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Textildiscounter Kik bedauert Tod von fast 300 Menschen in Textilfabrik

18.09.2012 | 19:27 Uhr
Textildiscounter Kik bedauert Tod von fast 300 Menschen in Textilfabrik
289 Arbeiter sind in dieser Textilfabrik in Karachi bei einem Feuer ums Leben gekommen. Auch Kik hat dort Hosen produzieren lassen. Foto: afp

Bönen.   Nach dem Tod von 289 Menschen beim Brand einer Textilfabrik in Pakistan gerät auch der westfälische Textildiscounter Kik in den Blick. Das Unternehmen hat in der Fabrik Jeans produzieren lassen. Kik erklärte sein Bedauern und kündigte die Einrichtung eines Hilfsfonds an.

289 Menschen starben am Dienstag vergangener Woche bei einem Brand in der Textilfabrik von Ali Enterprises in Karachi, Pakistan. Nach Angaben der Behörden sind einige verbrannt, die meisten aber qualvoll erstickt, weil es keinen Ausweg aus den Flammen gab. Produziert wurde hier von rund 600 Arbeitern und Arbeiterinnen unter anderem für den deutschen Markt. Der Bönener Textildiscounter Kik bestätigte am Dienstag gegenüber der WR, dass er in der Fabrik in Karachi Jeans der Marke „Okay“ fertigen ließ.

Im November letzten Jahres hatte Kik-Geschäftsführer Michael Arretz bei der Vorstellung der glänzenden Geschäftszahlen mit weit über 1,6 Milliarden Euro Umsatz einen Strategiewechsel im Unternehmen angekündigt: „Kik ist im Jahr der Volljährigkeit, da wird es nötig, einiges zu ändern.“ Arretz erklärte das voller Überzeugung und mit dem ersten Nachhaltigkeitsbericht in der Firmengeschichte in der Hand. In diesem Bericht steht, welche Arbeitsbedingungen in den Zulieferfirmen herrschen müssen, damit sie für Kik arbeiten dürfen – kontrolliert durch beauftragte Agenturen vor Ort und eine eigens dafür im November 2011 eingerichtete Servicestelle.

Fenster in Unglücks-Fabrik waren vergittert

In einer Stellungnahme an die WR teilte Kik sein tiefes Bedauern über das Unglück in Karachi mit. Es sei unklar, wie es dazu kommen konnte. Wörtlich heißt es: „Grundsätzlich verpflichtet Kik alle Lieferanten auf die Erfüllung und Einhaltung elementarer Arbeitsrechte und Sicherheitsstandards. Diese Verpflichtung wird in Audits von externen, unabhängigen und akkreditierten Zertifizierungsunternehmen geprüft. Das Thema Brandschutz hat dabei herausragende Bedeutung und wird in gesonderten Trainings berücksichtigt.“ Nachdem der erste Bericht über Ali Enterprises aus dem Jahr 2007 noch Hinweise auf mangelnden Brandschutz enthalten habe, seien Nachbesserungen umgesetzt worden. Der Bericht vom 30. Dezember 2011 habe die Einhaltung der Vorschriften bestätigt. Es sei noch unklar, wie es zur Katastrophe kommen konnte.

Teufelskreis Billigproduktion

Mit rund elf Milliarden Dollar pro Jahr macht die Produktion von Kleidung 55 Prozent der Exporte des Landes aus. Um gegen die Konkurrenz auf dem Weltmarkt bestehen zu können, müssen die Fabriken möglichst billig produzieren. Vor allem in der Industriemetropole Karachi gibt es laut pakistanischem Verband der Handelskammern viele Fabriken wie die von Ali Enterprises – oder noch schlimmer: ehemalige Wohnungen, in denen unter katastrophalen Bedingungen produziert wird. Nachdem die in Pakistan produzierten Jeans per Schiff nach Europa transportiert wurden, sind sie hier in den Läden für 5 bis 20 Euro zu kaufen.

Behörden und Nichtregierungsorganisationen vor Ort sind da schon weiter. Demnach waren in der nicht durch die Behörden registrierten Fabrik die Fenster vergittert und die Treppen mit fertigen Waren zugestellt. Bei dem Gebäude handele es sich um einen Billigbau, wie er für viele Produktionsstätten in Karachi üblich sei: Die Arbeiter seien laut Feuerwehr ohne ausreichende Belüftung in viel zu kleinen Sälen zusammengepfercht gewesen, alle Ausgänge außer dem Haupteingang seien verriegelt gewesen.

