Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Tarifstreit

Streiks an Flughäfen in den Sommerferien nicht ausgeschlossen

09.07.2012 | 14:44 Uhr
Streiks an Flughäfen in den Sommerferien nicht ausgeschlossen
Sicherheitskontrollen am Flughafen Weeze. Im Tarifkonflikt der Sicherheitsbranche könnte es womöglich doch noch in den Sommerferien zu Streiks kommen.Foto: Johannes Kruck/WAZ FotoPool

Essen.  Im Tarifstreit der Sicherheitsdienste an Flughäfen könnte es womöglich doch noch in den Ferien zu Streiks kommen. Grund ist die Kündigung eines Angestellten, der für Verdi in der Tarifkommission sitzt. Die Gewerkschaft verlangt die Wiedereinstellung - ansonsten seien weitere Verhandlungen nicht möglich.

Der Tarifstreit zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und den privaten Sicherheitsunternehmen an den deutschen Flughäfen spitzt sich ausgerechnet kurz nach Ferienbeginn zu. Eigentlich ist für den 27. Juli die nächste Verhandlungsrunde geplant, eigentlich wollte die Gewerkschaft bis dahin auf Streiks verzichten. Doch die Kündigung eines Sicherheitsmitarbeiters am Flughafen Leipzig könnte den Verhandlungstermin nun platzen lassen.

Der Hintergrund ist nicht ganz einfach: Der Mann in Leipzig sitze für Verdi in der Tarifkommission und ihm sei einen Tag nach dem Warnstreik im Juni gekündigt worden, berichtet Özay Tarim, zuständiger Verdi-Fachsekretär für die Flughäfen in NRW. Der Gekündigte habe bereits seit 2007 als Sicherheitsbediensteter am Flughafen Leipzig gearbeitet. Möglich sei die Kündigung nur gewesen, weil Kötter zum Jahresanfang die Aufgaben dort von der Vorgängerfirma Securitas übernommen habe. Alle 125 Beschäftigten, so Tarim, hätten da neue Verträge bekommen - mit neuer Probezeit. "Allein das ist schon ein Unding!", findet der Verdi-Sekretär. Denn eigentlich habe es sich bei der Übernahme der Angestellten um einen "klassischen Betriebsübergang" gehandelt.

Verdi sieht in Kündigung einen "Angriff"

Soweit das grundlegende Problem. Dass sich Kötter aber ausgerechnet "diesen einen Mitarbeiter herausgepickt" und herausgeworfen habe, der die neuen Tarifverträge mit aushandeln soll und sich am Warnstreik beteiligt habe, wertet die Gewerkschaft "als Angriff", betont Özay Tarim. Er spricht von einer "Einschüchterungswelle" und sieht in der Kündigung eine "ganz schwere Belastung der Tarifverhandlungen".

Was aber heißt das für all die Familien, die in den kommenden Tagen und Wochen in ihren Sommerurlaub starten wollen? "Eigentlich", sagt Verdi-Mann Tarim, "wollen wir in den Sommerferien nicht streiken". Die Gewerkschaft wolle den Tarifkonflikt nicht auf "dem Rücken der Arbeitnehmer austragen, die das ganze Jahr auf ihren Urlaub hingearbeitet haben". Aber: Bevor der Kollege nicht wieder eingestellt ist, könne Verdi nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Gewerkschaft behält sich Streiks vor

Die Gewerkschaft setzt deshalb auf ein Einlenken von Kötter - dann könne man ruhig und sachlich weiterverhandeln. Sollte der Leipziger Mitarbeiter indes nicht wieder eingestellt werden, betont Verdi-Sekretär Tarim, "behalten wir uns Streiks vor".

Arbeitnehmer und Arbeitgeber verhandeln zurzeit über einen neuen Manteltarifvertrag für die Beschäftigten bei den Sicherheitsdiensten an Flughäfen. Am 15. Juni war die zweite Verhandlungsrunde ergebnislos abgebrochen worden, Verdi rief deshalb für den 19. Juni zu Warnstreiks auf. Die Gewerkschaft fordert unter anderem einheitliche Arbeitsbedingungen an allen Flughäfen in Deutschland, mehr unbefristete Arbeitsverträge und weniger Teilzeitarbeit. Allein am Flughafen Düsseldorf arbeiten laut Verdi-Angaben 600 Menschen in der Fluggastkontrolle, davon 450 in Teilzeit.

Sarah Hubrich


Kommentare
10.07.2012
16:10
Streiks an Flughäfen in den Sommerferien nicht ausgeschlossen
von rottleberode | #1

das bei einer Übernahme neue Verträge mit kurzer Laufzeit abgeschlossen werden, scheint bei der Firma üblich zu sein. Kenne ich aus eigener Erfahrung, allerdings nicht auf dem Flughafen.

Aus dem Ressort
Massen-Entlassungen bei Hänsel-Textil in Iserlohn
Hänsel-Textil
Nach mehr als 105 Jahren vor Ort steht das Iserlohner Unternehmen Hänsel-Textil vor der Umstrukturierung. Die Stoff-Produktion in Iserlohn soll veräußert werden - 50 Mitarbeiter müssen deshalb gehen. Eine Transfergesellschaft soll ihnen helfen.
Druck auf Putin - EU verhängt Sanktionen gegen Russland
Ukraine-Konflikt
Der Druck auf Wladimir Putin wächst: Mit einem für EU-Verhältnisse ungewöhnlich schnellen Schulterschluss haben sich alle 28 EU-Regierungen auf Wirtschaftssanktionen gegen Russland geeinigt. Der Zugang Russlands zu den EU-Finanzmärkten soll erschwert werden.
Bahn zahlte Kunden nach "Ela" sechsstellige Summe aus
Unwetter
Das Unwetter von Pfingstmontag war höhere Gewalt, trotzdem müssen Bahnunternehmen ihren liegengebliebenen Fahrgästen einen Teil des Ticketpreises erstatten. Die Bahn in NRW hat bislang eine sechsstellige Summe an ihre Kunden ausgezahlt - und noch immer kann man Anträge stellen.
Aquatherm plant die Zukunft der Rohrfertigung
Wirtschaft
Der Attendorner Weltmarktführer für Rohrleitungssysteme aus Kunststoff plant ein 15-Millionen-Invest. Im Industriegebiet Biggen soll auf 15000 Quadratmetern eine neue, hochmoderne Produktionsstätte entstehen.
Elf Schweinemasten wegen Antibiotika im Tierfutter gesperrt
Landwirtschaft
Weil Kontrolleure ein verbotenes Antibiotikum im Tierfutter entdeckt haben, sind elf Schweinemastbetriebe in NRW vorerst gesperrt, drei davon im Kreis Kleve. Das betroffene Futter stammt aus den Niederlanden. Die Behörden prüfen nun, ob verunreinigtes Fleisch bereits in den Handel gelangt ist.
Umfrage
S-Bahnen in NRW sollen bald wieder mit Außenwerbung auf den Zügen herumfahren. Was halten Sie davon?