Streit im Landtag um „billige Arbeitskräfte“ bei Amazon
16.11.2011 | 16:29 Uhr 2011-11-16T16:29:48+0100
Düsseldorf. Die Praxis des Onlinehändlers Amazon, Arbeitslose auf Kosten der Arbeitsagenturen auf Probe zu beschäftigen, sorgt weiter für Streit. Im Landtag warf NRW-Arbeitsminister Schneider (SPD) Amazon vor, sich „billige Arbeitskräfte zu rekrutieren“. Arbeitsagenturen und Opposition sehen das anders.
NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) hat die Angriffe auf den Internethändler Amazon erneuert. Die Praxis, Arbeitslose mit Probejobs auf Kosten der Arbeitsagenturen befristet als unbezahlte Kräfte einzusetzen, sei zwar legal, aber politisch problematisch. Schneider warf Amazon vor, sich „billige Arbeitskräfte zu rekrutieren“. Arbeitsagenturen und Opposition hingegen sehen in unbezahlten Probejobs eine Chance zum Wiedereinstieg für Hartz-IV-Empfänger in den Job.
Amazon hatte an den Standorten Rheinberg und Werne Tausende Arbeitslose für ein unbezahltes Praktikum vor allem im Weihnachtsgeschäft eingestellt. In Werne wurden 2011 von 1794 befristeten Beschäftigten 1629 Stellen subventioniert. Für die zweiwöchige Maßnahme zahlte die Arbeitsagentur je 400 Euro.
90 Prozent der Bewerber übernommen
Nach Angaben Schneiders führt die Förderpraxis nicht zur beruflichen Integration. So hätten von den 2011 im Jobcenter Unna geförderten 777 Personen nur 45 Prozent ein Arbeitsverhältnis bis zum 31. Januar 2012. „Arbeitslose brauchen aber eine langfristige Perspektive“, forderte Schneider.
Die Arbeitsagentur NRW hatte zuvor ausdrücklich davor gewarnt, die Trainingsjobs in den Firmen abzuschaffen . Sie verwies darauf, dass im Logistikzentrum Unna 90 Prozent der Bewerber nach der Testphase übernommen wurden, in Rheinberg noch 78 Prozent. Laut Gesetz ist ein von der Arbeitsagentur bezahltes Praktikum von bis zu vier Wochen möglich. 2011 zahlte die Arbeitsagentur bundesweit für 330 000 Trainingsmaßnahmen.
Unnötigen Wind gemacht?
„Hartz-IV-Abzocke“ oder „Perspektive für Arbeitslose“ – im NRW-Landtag ging die Bewertung der Beschäftigung von Praktikanten auf Kosten der Jobcenter weit auseinander. Der CDU-Abgeordnete Norbert Post warf dem Minister vor, mit der Skandalisierung der legalen Praxis bei Amazon unnötig Wind gemacht zu haben. SPD-Experten Günter Garbrecht sah hingegen keine Rechtfertigung für ein 14-tägiges unbezahltes Probetraining. Aus seiner Sicht müssten zwei bis drei Tage reichen, um die Eignung von Bewerbern zu testen. Ein „Sponsoring“ von Firmen durch die Arbeitsagenturen lehnten Sprecher von SPD, Grünen und Linkspartei entschieden ab.
Die NRW-Arbeitsagentur hat die systematische Förderung zur beruflichen Eingliederung (MAG) an den Amazon-Standorten seit dem 1.Oktober ausgesetzt. Damit soll verhindert werden, dass Aushilfskräfte lediglich als kostenlose Weihnachtsaushilfen missbraucht werden könnten. Amazon hatte den Vorwurf des Missbrauchs öffentlicher Gelder scharf zurückgewiesen.
Weil Arbeitsminister Schneider in einer ersten Reaktion zuvor Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Amazon-Praxis geäußert hatte, hagelte es gestern im Landtag Kritik der Opposition. Schneider habe ein erfolgreiches, legales arbeitsmarktpolitisches Instrument verunglimpft, klagte der CDU-Experte Peter Preuß. Schneider hält aber an der Kritik fest, dass sich einzelne Firmen durch unbezahlte Probebeschäftigungen von Arbeitslosen Wettbewerbsvorteile verschaffen.

