11:06
noch regiert das geld die welt, aber das wird sich früher oder später auch mal ändern!
09:48
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08:59
Sind wir doch froh, das das Stahlwerk in Brasilien nicht läuft. Sonst müssten wir uns Gedanken machen, was die Stahlwerker in Deutschland zukünftig machen. Döner verkaufen z.B.?
08:43
Der hochverehrte B.B. hat an seinem eigenen Denkmal gerüttelt, indem er Cromme gestützt hat.
07:36
H.Beitz hat seine schützende Hand über Cromme gehalten, ansonsten wäre H.Cromme von seinen Aufgaben entbunden worden. Die Kleinaktionäre haben eben keine Chance gegen das Großkapital aufzumucken. Es ist eben so, wer das meiste Geld hat, hat das sagen.
22:57
Das ist nicht die neue Unternehmenskultur, sondern nur die Fortsetzung einer
Art und Weise, welche langsam, schleichend von diesen aus Amerika
mitgebracht wurde.
Traurig ist nur daran, dass unsere jungen Unternehmer, nicht im Handwerk, sich
dieses Verhalten abgeguckt haben und der Ansicht sind, dieses Verhalten sei richtig.
Aber in der Politik ist es ja nicht anders.
Hier ist der Bürger der Dumme, in der Industrie der Arbeiter.
21:38
Und der Oberaufseher und -Versager darf bleiben? Mich wundert nichts mehr, wie in der Politik so auch in der Wirtschaft schaffen es Leute,mit wenig Verantwortungs-und Moralbewusstsein sich aus der Affaire zu ziehen, Das ist also die neue Unternehmenskultur.Man könnte einfach kotz....