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Gesundheitspolitik

Steht die Patientenkarte vor dem Aus?

27.05.2009 | 06:48 Uhr
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?

Bochum. Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ist nach Ansicht der am Projekt beteiligten Ärzte in der Modellregion Bochum-Essen gescheitert. Die Karte soll Ärzte, Krankenkassen und Apotheken stärker miteinander vernetzen und Kosten senken. Doch im Alltag gibt es massive Probleme.

Die Einführung der Elektronischen Gesundheitskarte ist nach Ansicht der am Projekt beteiligten Ärzte in der Modellregion Bochum-Essen gescheitert. Software-Pannen, ein geringer Nutzwert für Patienten und Ärzte und massive Schwierigkeiten im alltäglichen Betrieb seien nur einige Probleme, mit denen die Mediziner in der Testregion zu kämpfen hätten. Darüber hinaus gibt es starke sicherheitstechnische Bedenken. Die FDP fordert deshalb, das Projekt grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen.

Eine Musterkarte der elektronischen Gesundheitskarte steckt in einem Lesegerät im Testlabor von Gematik, der Betriebsorganisation der Spitzenorganisationen des deutschen Gesundheitswesens. (Foto: ddp)

„Nach den vorliegenden Erkenntnissen erschließt sich für keinen der Testärzte der Mehrwert der elektronischen Gesundheitskarte”, sagt Hans-Peter Peters, Bochumer Urologe und ärztlicher Projektleiter in der Testregion Bochum-Essen. Seit über zwei Jahren wird die Gesundheitskarte in 24 Praxen der beiden Städte getestet. Die Karte soll Ärzte, Krankenkassen und Apotheken stärker miteinander vernetzen und durch einen schnellen elektronischen Datenaustausch die Kosten im Gesundheitswesen senken.

Sorgenkind elektronisches Rezept

Die beteiligten Ärzte hatten sich damals freiwillig gemeldet, um an dem Projekt teilzunehmen. „Weil wir vom Sinn der Gesundheitskarte überzeugt waren”, sagt Hans-Peter Peters. Doch jetzt zeige sich, dass es im Alltagsbetrieb massive Probleme gebe.

Sorgenkind ist vor allem das elektronische Rezept. „In unserer Testregion ist das elektronische Rezept gestorben”, sagt Peters. Schuld daran sei vor allem die mangelnde Geschwindigkeit bei der Datenverarbeitung. Bei einem einwandfrei funktionierenden System dauere das Ausstellen eines Rezepts 30 Sekunden, bei vielen Kollegen dauere es mehr als zwei Minuten, sagt Peters. Benötige ein Patient mehr als ein Medikament, verdoppele oder verdreifache sich die Zeit der Rezeptausstellung. Das sei im Alltag völlig inakzeptabel. „Nicht auszudenken, was passiert, wenn die Gesundheitskarte bundesweit eingeführt wird und an einem Montagmorgen 3,5 Millionen Menschen in die Praxen strömen”, so Peters.

Probleme mit Datenschutz

Auch aus datenschutzrechtlicher Sicht ist die Gesundheitskarte heftig umstritten. Bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages konnten die Vertreter der bei der Planung federführenden Firma Gematik nach Angaben von Teilnehmern nicht glaubhaft machen, dass das System keine Sicherheitslücken aufweist. „Auf Nachfragen reagierte die Gematik ausweichend”, sagt Daniel Bahr, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, der WAZ. Auch aus diesem Grund fordern die Liberalen die Prüfung von Alternativen mit einer dezentralen Speicherung von Daten.

Im NRW-Gesundheitsministerium gibt man sich derweil zurückhaltend. „Wir moderieren die Einführung der Gesundheitskarte nur”, sagte gestern eine Sprecherin.

Sven Frohwein



Kommentare
29.05.2009
09:42
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von Magermix | #39

@ von svsherry:

Es gibt keinerlei gesetzliche Verpflichtung für die Patienten, ein Foto einzureichen! Sie können durch nichts dazu gezwungen werden. Die Kasse macht Druck, auch mit unlauteren Mitteln, weil sie Fakten schaffen will. Nach dem Motto: Soundsoviele unserer Mitglieder haben bereits eine eGK erhalten (was ausschließlich MIT Foto geht, ohne Foto kann die eGK nicht ausgestellt werden), also müssen wir jetzt auch den nächsten Schritt tun.

Also: Von Patientenseite: Kein Foto einschicken = keine eGK,
Von Ärzteseite: Keine Lesegeräte und Software anschaffen = keine eGK!

So wird dieser Superdatengau ausgehebelt.

28.05.2009
20:19
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von svsherry | #38

Ich werde von der Knappschaft Herne schriftlich unter Druck gesetzt, die Fotos zur Gesundheitskarte zur Verfügung zu stellen. Ich lehne das aus Datenschutzgründen ab. In dem Schreiben beruft sich die Knappschaft auf den Gesetzgeber. Hier läuft doch etwas schief, oder?

