Sultaninen nicht um jeden Preis

Zum Anbeißen: Model Kristin posiert mit einem Müsliriegel des Herstellers Hafervoll.
Zum Anbeißen: Model Kristin posiert mit einem Müsliriegel des Herstellers Hafervoll.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Turbulenzen auf dem Rohstoffmarkt bereiten Unternehmen wie Kuchenmeister aus Soest große Sorgen. Internationale Süßwarenmesse beginnt Sonntag in Köln

Soest/Werl/Schwerte..  Wir sind Schokolade. Wir sind Pralinen. Wir sind süß. Nordrhein-Westfalen ist der Standort für Süßwaren und Knabberartikel in Deutschland.

Zahlen?

671 000 Tonnen Süßwaren im Wert von 2,9 Milliarden Euro sind in 44 Betrieben zwischen Rhein und Ruhr im Jahr 2013 hergestellt worden. Eine unvorstellbare Menge. Aber, wofür gibt es die Statistiker des Landesamtes?

Sie wissen: Die Menge würde rein rechnerisch reichen, damit jeder Einwohner im Land 100 Gramm Süßigkeiten am Tag vernaschen könnte. Jeder Bundesbürger kommt im richtigen Leben im Schnitt auf 2,5 Kilo im Monat.

Mini-Sachertorte

Eine Menge. Leckereien, die auch vor unserer Haustür produziert werden. Zum Beispiel im Familienunternehmen Kuchenmeister mit Stammsitz in Soest (1000 Mitarbeiter). 500 Leckereien sind im Sortiment, vom Baumkuchen über Biskuitrollen bis zum Blechkuchen. Neu ist die Mini-Sachertorte. Die Miniaturausgabe Wiener Zuckerbäckertradition feiert in Köln Premiere.

Was so leicht und lecker auf der Zunge zergeht, lässt den Blick auf den Rohstoffmarkt mit seinen Turbulenzen mit dem ersten Bissen fast vergessen. Die Unternehmensleitung kann das nicht. „Längst“, sagt Hans-Günter Trockels, Geschäftsführer bei Kuchenmeister, „reicht es für den Fortbestand eines Unternehmens nicht mehr aus, in die Produktion und in die Märkte zu investieren. Es gilt umsichtig und weitreichend Prognosen zu entwickeln, um der Zockerei an den Rohstoffmärkten sinnvoll begegnen zu können.“

Beispiele? Innerhalb der vergangenen 18 Monate sei der Preis bei Sultaninen um 50 Prozent geschwankt, nicht anders sehe es bei Mandeln aus. Seit Anfang 2014 sei der Preis um 40 Prozent gestiegen.

Weg vom Geld, hin zum Geschmack. Der Trend? Trockel: „Im Backwarenbereich geht er hin zu Produkten, die dem hausfraulichen Backergebnis nahe kommen.“ Eine leistungsfähige Forschungs- und Entwicklungsabteilung fördere dies.

Erdnüsse gehen immer

Das Familienunternehmen Dreimeister aus Werl (100 Mitarbeiter) setzt weiter auf exklusive Confiserie-Spezialitäten. „Wir sind bestrebt, unsere Qualität stetig zu steigern“, sagt Stefan Lazic, Assistent der Geschäftsführung. „Ein hoher Anspruch, zumal wir keine Zusatzstoffe verwenden, die die Qualität künstlich verlängern.“ Auch wenn außergewöhnliche Kreationen wie Variationen mit Chili, Pfeffer oder Lakritz, kurzzeitig großen Anklang fänden, sei die Erfahrung des Hauses jedoch, „dass sich Produkte nach altbewährten Rezepten am besten verkaufen“. So bleibt abzuwarten, ob der erste Zwieback in Herzchenform von Brandt Zwieback, beim Knusperpublikum ankommt. Ein Hit bleiben die Erdnüsse aller Art von Ültje aus Schwerte. Das kernige Unternehmen ist seit 66 Jahren im Geschäft und verfügt über einen Bekanntheitsgrad von 95 Prozent. Erdnüsse aller Art gehen offenbar immer. Zuwachs beim Umsatz: 7,6 Prozent. Wir sind auch Erdnüsse.