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Stuttgart 21, zu wenig Züge - das sind die Baustellen des Bahnchefs

23.01.2013 | 18:52 Uhr
Stuttgart 21, zu wenig Züge - das sind die Baustellen des Bahnchefs
Deutsche Bahn-Chef Rüdiger Grube (r.) und der Chef der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, Guillaume Pepy, beim Neujahrsempfang der Bahn. Die beiden wollen ihre Netze behalten.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Berlin.   Stuttgart 21, marode Weichen, zu wenig Züge: Rüdiger Grube hat in diesem Jahr eine Menge zu tun. Der Chef der Deutschen Bahn will die Hoheit über das Schienennetz behalten, die EU-Kommission will es ihm wegnehmen. Sie erhofft sich davon mehr Wettbewerb.

Die Hauptstadt feierte den 50. Jahrestag des Elysee-Vertrages. Die mächtigen Bahnmanager Rüdiger Grube und sein französischer Kollege Guilleaume Pepy nutzten den Auftrieb zu einer klaren gemeinsamen Ansage: Die Staatsbahnen DB und SNCF müssen stark bleiben – und die Regie über ihre Schienennetze behalten. Nach drei Jahren an der Konzernspitze tun sich für Grube weitere Baustellen auf: der Zustand der Schienenwege, die Flotte, die Finanzen. Besonders drängend: Was passiert in Stuttgart? Die Details:

Die Netze

Die EU-Kommission misstraut den Staatsbetrieben und will deren Zerschlagung, um des fairen Wettbewerbs Willen. In spätestens zehn Jahren sollen nach der Brüsseler Vorstellung die Netze – in Deutschland sind das 33.400 Kilometer Schiene, 72 000 Weichen, 27 000 Brücken und 5000 Bahnhöfe – an eine neutrale Stelle übergeben sein, um allen Bahnunternehmen auf dem Kontinent gleichen Zugang zu gewähren. Denn heute müssen Privatbahnen an die Deutsche Bahn zahlen, um im Netz fahren zu können. Grube glaubt aber, eine Trennung werde schon an ei­nem kalten Wintertag ins Chaos führen. Gerade dann seien enge Ab­sprachen zwischen Betriebsleitern der Züge und der Schienenwege unabdingbar. Eine Trennung von Netz und Betrieb sei unverantwortlich. „Alles andere wäre für ein funktionierendes Eisenbahnsystem ein Abenteuer“, sagt Grube an die Adresse der EU-Kommission. Er hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hinter sich. Deutsche und französische Regierung haben die EU-Entscheidung erst einmal auf die lange Bank geschoben.

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Stuttgart 21

Die nächsten Monate sind entscheidend für das umstrittene Projekt. 4,5 Milliarden Euro sollte der seit 15 Jahren geplante Tiefbahnhof kosten. Jetzt stellt sich heraus, dass er um 1,1 Milliarden Euro teurer wird. Mindestens. Weitere 1,2 Milliarden sollen als Sicherheitsreserve eingeplant werden. Grube will, dass das Unternehmen die 1,1 Milliarden Euro selbst bezahlt. Entscheiden muss darüber der Bahn-Aufsichtsrat am 21. Februar. Der hat dem Bahnvorstand einen Katalog mit 135 Fragen geschickt. Sagt er „Nein“ zur Übernahme der Kosten, dürfte der Bau geplatzt sein – ein Debakel kurz vor der Bundestagswahl.

Die Flotte

Grube hat es geschafft, die Pünktlichkeit zu verbessern. 95 Prozent aller Personenzüge waren zuletzt höchstens sechs Minuten verspätet. Aber das ist die Lage im Nah- und Regionalverkehr. Bei den IC und vor allem den ICE sieht es anders aus. Weniger als dreiviertel dieser Verbindungen kamen 2012 rechtzeitig an. Es fehlen dort für die jährlich 128 Millionen Fahrgäste ausreichend Züge. Wegen engerer Wartungsintervalle sind fünf Prozent der ICE-Flotte ständig außer Betrieb. Siemens kann überdies nachbestellte ICE nicht rechtzeitig liefern. Auch blockiert das Eisenbahnbundesamt den Einsatz neuer Nahverkehrszüge, weil es strengere Sicherheitstestate fordert. Derzeit stehen so 133 Triebwagen still.