28.05.2009
16:23
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von Magermix | #37

Wenn in USA kürzlich 1,1Mio Datensätze von Hackern vom Zentralserver des Gesundheitswesens geklaut, auf dem Server gelöscht und gegen Lösegelt von 3Mio US$ zum Rückkauf angeboten wurden, kann man mit Fug und Recht behaupten, auf zentralen Servern gespeicherte Daten seien sicher vor fremden Zugriffen. Das glauben nur hoffnungslos Technikgläubige! Wenn auch der Zentralrechner des Pentagon, des US-Verteidigungsministeriums, bereits mehrfach von Hackern gekackt wurde, ist das ein weiterer Beweis für die Datensicherheit!

Hier zu Lande wird immer die Lösung gewollt, die die größtmögliche Kontrolle ermöglicht. Wieso hat sonst jeder Mautbrücke, auch die auf dreispurigen Autobahnen, auf der linken Spur eine Kamera?
An den Mautbrücken wird jedes Fahrzeug zu jeder Tageszeit fotografiert und ein Datensatz angelegt. So kann ganz einfach ein lückenloses Bewegungsprofil erstellt werden. Glaube doch bitte keiner, der Staatsschutz wisse nicht wann welches Fahrzeug an welchem Grenzübergang ein- oder ausgereist und wohin es gefahren ist. Nur deshalb hat man hier dieses viel teurere System installiert. Ginge es nur um die LKW-Maut, wäre es viel billiger gegangen.

Die eGK ist der nächste Datentransfermotor. Sollte sie eingeführt werden, wundere sich bitte später keiner, weshalb er keinen Unfall- Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherer findet oder eine Stelle nicht bekommt. Man hat die Daten ausgelesen und sich informiert.

Wer da sagt, er habe nichts zu verbergen, man könne alles von ihm wissen, hat die wesentlichen Teile unseres demokratischen Selbstverständnisses und unserer Verfassung nicht verstanden! Wir hatten sowas schon mal vor 60 Jahren, da hat es uns das Genick gebrochen. Und immer noch gibt es Leute die nichts dazu gelernt haben, oder wollen sie es nicht?

Die Ärzte sind die Schlüsselstelle für die eGK. Machen sie nicht mit, wird es damit nix! Und die Ärzte machen da nicht mit! Das ist gut so. In Nordrhein haben von den 20000 Ärzten bisher gerade einmal 130 die Lesegeräte für die eGK angeschafft. Und das, obwohl die Technik derzeit noch befristet umsonst zur Verfügung gestellt wird.

Der Gematik kann man nur raten, sich beizeiten auf das Insolvenzverfahren vorzubereiten, das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche!

28.05.2009
12:41
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von Burgfried | #36

Patienten wollen Sie nicht, Ärzte brauchen Sie nicht.
Warum nur sind die SPD und die kassen nur so scharf darauf die Karte durchzudrücken? Gibts da vielleicht Beraterverträge. Ist der Schmidt zuzutrauen. Der ganze ****** soll mehrere Milliarden kosten

28.05.2009
06:27
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von dasKollektiv | #35

@32
ähhhm,
maxidoc ist ja noch unsicherer..

27.05.2009
22:34
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von Tenbrock | #34

der einzige Grund: die Ärzte wollen nicht kontrolliert werden - und es wurde ja nur das Geld der Beitragszahler aus dem Fenster geschmissen - einfach unglaublich dieser Skandal.

Sehr geehrter Herr Lauterbach , Sie haben überhapt keine Ahnung!

1. Schon heute werden die Ärzte trotz Budgets bzw heute RLVs ( man kann ja mal danach googeln was das bedeutet ) ohne Ende kontrolliert. Die Abrechung des Arztes ist ein stapel von Papier mit unzähligen Statistiken. Betrug im Vergleich zu anderen Bereichenunseres Lebens kaum möglich.

2. Die Entwicklungskosten werden sehr wohl vond er Ärzteschaft schon seit Jahren getragen. Die Softwarewartungskosten der Praxis EDV liegen heute pro Monat auf dem Niveau einer unbegrenzten Windows Vista Lizenz = jeden Monat neue Software, 50% dieser Wartungskosten gehen einzig und allein für die ecard Entwicklungen drauf und das schon seit mehr als 3 Jahren, und zwar bezahlt von jedem niedergelassenen Arzt . Ohjne zertifizierte EDV inder Praxis null Euro bei den Kven

Das Lichbild auf der Karte bringt gar nichts da die Bilder überhaupt nicht kontrolliert werden, bei der Knappschaft konnte ma oder kann man immer noch die Bilder hochladen, man benötigt nur den Namenund das Geburtsdatum und die Versichertennummer, wahrlich schwer an diese Daten zu kommen, daher wird es ncihts mit der zusätzlichen Sicherheit

4. Der Speicherchip der Ecard hat nur Platz für wenige kb nicht mb nicht gb, sie wird eigentlich nur als Schlüssel zum Zentralserver benötigt.

