Steuerschätzer erwarten 30 Milliarden mehr
19.10.2010 | 07:22 Uhr 2010-10-19T07:22:00+0200
Frankfurt/M. Die Steuerschätzer erwarten dank der Konjunkturerholung ein Plus von mindestens 30 Milliarden Euro in den öffentlichen Kassen. Der Städtebund schätzt die derzeitige Finanzlage der Kommunen als katastrophal ein.
Bund, Länder und Gemeinden stehen nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" vor einer der stärksten Einnahmeverbesserungen in der Geschichte. Wie die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe unter Berufung auf Steuerschätzerkreise schreibt, erwarten die Experten dank der Konjunkturerholung eine Aufstockung ihrer Prognose allein für das laufende und das kommende Jahr um mindestens 30 Milliarden Euro. Nicht eingerechnet seien dabei die Steuererhöhungen durch das schwarz-gelbe Sparpaket.
Von einem "drastischen Mehraufkommen" spricht der Finanzexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Alfred Boss. "Gerade die Gewinnsteuern wie Gewerbe- und Körperschaftsteuer laufen extrem gut", sagte Boss. Der ungewöhnlich große Korrekturbedarf erklärt sich durch die bisherige Konjunkturprognose der Bundesregierung, die sich als viel zu pessimistisch erwiesen hat. Bislang geht sie von einem Wachstum um 1,4 Prozent in diesem und 1,6 Prozent im nächsten Jahr aus.
Doch nicht allein die höheren Wachstumsraten stärken die finanzielle Basis des Staates. Die bessere Konjunktur sei der wichtigste Antreiber, sagt Steuerschätzer Heinz Gebhardt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. "Das Steueraufkommen wird aber auch dadurch gesteigert, dass wichtige makroökonomische Bezugsgrößen wie die Bruttolöhne oder der private Konsum merklich kräftiger expandieren dürften als bislang angenommen."
Städtebund nennt Finanzlage der Kommunen "katastrophal"
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, bewertet die Finanzlage der Kommunen als "katastrophal". Den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" sagte er: "Wir haben das höchste Defizit seit Bestehen der Bundesrepublik, rund 15 Milliarden Euro." Viele Städte würden daher die Gebühren erhöhen. "Wer so schlecht dasteht wie viele Kommunen, wird erfinderisch und führt Bagatellsteuern ein."
Als Beispiele nannte Landsberg die Kölner Bettensteuer und die Bräunungssteuer für Solariumbesucher in Essen. Die grundsätzliche Misere ändern könnten die Zusatzabgaben aber nicht: "Das sind zwar rührende Versuche. Aber all diese Bagatellsteuern inklusive der Hundesteuer machen nicht einmal ein Prozent unserer Einnahmen aus", sagte er dem Blatt.
Landsberg forderte eine Entlastung der Kommunen im Sozialbereich, etwa bei Unterbringungskosten für Hartz-IV-Empfänger oder der Eingliederungshilfe für Behinderte: "Wenn wir nur bei einem Teil dieser Aufgaben entlastet würden, sähe die kommunale Welt bereits ganz anders aus", sagte er. (dapd)

09:17
Anstatt das Geld zu investieren (in was? Bildung? Arbeitsplätze? Oder...), könnte wenigstens ein Teil der Mehreinnahmen zur Schuldentilgung verwendet werden.
14:43
Auf jeden Fall werden unsere Politiker wieder mal kein schlechtes Gewissen haben,wenn sie ihre Diäten erhöhen. Schließlich haben sie es ja erwirtschaftet!!!!! hahahaha
10:20
Außerdem sind 30 Milliarden vielleicht gerade mal genug, um noch irgendwelchen Bänkern und Managern etwas in den feisten Rachen zu werfen!!!
10:16
Wen interessieren nachfolgende Generationen?
Die können selbst sehen, wie sie aus dem Dreck kommen! Wir leben JETZT!
09:42
@ruhry
Wundert Sie das? Die Politiker wollen an der Macht bleiben. Und wie schaffen Sie das? Den randalierenden Mob mit Geschenken besänftigen.
Sieht man doch seit Monaten, wie die FDP für alles den schwarzen Peter zugeschoben bekommt und übelst niedergemacht wird. Ist doch klar, dass die demnächst versuchen werden, mit den Milliarden um sich zu werfen, um so ihre Wählerstimmen zurückzubekommen.
Der doofe deutsche Michel freut sich darüber, statt einzusehen, im Interesse des Schuldenabbaus (und somit im Interesse der nachfolgenden Generationen) zu verzichten.
09:34
Wenn es denn wirklich so kommt, (ist ja noch eine Schätzung) würde jeder vernünftige Mensch das Geld zum Abbau der Schulden verwenden.
aber ich befürchte das jetzt schon wieder einige Politikeraugen leuchten bei dem Gadanken daran wo man das Geld versenken kann.
09:26
Komisch, letztes Jahr war noch Katastrophe und der Steinbrück hatte davor den Weltuntergang prohezeit.. Alles Dilettanten.
08:22
Naja - wenn man jedes Jahr neue Schulden macht, braucht man sich auch nicht wundern, wenn man jedes Jahr Schulden hat, die noch nie so hoch waren wie dieses Jahr. Ist eigentlich für jeden verständlich, der die Grundrechenarten beherrscht...
Aber 30 Milliarden mehr, dann können die Kommunen ja schon einmal für neue Prestigeobjekte planen - es ist ja dann wieder Geld in den Kassen...
08:13
@1
Keine Bange, die linken Nörgler kommen noch. Um diese Uhrzeit liegen die noch in ihren Betten. ;-)
07:39
Wieder gute Nachrichten. Wo ist die Opposition mit ihrem ständigen Genörgel?
Wahrscheinlich ärgern Gabriel und Co. sich über die positive Entwicklung. Kann man daraus doch leider keine Schuldanklage gegen Merkel und Co. formulieren.
Doch ich bin mir sicher, dass die SPD mit den Linken durch ihre Blockadepolitik den ätzenden Aufschwung auch schnell wieder stoppen kann.