16:20
Man kann Amazon, und allen anderen, die es genau so machen, doch nicht ernsthaft vorwerfen, dass sie sich im rechtlichen Rahmen so wirtschaftlich wie möglich verhalten...
Man sollte eher danach fragen, was diejenigen, die solche Gesetze entwerfen, sich dabei dachten, oder wer ihnen diktierte, was sie schreiben sollten...
Es wird immer Gesetzeslücken geben, die, wenn sie nicht als solche beabsichtigt waren, ganz schnell geschlossen werden können; das allerdings muss man dann auch wollen.
16:03
Schluss mit den Sozialschmarotzern und den neuen Asozialen aus der Wirtschaft! Wer Arbeitskräfte braucht, der soll sie selber bezahlen, und sie nicht solange ausbeuten, wie der Steuerzahler blecht, und dann raus werfen. Keine Cent mehr an Täter, die sich an dem Tatbestand des Leistungsmissbrauch schuldig machen.
13:35
Deutschland, die Fron-Dienste A.G.
10:14
ich bin der festen überzeugung das auch einige angestellte der arge was von dem dael gehabt haben.warum werden die kräfte nicht eingesetzt um behinderten oder alten leuten zu helfen.es ist doch ein hohn das ein unternehmen dicke provite aus arbeitslosen schlägt mit billigung der korrupten volksvertreter.egal welche farbe ,alle wusten davon.
05:53
Das ist moderne Sklavenhaltung auf Kosten der Beitragszahler.
05:52
Wie sagte Klaus Wowereit mal im Fernsehen sinngemäß:
Weil ich gezwungen bin, für die Post den billigsten Anbieter zu nehmen, spart die Stadt Berlin 100.000 Euro an Porto, muss aber eine halbe Million Euro an Aufstockung zusätzlich ausgeben.
22:01
Das sind alles Subventionen für die Arbeitgeber, da hat sich ein ganzer Wirtschaftszweig um die AA und die Arbeitslosen gebildet, die fressen die Finanzen der AA zu Lasten der Arbeitnehmer, die bezahlen die Beiträge und der Arbeitslosen auf.
Hier wird auf dem Rücken der Ärmsten eine Menge Geld verdient und die Betroffenen kommen aus diesen Dilema nicht mehr heraus.
20:30
Sorry meinte 777 x 77 Std.
20:27
nur Jobcenter Unna:
777 Personen x 7 Arbeitsstunden = 59829 Gesamtstunden x 6.5 Euro ( um ganz wenig zu rechnen) = 388.888.50 Euro + Sozialabgaben (rd. 20% = 77.777 Euro) =
Gesamtersparnis: 466.665 Euro Lohnkosten in 2 Wochen.
Oder liege ich da falsch?
19:20
Zitat aus dem Artikel:
"In Werne wurden 2011 von 1794 befristeten Beschäftigten 1629 Stellen subventioniert."
Es werden immer mehr Umsonstarbeiter für AMAZON!
Und wir reden hier von NRW.
Die Zahlen der anderen Standorte Leipzig, Bad Hersfeld und Graben sind noch gar nicht veröffentlicht.
Auch die Zahlen vom vergangenen Jahr in Werne sind noch nicht raus.
Hier wird immer noch an der Oberfläche gekratzt, das wahre Ausmaß dieser Subvention kennen wir noch lange nicht.
Zitat aus dem Artikel:
"Die NRW-Arbeitsagentur hat die systematische Förderung zur beruflichen Eingliederung (MAG) an den Amazon-Standorten seit dem 1.Oktober ausgesetzt."
Wenn das Wahr wäre, hätte ich doch gar keinen Grund gehabt mich an Foren und an die Presse zu wenden.
Die ersten Pressevertreter habe ich übrigens, bezüglich dieses Skandals, am 10.10.2011 angeschrieben und dann noch am 25/26.10. 2011 einen erweiterten Brief mit gesammelten "Beweisen".
Alle Infos zu dem Thema im elo-forum, einfach bei google "Amazon Versandmitarbeiter" eingeben. Hier auch mein Brief an die Medien.