"Teekanne" verliert Streit um Früchtebilder vor EU-Gericht

Was nicht drin ist, darf auch nicht beworben werden: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass Tee-Hersteller nur mit Zutaten werden dürfen, die auch tatsächlich im Tee enthalten sind.
Was nicht drin ist, darf auch nicht beworben werden: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass Tee-Hersteller nur mit Zutaten werden dürfen, die auch tatsächlich im Tee enthalten sind.
Foto: Archiv/Markuks Weißenfels, Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Kampf gegen Werbelügen auf Verpackungen hat der Europäische Gerichtshof die Rechte der Kunden gestärkt. Es ging um Früchtetee von "Teekanne".

Luxemburg/Düsseldorf.. Muss ein Tee die Früchte, mit denen er wirbt, auch enthalten? Oder zumindest Aromen dieser Früchte? Ja, hat jetzt der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden - und stärkt mit seinem Urteil Verbraucherschützern und Kunden den Rücken.

Was haben die obersten europäischen Richter entschieden?

Dass Hersteller auf der Verpackung von Lebensmitteln nicht mit Bildern von Zutaten werben dürfen, die gar nicht im Produkt enthalten sind. Das Zutatenverzeichnis reiche nicht aus, um den falschen Eindruck zu korrigieren, schreiben die Richter. Alles andere führe den Verbraucher in die Irre.

Um welches Produkt geht es?

Streitobjekt ist ein Kindertee des deutschen Marktführers Teekanne. Der aromatisierte Früchtetee namens "Felix Himbeer-Vanille Abenteuer" wirbt auf der Packung mit der beliebten Kinderbuchfigur Hase Felix, der zwischen Himbeeren und Vanilleblüten herumspringt. Allerdings enthalten die Teebeutel keinerlei Bestandteile von Himbeeren oder Vanille - und nicht einmal deren Aromen. Die Zutatenliste zeigt, dass der Tee hauptsächlich aus Hibiskus, Äpfeln, süßen Brombeerblättern, Orangenschalen und Hagebutten besteht. Teekanne bewarb den Tee bei der Einführung 2010 mit seinem "lecker beerigen Geschmack". Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat Teekanne verklagt. Seit 2012 vertreibt Teekanne den Tee nach eigenen Angaben nicht mehr.

Was werfen die Verbraucherschützer Teekanne vor?

Sie sprechen von einer "Werbelüge". "Der Verbraucher wird durch die Bilder getäuscht", kritisiert Susanne Einsiedler vom vzbv. Der Verband verweist auf eine repräsentative Umfrage, wonach 71 Prozent der Käufer bei solch einer Verpackung das entsprechende Fruchtaroma im Tee erwarten und 68 Prozent die Früchte als Zutat. Laut Zutatenliste enthielt der Tee natürliche Aromen mit Vanille- und Himbeergeschmack. Solche Aromen werden laut vzbv aus Rohstoffen wie Holzspänen gewonnen; das Aroma Vanillin etwa aus Öl, Nelken oder Zuckerrüben.Werbelügen

Was schreibt das EU-Recht vor?

Laut EU-Richtlinie aus dem Jahr 2000 darf die Etikettierung den Käufer nicht "über die Eigenschaften des Lebensmittels" irreführen, also Beschaffenheit, Zusammensetzung, Menge, Haltbarkeit, Ursprung und Herstellungsart.

Welche Auffassung vertritt Teekanne?

Dass die Verpackung den Regeln entspricht. "Die auf dem Produkt abgebildeten stilisierten Früchte weisen lediglich auf die Geschmacksrichtung hin", schrieb Teekanne nach dem Urteil in einer Stellungnahme. Mit den verwendeten Aromen werde "das bekannte Geschmackserlebnis von Himbeeren und Vanille erreicht, was bei der Zugabe von Himbeeren und Vanille in getrockneter Form und in den Mengen, die in Teebeuteln verwendet werden können, gar nicht möglich wäre." Die Verpackung weise den Verbraucher "mehrfach, eindeutig und unmissverständlich" auf die Verwendung von natürlichen Aromen hin.

Wie haben deutsche Gerichte geurteilt?

Das Landgericht Düsseldorf gab 2012 den Verbraucherschützern recht. Es sei verboten, Lebensmittel unter einer irreführenden Aufmachung zu verkaufen, die über die Zusammensetzung täuschen könne. "Diese Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt", heißt es im Urteil.

Hatte dieses Urteil Bestand?

Nein. In zweiter Instanz gab das Oberlandesgericht Düsseldorf 2013 Teekanne recht: "Die Verpackung enthält keine zu untersagende Irreführung." Es reiche, wenn der Tee nach Himbeeren und Vanille schmecke und die Verpackung die Zutaten korrekt angebe. Der Fall ging an den Bundesgerichtshof (BGH), der die Luxemburger um Auslegung bat.Ernährung

Wie geht es nun weiter?

Auf der Grundlage der Luxemburger Entscheidung muss der BGH nun endgültig klären, ob der Felix-Himbeer-Vanille-Tee Kunden in die Irre führt. Die Karlsruher Richter haben aber bereits klar gemacht, dass die Etikettierung des Tees "zur Irreführung geeignet" ist. Die offene Frage war noch, ob die Zutatenliste einen falschen Eindruck beheben kann - das verneinte der Europäische Gerichtshof ganz klar.

Handelt es sich bei dem Früchtetee um einen Einzelfall?

Verbraucherschützer beanstanden immer wieder ähnliche Produkte. Der vzbv schreibt: "Ob deutscher Käse in griechischer Aufmachung, Formfleisch statt abgebildeter Hähnchenbrust oder "Acerolasaft" mit der Hauptzutat Apfelsaft - die Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln weckt bei vielen Verbrauchern falsche Erwartungen." Viele Lebensmittel hätten Fantasienamen wie "Erdbeertraum".

Der EuGH entschied 2014 in einem anderen Fall, dass die Firma Ehrmann sich bei ihrem Fruchtquark "Monsterbacke" möglicherweise nicht an Regeln zu gesundheitsbezogenen Angaben gehalten hat. Dabei ging es um den Aufdruck auf der Packung "So wichtig wie das tägliche Glas Milch!". Foodwatch fordert Regeln, dass Hersteller auf der Packung Aromen klar deklarieren müssen, realistische Bilder benutzen und über Nährwerte, Herkunft und Einsatz von Gentechnik verständlich informieren. (dpa)