Nach Informationen des Netzwerks Inkota – „Kampagne für saubere Kleidung“ – sind die Eigentümer der Fabrik des Mordes angeklagt worden. Die National Trade Federation aus Pakistan fordert zudem, dass die Käufer wie Kik wegen strafbarer Fahrlässigkeit belangt werden sollten.

Das Bönener Unternehmen erklärte jetzt, es sei gerade dabei, einen Hilfsfonds für die Opfer aufzubauen, gemeinsam mit weiteren Unternehmen. Welche das sein sollen und wie hoch die Hilfe ausfallen soll, darüber wollte Kik am Dienstag noch keine Angaben machen.

Jens Helmecke



Kommentare
05.12.2012
13:53
Textildiscounter Kik bedauert Tod von fast 300 Menschen in Textilfabrik
von Mike68 | #5

Es ist doch unglaublich, wie schnell man mit einer Verurteilung bei der Hand ist, wenn man nicht selbst zur Verantwortung gezogen werden kann.

Natürlich ist es tragisch und bedauerlich, wenn Menschen sterben!

Dafür allerdings Kik-Textilien verantwortlich zu machen finde ich etwa so, als würde man die Zeitung dafür verntwortlich machen, dass der Wald verschwindet, und einen Verkaufsstopp für sämtliche Zeitungen fordern. Oder als würde man die Reinigungsmittelfirmen für den Tod von Allergikern verantwortlich machen, weil zuviel Sauberkeit ja erwiesenermaßen für Allergien verantwortlich ist, und den sofortigen Versatz von Reinigern mit Dreck fordern...

Man denkt einfach nicht darüer nach,
- dass andere Firmen genauso handeln
- dass viele auf Billigwaren angewiesen sind

Ich halte solch einseitige Recherchen für eine bodenlose Frechheit und Volksverdummung. Bei allem Respekt für die armen Menschen, die nebenbei gesagt auch nicht hätten da arbeiten müssen: ganzu falscher Ansatz!

19.09.2012
15:56
Textildiscounter Kik bedauert Tod von fast 300 Menschen in Textilfabrik
von Murphy07 | #4

Ich hätte mir gewünscht sie hätten den Beitrag nicht gelöscht. Alles was dort zum Thema Kik und die Verantwortung der Firmen für diese Menschen wurden mehrfach durch qualifizierte Dokus belegt.
Denn die, die wieder die Dummen sind, sind die Familien der Toten..sie waren auf das Einkommen und wenn es noch so niedrig ist angewiesen. Da hilft auch jetzt kein Freikaufen mehr....
Man sollte mehr Achtung vor den Verstorben haben...und nicht nur die Werbekunden....
Leider schade...was geschrieben wurde war ja belegbar.....

19.09.2012
15:06
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.09.2012
06:17
Wer kauft eigentlich bei KIK
von cui.bono | #2

Ich habe noch nie etwas bei KiK gekauft und werde auch nie dort etwas kaufen.

Niemand wird gezwungen bei solchen Unternehmen zu kaufen.

Dann regelt sich das Problem doch von selbst.

18.09.2012
22:34
Kik "Besser als wie man glaubt" - oder wie war der Werbespruch von Frau Pooth
von kitty73 | #1

289 qualvoll gestorbene Menschen.

:,-(

Eine nicht registrierte Fabrik und Kik kann sich nicht erklären wie es zu diesem Unglück kommen konnte.
Ein Management - unschuldig weil unwissend?
Man baut einen Hilfsfonds für die Opfer auf - das wird den Toten sicher helfen.
Vielleicht schickt man noch Frau Pooth lächelnd mit einem Scheck im Großformat vor Ort - das würde sowohl zu Kik als auch zu Pooth passen.

Aber ändern wird man nichts - nach dem Motto " wir haben das doch so nicht gewollt, wir hatten keine Ahnung,...." - Verlogen durch und durch - oder ?

Besser als wie man glaubt - ob das die Toten auch so gesehen haben?

Hoffentlich bleiben die Medien an dieses Sache dran. Statt wochenlang täglich Bettina Wulff, wäre dies doch mal eine gute Recherche und eine Artikelserie wert. Das geht uns schließlich alle an, überall ist Kik.

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