Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Telekommunikation

Tausende Telekomkunden ohne Festnetz

12.01.2011 | 14:53 Uhr
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
Die Telekom steht in der Kritik - wegen zu vielen Schäden und wegen Kundenunfreundlichkeit. (Foto:ddp)

Essen.Mehrere tausend Haushalte sind derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Ihre Festnetzanschlüsse sind aufgrund geplatzter Telefonkabel gesperrt. Die Telekom gibt dem Wetter die Schuld.

Der gewünschte Gesprächspartner ist derzeit nicht erreichbar. Diese automatische Ansage ist seit Silvester in einigen Teilen Nordrhein-Westfalens zu hören. Allerdings - und das ist ungewöhnlich - wenn man versucht, Personen auf dem Festnetz zu erreichen. Betroffen sind schätzungsweise mehrere tausend Haushalte in Düren, Essen, Euskirchen, Wuppertal und vielen anderen Städten. Genaue Zahlen gibt es aber nicht. Für betroffene Unternehmen, die auf eine telefonische Verbindung mit ihren Kunden angewiesen sind, ein großer finanzieller Verlust. Für ältere Leute, die etwa per Notfallarmband ihren Hausnotruf aktivieren wollen, lebensgefährlich.

Die Ursache, so die bisherige Einschätzung der Telekom, sind beschädigte Telefonkabel. George-Stephen McKinney, Sprecher des Unternehmens, gibt dem „härtesten Winter seit 40 Jahren“ die Schuld. Momentan gebe es fünfmal so viele Störungen wie sonst. Der extreme und diesem Jahr besonders tiefgehende Bodenfrost und das kurz darauf folgende Hochwasser hätten den Kabeln, die untertage liegen, so zugesetzt, dass es stellenweise zu Rissen in der Isolierung und somit zu Kurzschlüssen kam. Mit dem Alter der Leitungen hätte das aber nichts zu tun.

Wie lange sich die Reparaturen hinziehen werden, hänge, so McKinney, von der Größe des jeweiligen Schadens ab. „Das Problem bei Wasserschäden ist, dass zuerst in einem zeit- und personalaufwändigen Prozess der Schaden unter der Erde genau lokalisiert werden muss, bevor die Straße aufgebrochen werden kann.“

Bei Beatrix Gutmann aus Essen, die bereits seit Neujahr nicht mehr telefonieren kann, soll der Anschluss ab nächsten Freitag wieder funktionieren, so McKinney. In ihrer Straße war Schmelzwasser in einen Kabelschacht gelaufen, 500 Nutzer waren auf einen Schlag ohne Verbindung. 300 Meter Kabel müssen allein an dieser Stelle ausgetauscht werden.

„Von Kundenfreundlichkeit keine Spur“

Beatrix Gutmann ärgert sich vor allem über die Kundenunfreundlichkeit, die der Telefonanbieter in ihrem Fall an den Tag gelegt hat. Tagelang telefonierte sie mit dem Handy erst ihrem Telefonanbieter Versatel hinterher. Dieser kam nach verschiedenen Tests zu dem Ergebnis, dass das Problem bei der Telekom liegt. Versatel stellte den Kontakt zu der Telekom her – doch diese meldete sich bei der Essenerin nicht zurück. Ein angekündigter Telekomtechniker erschien nicht. Besonders frustrierend: Der Telefonkonzern hielt es auch nicht für nötig, sich seitdem noch mal zu melden, geschweige denn, einen Ersatztermin auszumachen.

„Was uns am meisten frustriert, ist, dass die Telekom so tut, als ob wir ein Einzelfall wären und versucht, uns die Schuld in die Schuhe zu schieben, indem sie behauptet, wir hätten die Kabel falsch verlegt.“ Dabei hat die Essenerin inzwischen herausgefunden, dass nicht nur ihr gesamtes Haus, sondern auch mehrere Haushalte in der Nachbarschaft betroffen sind. Von Einzelfall also keine Spur.

Kurios ist zudem, dass einer Partei im Haus anscheinend eine Sonderbehandlung zuteil wurde: „Ganz oben wohnen zwei Architekten, die nach zwei Tagen laut eigenen Aussagen eine Ersatzleitung von der Telekom bekommen haben. Uns hingegen lässt man hängen“, ärgert Beatrix Gutmann sich. Wie es zu einer solchen Ungleichbehandlung kam, konnte die Telekom auf Anfrage jedoch nicht erklären.