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Marode Schienen

Nie wurde so viel bei der Bahn gebaut wie es 2013 der Fall sein wird: 900 Baustellen mit Kosten von 4,4 Milliarden Euro. Ein Zehntel des Netzes wird erneuert, 1750 Weichen werden ersetzt. Im Rhein-Ruhr-Raum steht die verspätungsanfällige Strecke Emmerich-Oberhausen-Duisburg auf der Liste. Die Folgen des Sanierungsstaus müssen wettgemacht werden, den Grube-Vorgänger Hartmut Mehdorn durch seinen Sparkurs auslöste. Doch reicht das? Tausende Brücken sollen marode sein. Technik-Chef Volker Kefer schlägt Alarm. „Die Infrastruktur ist nicht nachhaltig finanziert.“ 2,5 Milliarden Euro zahlt der Bund jährlich, eine weitere Milliarde die Deutsche Bahn selbst. Aber der Konzern drängt: Er braucht mehr Geld.

Dietmar Seher


Kommentare
25.01.2013
18:46
Stuttgart 21, zu wenig Züge - das sind die Baustellen des Bahnchefs
von HelmutS | #5

Bei Stuttgart 21 geht es um Immobilienspekulation.
Für einen neuen Stadtteil hat die Bahn die Gleisflächen und auch ihren
technischen Verstand verkauft. Der Irrsinn Stuttgart 21 läßt sich
nur mit der Geldgier des Bahn Konzerns erklären.
Gewinne aus Subventionen auf Kosten der Allgemeinheit
machen, das kann die Bahn AG perfekt.
Der Politik fällt es schwer Fehler einzugestehen.

Unsere Bundeskanzlerin ist hauptsächlich mit Krisen als Folgen von
Fehlentscheidungen beschäftigt. Z.B. die Krise durch die Finanzialisierung oder
die Krise durch die gemeinsame Währung ohne Kopplung der Realökonomie und der Politik.
Wenn Sie Stuttgart 21 jetzt beendet bevor das Chaos richtig ausgebrochen ist, erspart Sie uns eine Krise und weist den Weg zur Verkehrswende ähnlich wie bei der
Energiewende.

24.01.2013
22:13
Stuttgart 21, zu wenig Züge - das sind die Baustellen des Bahnchefs
von Karlot | #4

Durch und durch neoliberal sind diese Burschen in Brüssel.
Aus Großbritannien nichts gelernt?
Nein, hier wird geschmiert, dass sich die Wände biegen.

24.01.2013
16:59
Stuttgart 21, zu wenig Züge - das sind die Baustellen des Bahnchefs
von Optio | #3

Deutschland kann sich eine Modernisierung der Eisenbahn nicht mehr leisten. Zurück zur Natur, zurück zur Pferdekutsche,

24.01.2013
11:08
Stuttgart 21, zu wenig Züge - das sind die Baustellen des Bahnchefs
von OpaKolja | #2

S21-das Milliardengrab,lt. Mehdorn "Neues Herz Europas und bestgeplantes Bahn-Projekt",ist ein volkswirtschaftlicher Wahnsinn,der schon bei den "Vorbereitenden S21-Baumaßnahmen" Chaos und Zerstörung am Stuttgarter Bahnknoten auslöst.Dabei darf die DB infolge entscheidender jedoch fehlender Planfesstellungen eigentlich noch gar nicht wirklich bauen.Trotzdem wurde von Kefer nun schon "Kostenexplosion" festgestellt und wird nachgefordert.Die Vernunft gebietet Baustopp des "Kanibalen S21"-bevor durch die alerten DB-Boni-Manager hirn-und verantwortungslos Unumkehrbarkeit geschaffen wird.Der DB- Aufsichtsrat muss seiner Verantwortung nachkommen,das scheinbare "Zukunftsprojekt-S21" (Grube) beenden.
Die gesparten Milliarden werden für die bundesweit marode DB-Infrastruktur benötigt.

24.01.2013
10:19
Privatisieren? Guckt denn keiner nach Großbritannien?
von vantast | #1

Da könnte man abschreckende Beispiele sehen, wenn man nicht ideologisch verblendet wäre. Public Private Partnership ist die teure Form, arm zu werden.

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