Steht die Gesundheitskarte vor dem Aus?
08.05.2009 | 23:59 Uhr 2009-05-08T23:59:00+0200
Berlin. Die flächendeckende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte bleibt vorerst Zukunftsmusik. Die Vorbereitungen zur Einführung im Bezirk Nordrhein, der offiziellen Startregion, sind gestoppt worden. Ärztevertreter verlangen nun weitere Tests mit dem System.
Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Die Ausgabe des neuen Kärtchens mit Bild und zusätzlichen Funktionen wird nach Angaben der zuständigen Gesellschaft Gematik wahrscheinlich nicht im nächsten Jahr, sondern erst 2011 abgeschlossen sein. Geht es nach der Ärzteschaft, sind sogar noch weitere Verzögerungen absehbar.
Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe verlangte am Donnerstagabend in Berlin weitere großangelegte Tests, die das Projekt um mindestens ein weiteres Jahr verzögern könnten. Das sei für die Ärzte «Bedingung». In der offiziellen Startregion Nordrhein hätten die Praxen ihre Vorbereitungen jedenfalls einstweilen gestoppt. Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein betonte, die Ausgabe der Karte werde nicht diesen Sommer, sondern frühestens Ende 2009 beginnen.
Schwierigkeiten in der Startregion
Nordrhein war als die Region ausgewählt worden, wo die Ausgabe der Karte dieses Jahr beginnen sollte. Danach sollten sie bis 2010 schrittweise alle 80 Millionen Krankenversicherten in Deutschland bekommen. Als Vorbereitung müssen aber zunächst die Arztpraxen neue Lesegeräte für die Karte anschaffen. Dies sei bislang nur vereinzelt geschehen, sagte Hoppe. Nachdem die Ärztekammer Nordrhein eine «Denkpause» empfohlen habe, hätten die Ärzte die Anschaffung der Geräte gestoppt.
Derzeit sei damit zu rechnen, dass die Karte in Nordrhein erst Ende dieses Jahres eingeführt werde, sagte Gematik-Sprecher Daniel Poeschkens am Freitag der AP. Weitere Produktion und Verteilung der neuen Karte würden dann wahrscheinlich erst 2011 abgeschlossen sein. Dabei seien die technischen Hindernisse für die Einführung inzwischen überwunden, versicherte er: «Es gibt aus technischer Sicht nichts, was dem Roll-Out entgegenstünde.» Alles sei «in trockenen Tüchern».
Erst Test, dann Einführung
Das sieht Ärztepräsident Hoppe, der auch der Ärztekammer in Nordrhein vorsteht, völlig anders. Die Ärzteschaft hat nach wie vor Bedenken wegen der Datensicherheit, die die Gematik allerdings für nicht nachvollziehbar hält. Hoppe sagte, zunächst solle es einen großangelegten Test mit mindestens 100.000 Teilnehmern in der Region Bochum geben. Dieser werde mindestens ein Jahr dauern. Danach müssten die Ergebnisse verarbeitet werden.
Einen solchen Test bereits als ersten Schritt der Einführung zu organisieren, wie es das Bundesgesundheitsministerium will, lehnt die Ärzteschaft Hoppe zufolge ab. «Das bekämpfen wir», sagte er. Poeschkens räumte ein, wie schnell die Einführung laufe, hänge von der Umsetzung vor Ort ab. Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser müssten sich jeweils auf Finanzierungsvereinbarungen mit den Krankenkassen einigen.
Karte soll Vorteile bringen
Die Einführung der einst als wichtigstes deutsches IT-Projekt bezeichneten elektronischen Gesundheitskarte zieht sich bereits seit 2004 hin. Damals war sie gesetzlich festgeschrieben worden. Bereits 2006 sollte sie jeder in Deutschland in Händen halten. Versprochen wurden wichtige Zusatzfunktionen gegenüber der heutigen Krankenversicherungskarte.
Dazu gehört nicht nur ein Bild auf der Karte als Identifizierung und das elektronische Rezept, das Papierrezepte ersetzen soll. Die Speicherung von Notfalldaten und Arzneien soll gefährliche Wechselwirkungen offen legen. In der letzten Ausbaustufe soll die Karte Schlüssel zu einer «elektronischen Patientenakten» sein, die überflüssige Doppeluntersuchungen vermeiden und die Krankengeschichte eines Patienten für alle behandelnden Ärzte transparent machen soll.
Zu Beginn soll die Karte aber nur Grundfunktionen haben, die kaum über die bisherige Versichertenkarte hinausgehen, wie Poeschkens bestätigte. Erst später sollen die Funktionen Schritt für Schritt ausgebaut werden, ohne dass die Karte ausgetauscht werden muss. (ap)

21:44
Wozu eigentlich das Foto? Jeder hat sein Biometrisches auf seinem Perso, der jederzeit mitzuführen ist.
Aber auch so läuft Manchem schon das Wasser im Munde zusammen - selbstgeschriebene elektronische Rezepte eröffnen neue Wege in die Wunderwelt der Arzneien - wie geknackte Decoder den Weg in die Wunderwelt des Pay-TV.