Katrin Bölstler

Facebook
 
Kommentare
16.01.2011
16:26
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von BlackBeauty | #36

Im Bereich Service darf man bei keinem Telefonkonzern was erwarten. Call Center, Besetzte Leitungen, Vertrösten, Nicht-Melden, Hinauszögern, Falsch-Berechnen, habe alles erlebt! Die Telekom hat mit der Servicewüste begonnen!

13.01.2011
21:28
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von Sannen | #35

Mein Telekom Anschl war auch gestört. Netter Mitarbeiter an der Hotline, über die Störingsbeseitigung wurde ich per SMS auf dem laufenden gehalten und anschl Rückruf erhalten das alles wieder ok ist. Aufgrund der Wettersituation kann ich mit 1 1/2 Tage Ausfall leben. Der Service war jedenfalls klasse.

13.01.2011
11:05
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von G. Volkers | #34

Versatel, 1&1 usw haben doch nicht einmal einen eigenen Außendienst. Die beschäftigen billige Callcentermitarbeiter im Ausland. Wer bei diesen Anbietern ist, selber schuld. Ich bin bei der Telekom jedenfalls sehr zufrieden.

13.01.2011
10:53
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von Jo Gerner | #33

Versatel und Konsorten nehmen doch kein eigenes Geld für den Netzausbau in die Hand. Die Telekom soll schön alles ausbauen, damit diese Parasiten dank Regulierung und vorgeschriebener Netzpreise die Telekomleitungen nutzen dürfen. Billig sieht es bei 1&1 usw auf dem ersten Werbeblick aus, teuer wird es wenn das ganze Kleingedruckte als Kosten zuadiert werden müssen. Dann ist nix mehr mit Schnäppchen. Ich hab meinen Anschluss bei der Telekom, zu einem fairen Preis, 1A Netzqualität und freundlichem Service.

13.01.2011
09:12
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von Prophet | #32

@27

LTE wird nur in den Ländlichen Gebieten gebaut. Und da das LTE Netz über Richtfunk Läuft, ausser bei der Telekom, wird es hier auch zu Störungen kommne. Da der Richtfunk Wetter-,Natur- und Technik abhängig ist. Sollte Irgendwo eine Starkregen sein, so ist das Netzt gestört. Fällt Irgendwo ein Richtfunk aus, ist das Netz gestört. Das einzigste Netz was dann nicht gestört ist, ist dass der tekom, da die alles über Festnetzanbindungen am laufen haben.

@14

Wenn sie vom Fach sind, sollten Sie auch wissen, dass die Leitungen schon Jahrzehnte unter der Erde liegen. Die Isolierungen sind zu damaligen Zeiten nicht so Strapazierfähig gewesen, wie sie es heute sind. Durch ewige Erdbewegungen erzeugen diese Isolierungen mit den Jahren Risse auf. Da wir derzeit das Problem habe, dass das Grundwasser ansteigt ist es normal, dass die Kabel absaufen. Selbst bei Übertage Kabel kommt sowas oft vor. Ich selber kann sagen, dass ich vom Fach bin. Denn ich baue für alle Anbieter mit den Richtfunk, Festnetzanbindungen, LTE, BOS etc. auf.

Ich bin seit 19 Jahren bei der Telekom und werde es auch bleiben. Wenn mal ein Problem auftrat, wurde es auch schnell behoben. Für längere ausfälle wurde ich auch entschädigt. Und die anderen Anbieter sind auch nicht viel besser als die t-com. Jeder hat seine Vor- und Nachteile.

13.01.2011
09:11
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von DerVollstrecker | #31

@ #27 von Ich_eskalier_gleich

*lach*

Ja, dann stören wohl die vom Himmel herabfallenden Vögel die Frequenzen!

