Streit um neue Kraftwerke
25.03.2010 | 18:43 Uhr 2010-03-25T18:43:00+0100
Essen.Mit „Walsum 10“ will der Industriekonzern Evonik noch in diesem Jahr ein neues Steinkohlekraftwerk ans Netz bringen. 820 Millionen Euro kostet der Bau. „Herzlich gern“ würde Evonik-Vorstandschef Klaus Engel auf dem Heimatmarkt weitere Kraftwerke bauen. Doch der Essener Konzern sieht dabei Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung und bemängelt zudem unsichere politische Rahmenbedingungen. Folge: „Nach Walsum planen wir für unser Energiegeschäft nun die nächsten Wachstumsschritte im Ausland“, sagte Engel am Donnerstag bei der Bilanzvorlage.
Neues Projekt in der Türkei
Zunächst geht es um den Bau eines Steinkohlekraftwerks in der Türkei. Für das Projekt „Ayas“ seien erste Genehmigungen erteilt worden. Hierzulande indes hat der Essener Konzern den bereits genehmigten Bau des geplanten Kraftwerkblocks „Herne 5“ auf Eis gelegt.
Zwar muss laut Branchenverband BDEW bis 2020 ein Viertel des deutschen Kraftwerksparks erneuert werden – die Hälfte der Standorte ist älter als 25 Jahre. Doch die Energiekonzerne stoßen zunehmend auf Probleme. So listete RWE bei der Bilanzvorlage Mitte Februar mehr als 20 Projekte in Deutschland auf, die gestoppt oder fraglich sind. Erst vor wenigen Tagen erklärte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Bebauungsplan für das geplante Eon-Kohlekraftwerk in Datteln nach einer Klage von Umweltschützern für nichtig.
„Die Planungssicherheit für den Steinkohlekraftwerksbau ist im Augenblick in Deutschland nicht gegeben“, bemängelte Evonik-Chef Engel. „Deutschland ist die wichtigste Wirtschaftsnation der EU. Aber wir selbst leisten uns den Luxus, einen Kugelhagel der Skepsis und Kritik gegen nahezu jedes neue Infrastruktur- und Industrieprojekt abzufeuern”, sagte Engel. „Wir leisten uns den fragwürdigen Luxus, einerseits Billigjobs im Dienstleistungsbereich anzuprangern, aber andererseits die Ansiedlung von neuen Industriestandorten mit gut bezahlten Arbeitskräften zu bekämpfen. Die Bankenkrise kostet uns Milliarden, Industriefeindlichkeit kostet uns die Zukunft.“ Das „St. Florians-Prinzip“ habe Hochkonjunktur. Der Dialog darüber müsse nun mit hoher Priorität geführt werden.
Unabhängig davon habe Evonik das Krisenjahr 2009 mit Hilfe enormer Sparanstrengungen gut gemeistert. Statt geplanter 300 Millionen seien mehr als 500 Millionen Euro an Kosten eingespart worden. Wie berichtet, setzt der Konzern künftig noch stärker auf die Chemiesparte, die bereits drei Viertel zum Umsatz beiträgt. Die Energietochter Steag ist auf Partnersuche, die Immobiliensparte will Engel fit für den Kapitalmarkt machen. Evonik selbst, entstanden aus den Industrieteilen der früheren RAG, soll an die Börse gebracht werden. „Wir sind aber nicht in Eile“, so Engel. Nach dem Rückgang 2009 soll der Umsatz in diesem Jahr wieder steigen, das operative Ergebnis (EBITDA) soll zumindest auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Bei sehr gutem Geschäftsverlauf 2010 sollen die Eigentümer – die RAG-Stiftung und der Finanzinvestor CVC – eine Dividende in Höhe von insgesamt 400 Millionen Euro erhalten, nach 320 Millionen für 2009.

22:19
ZU @2:..Zitat:...Der Klimawandel ist ein globales Problem.....
Ich denke, Klimawandel macht Pause?
10:25
Also was das Sankt-Florians-Prinzip ist hat der gute Mann wohl nicht verstanden.
Der Klimawandel ist ein globales Problem, das hat mit Sankt-Florian sowas von überhaupt nichts zu tun...
06:26
Das Problem ist doch, dass Evonik bisher kein altes Kraftwerk ersetzt hat, sondern zusätzliche Kapazitäten schafft. So laufen die alten Blöcke in Walsum auch über das Jahr 2010 hinaus und ist ist kein Stilllegungstermin in Sicht.
Die Kohlestromer wollen sich jetzt für die nächsten 50 Jahre auf dem Strommarkt etablieren und den Ausbau regenerativer Energien verhindern.