Tarif nach Fahrweise alarmiert Datenschützer

An Rhein und Ruhr..  Jürgen Cramer fährt bereits seit zwei Jahren mit einer Blackbox im Auto, die sein Fahrverhalten aufzeichnet. „Wir haben vorgemacht, womit die großen Anbieter jetzt nachziehen wollen“, sagt der Vorstand der Sparkassen Direktversicherung. Mit rund 180 000 Kfz-Kunden sind die Düsseldorfer gemessen am Marktführer HuK-Coburg mit mehr als zehn Millionen Verträgen vergleichsweise klein. Die HuK will spätestens Anfang 2016 ihren Mitgliedern einen Telematik-Tarif anbieten, mit dem umsichtige Autofahrer Geld sparen können.

Mit Blick auf die wachsame Konkurrenz will Cramer keine Details über die abgeschlossene Testphase mit 1000 Blackbox-Nutzern sagen. Auf der Homepage des Versicherers kann man sich aber bereits auf einer Warteliste eintragen, um an dem Programm teilzunehmen.

Die HUK gibt sich zugeknöpft

Der Vorstand der Sparkassen Direktversicherung betont, dass sein Haus alle Anforderungen, die der NRW-Datenschutzbeauftragte gestellt hat, in ihr Telematik-Modell umgesetzt habe. Gesichert sei nach Cramers Angaben, dass die Datenkreise voneinander getrennt seien. Allein der Fahrer könne über ein Kennwort auf sensible Daten wie Fahrstrecken und Geschwindigkeitsübertretungen zugreifen. „Wir als Versicherungsunternehmen erhalten nur einmal im Monat das Gesamtscore“, sagt Cramer. Das ist die Punktzahl, die der Fahrer durch sein Fahrverhalten erhält.

Der NRW-Datenschutzbeauftragte Ulrich Lepper pocht zudem darauf, dass die Daten „keiner Person zuzuordnen“ sein dürfen, dass die Blackbox Informationen verschlüsselt speichert und „Zugriffe und Manipulationen an der Hardware von außen ausgeschlossen“ sein müssen. Insgesamt, meint Lepper, sei die Tendenz der Versicherungswirtschaft zu individualisierten Tarifen aus datenschutzrechtlicher Sicht kritisch zu begleiten. Er fordert die Politik auf, „Grenzen für solche Geschäftsmodelle zu ziehen“.

Denn auch Krankenkassen bieten Techniken an, die Verhaltensweisen aufzeichnen. Wer gesund lebt und sich viel bewegt, soll Beiträge sparen können.

Der Marktführer HuK-Coburg gibt sich jedoch zugeknöpft über Vertragsdetails, die er anbieten will. Derzeit laufen Tests mit einer Blackbox, die in die Autos von HuK-Mitarbeitern eingebaut wurde, um Daten über ihr Fahrverhalten zu ermitteln.

Telematik-Tarife gibt es bereits etwa in Italien, Großbritannien und den USA. Im Ausland arbeiten Versicherer auch mit einem Malus. Wer einen besonders risikoträchtigen Fahrstil an den Tag legt, bekommt dann einen Aufschlag auf seine Anfangsprämie. In Deutschland policiert bislang noch kein Versicherer so. Auch von der HuK ist das wohl nicht zu erwarten.