Wir Ärzte wehren uns gegen die Karte weil die Gesundheitsdaten extrem gefährlich sind, kommen sie in falsche Hände ( www.diekrankheitskarte.de ) so ist das Leben des Betroffenen für ewig dahin, Berufsunfähigkeitsversichuerngen etc wird es für diesen Menschen nciht mehr geben, sollte er krank sein.
Darüber hinaus nützt die zentrale Speicherung nur den Kassen Politikern und Großkonzernen die das Datenhandling machen,

Es geht auch anders -
mit dezentralen Akten auf usb Sticks

Hier hat der Patient die Daten in seiner Hand
Er ist verantwortlich für seine eigenen daten
Er entscheidet wer sie zu lesen bekommt
Er wird in den Behandlungsprozess eingebunden da ihm alle Unterlagen zur verfügung stehen

Selbstverständlich beruht es auf absoluter Freiwilligkeit, denn jeder entscheidet für sich ob er seine Daten gespeichert haben will oder nicht.

Diese Alternativen werden leider von den Medien systematisch todgeschwiegen.

Alternativen sind überhaupt nicht erwünscht. da die Steuerung der Gesundheitspolitik damit nicht möglich ist.

Eine davon wurde hier in Deutschland in einer hausärztlichen Praxis entwickelt, von einem deutschen Steuerzahler!
www.maxidoc.de

27.05.2009
16:18
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von Ralf06 | #33

@22 glaubenix

... Aber die Terroristen vom 11.9. wurden durch diese Maßnahmen schnell erkennbar gemacht.

Schon enorm, nicht wahr? Besonders wenn man bedenkt, daß die von Ihnen angeführten Maßnahmen erst nach 9/11 eingeführt wurden. Wirklich ein ganz großes Argument.

*Kopf -> Schreibtisch*

27.05.2009
12:45
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von werwilldaswissen | #32

Ich will die Karte nicht, weil es in Deutschland keinen greifenden Datenschutz mehr gibt. Schäuble lässt grüßen. Und der Datenschutzbeauftragte ist nur eine Alibiveranstaltung. Weg mit dem Mist!

27.05.2009
11:35
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von immerNett | #31

Wenn die Ärzte die Karte ablehnen, werden sie weniger verdienen. Das dürfte der einzige Grund dafür sein. Denn das Wohl der Kunden/Patienten steht sicher nicht im Vordergrund.

27.05.2009
11:29
Steht die Patientenkarte vor dem Aus?
von Silke_L2 | #30

Ich finde es schon sehr befremdlich, dass hier öffentlich für einen Kontrollstaat geworben wird. Was genau soll noch alles kontrolliert werden? Und vorallem warum muss kontrolliert werden? Es liegt nicht daran, dass die Leute alle glücklich und zufrienden sind und nur aus Spaß an der Freude lügen und betrügen. Viele von denen, die mit einer KV Karte 10 Personen von unterschiedlichen Ärzten behandeln lassen, machen das, weil sie sich keinen Arzt leisten können! Eine solche Aussage in einem Land wie Deutschland tätigen zu müssen, dass von seinen Eliten als Insel der Glücksseligen und mit Abstand bestversorgender Sozialstaat genannt wird, zeigt, wie misanthrop unsere Gesellschaft wirklich geworden ist. Mit Gesellschaft ist im Engeren der Kreis der Erlauchten gemeint, die sich mit den Problemen befassen, sie nicht lösen können und selbst mit diesen Problemen niemals in Berührung kommen werden.
Eine Ausweisvorzeigepflicht ist generell nicht zu verneinen, wird sie doch bei jedem Einkauf in einem vertauenswürdigen Geschäft, in dem mit Plastikgeld bezahlt wird, im Rahmen des Standardauthentifizierungsprozesses vorgenommen. Dazu brauche ich keine neue Plastikkarte, auf der in manchen Fällen sehr persönliche Informatinen abgelegt sind, die schlicht niemanden etwas angehen, außer den Arzt, der den jeweiligen Patienten behandelt. Das sich in unserer Gesellschaft mittlerweile eine Kontrollsucht und ein Überwachungzwang unter denen verbreitet hat, die es nicht nötig haben, zeigen die immer wieder in den Medien berichteten Datenskandale, die sich bis in die höchsten Ebenen unserer Eliten hinauf ziehen. An dieser Stelle muss man sich wirklich fragen, wer kontrolliert eigentlich wen und warum? Diese Frage einmal beantwortet, wäre eine wirklich Errungenschaft für unsere moderne Gesellschaft!

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