Besser noch wäre eine Karte für alles - nach Bedarf können Rechte und Daten aufgespielt oder gelöscht oder zeitweise gesperrt werden.
Ist der Betroffene mit der Beschneidung eines Rechts nicht einverstanden oder möchte er gern mal einen Helikopter fliegen, spielt er einfach einen Patch aus dem Internet auf.
Ach ja, eine Bezahlfunktion ähnlich der Geldkarte sollte diese Karte auch besitzen.
21:16
Nach der BT-Wahl 2009 geht es mit diesem Thema weiter !!!
16:36
Wenn nur die Karte auf dem Spiel steht, geht es der Volksgesundheit bestimmt prächtig. .`-}
05:16
Die Firmen müssen dann auch Lesegeräte bekommen, damit man auf dem Arbeitsmarkt besser selektieren kann.
Fehlt eigentlich nur noch eine Entsorgungsanstalt, für Rentner, Behinderte und Kranke.
00:33
Nichts gegen kurze Angaben evtl. lebensrettender Daten. Aber:
In der letzten Ausbaustufe soll die Karte Schlüssel zu einer «elektronischen Patientenakte» sein, die überflüssige Doppeluntersuchungen vermeiden und die Krankengeschichte eines Patienten für alle behandelnden Ärzte transparent machen soll.
Gilt dann die zweite Meinung eventuell schon als überflüssige Doppeluntersuchung?
Und immer wieder aus dem Praxisalltag etlicher eiliger Experten: viele Symptome vorhanden, Ursache dennoch leider nicht gefunden, nichts Genaues weiß man nicht, Verlegenheitsdiagnose z.B. Fibromyalgie gestellt?
Jahre später entdeckt dann einer, dass es die Borreliose war, das kann dann zukünftig jede Arzthelferin nachlesen? Und wer bezahlt dann den Schaden, die ganze neben der Sache liegende Leistungsbreite, immer noch der Kunde?
20:32
Da die Rezepte ja über die Gesundheitskarte geregelt werden, wird es dann nur Präperate geben,
die Herr Hoppe mit seinem Gesundheitsrat zulässt. Wenn das alles im Zusammehang sieht, frage ich mich, wie obige Forenteilnehmer nur die Vorteile sehen. Schöne neue Welt. Außerdem, hat irgendjemand die Patienten gefragt, wie sie zu dieser Karte stehen.
20:27
Und wenn es nach ihm geht, braucht ohnehin niemand eine Gesundheitskarte:
Gesetzliche Krankenversicherung
Nur das Nötigste soll noch bezahlt werden
Seine provokanten Thesen sind bekannt, diesmal aber geht Ärztepräsident Hoppe an die Grenze: Er fordert für Kassenpatienten eine Rangliste für Gesundheitsleistungen – und offene Rationierungen.
http://www.focus.de/finanzen/versicherungen/krankenversicherung/gesetzliche-krankenversicherung-nur-das-noetigste-soll-noch-bezahlt-werden_aid_397162.html
20:01
Und zum Thema Überwachung unsere Kanzlerin des Ungefähren und des hoffnungsvollen Abwartens:
Merkel warnte vor einer Verklärung des SED-Staates. Zwar habe es auch in der DDR einen normalen Alltag gegeben. Es seien Kinder mit viel Liebe groß gezogen worden, es habe schöne Weihnachtsfeste und sehenswerte Theaterstücke gegeben. Dies ändere aber nichts daran, dass das System auf Unrecht gegründet worden sei. «Überwachung und Bespitzelung waren ständig anwesende Begleiter des täglichen Lebens», sagte die Kanzlerin. Hinter dem Mauer-Schießbefehl habe «nichts anderes als pure Menschenverachtung» gestanden.
http://www.netzeitung.de/politik/deutschland/1350222.html
19:45
Weg mit dem teuren Unsinn. Und wo bleibt der Datenschutz? Und der Inhalt der Karte müsste vom Bürger lesbar sein. Wieder werden Milliarden verprasst, ohne dass diese der Gesundheit wirklich dienen. Armes Deutschland und deine niveaulosen Politiker.
19:38
@14 In einem richtigen Notfall nützt einem die Karte nichts. Wer ist da in der Lage, die PIN-Nr. einzugben.
In Praxisversuchen hat das schon nicht funktioniert.
Das die Ärztelobby meine Meinung bezüglich der Gesundheitskarte beeinflusst ist nicht so. Um Abrechnungsfehler festzustellen, gibt es bestimmt andere Möglichkeiten. Meine Krankenakten kann ich auch so kopieren und Zuhause aufbewahren. Außerdem ist es nicht hilfreich, wenn man eine 2. Meinung einholen möchte, wenn der Arzt auf alle Daten zugreifen kann. Falsche Diagnosen werden so nur weitergeführt. Es stimmt auch nicht, dass nur Ärzte gegen die Gesundheitskarte. Schauen Sie mal ins Internet. Da gibt so einige Initiativen, die noch viel mehr Argumente aufführen.