13.01.2011
09:08
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von DerVollstrecker | #30

@ #12 von Knattermax

Versatel verfügt über ein hochmodernes Glasfasernetz von bald 50.000 km Länge.
Man verlegt sehr wohl von Versatel aus Kabel, wie man sieht.
Jedoch ist es einfach nur ein kleiner Anbieter, der über Preis und mangelnden Service nichts weiter zu bieten hat.
Die letzte Meile hält noch immer die Telekom. Ist man Kunde eines aufgeschalteten Anbieters, hat man die A...karte, da sich die Telekom für die Konkurrenz in einem gesetzlich festgelegten Zeitrahmen um die Sache kümmern muss.
Und dieser Zeitrahmen ist NICHT: sofort!

Ob Versatel, 1&1, Alice oder wer auch immer:
Man kann diese Anbieter ja ohne weiteres nehmen. Darf sich dann aber nicht über schlechten Service beklagen.
Im Normalfall läuft ja alles prima.
Bis....ja bis es dann soweit ist.

Dann wird wieder auf die Telekom geschimpft, wei die sich ja nicht um die letzte Meile kümmert.

Billiganbieter können mich mal.

13.01.2011
08:57
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von nie88 | #29

Bestimmt hat das weder mit dem alter der Leitungen noch mit dem Ausdünnen des Personals zu tun...is genau wie bei der Bahn!

13.01.2011
07:04
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von notarius | #28

Deutsche Mentalität.
Alles billig haben wollen und dann nach teurer Hilfe schreien. Warum sind die Anderen denn billiger? Kein Service, keine kostenlose Hotline usw.
Kommmt mir immer so vor wie der Arbeiter von Opel, der mit einem Asiaten zur Arbeit kommt, aber dann auf die Strasse geht, weil sein Arbeitsplatz gestrichen wird.

13.01.2011
06:56
Tausende Telekomkunden ohne Festnetz
von Ich_eskalier_gleich | #27

Das Festnetz ist das Einzige, was der Telekom als Druckmittel bleibt. Da hat sie die Hand noch immer am Drücker, allen Regulierungsbehöden zum Trotz. In diesem Fall geht es aber um kaputte Leitungen, denen ist es egal, welcher Anbieter-Call da gerade drüber läuft. Dreist ist die Aussage, dass wir in diesem Jahr einen extremen Bodenfrost hatten. Bei aller Liebe, der letzte Winder war - zumindest bis jetzt - länger und kälter. Diese Aussage ist Verar...ung. Aber lange hilft das auch nicht mehr. Das Festnetz ist auf dem absterbenden Ast. Riesen Investitionen in Kabelnetze wird es wohl nicht mehr geben, man wird sich auf Transportstrecken beschränken. Mobilfunk wird mittelfristig Leitungen überflüssig machen, wenn via LTE auch die Fläche mit brauchbaren Bandbreiten versorgt werden kann. Aber vermutlich wird es dann auch zu Störungen kommen, die manche dann wieder dem Draht nachtrauern lassen.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4158108/create

Umfrage
Rot-Grün in NRW will den Sonntags-Verkauf auf Trödelmärkten ausbremsen. Der Verkauf von Neuware soll eingedämmt werden. Was sagen Sie dazu?

Rot-Grün in NRW will den Sonntags-Verkauf auf Trödelmärkten ausbremsen. Der Verkauf von Neuware soll eingedämmt werden. Was sagen Sie dazu?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Die wertvollsten Marken der Welt
Bildgalerie
Markenvergleich
"Lasst Opel nicht sterben"
Bildgalerie
Opel Bochum
Blockupy gegen Kapitalismus
Bildgalerie
Demonstration
Aus dem Ressort
Hochtief will mit ACS gemeinsam Milliardenumsätze machen
Baukonzern
Der Baukonzern Hochtief verspricht sich von gemeinsamen Projekten mit dem spanischen Bauunternehmen und Mehrheitseigner ACS zusätzliche Geschäfte in Milliardenhöhe. Solche Projekte könnten nach Unternehmensangaben etwa Verkehrsprojekte in Nordamerika und Australien oder Stromleitungen in Deutschland...
Ruhrbischof Overbeck rügt Umgang mit Opel-Belegschaft
Opel
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat den Umgang mit der Belegschaft des Bochumer Opel-Werkes ungewohnt scharf attackiert. Die schon lange andauernden Unsicherheiten seien nicht mehr hinnehmbar, sagte Overbeck am Sonntag in seiner Pfingstpredigt im Essener Dom.
Foto 20 Kommentare 20