Steag-Konzern macht Revierstädte glücklich

Die umstrittene Übernahme der Steag durch sechs Revierstädte scheint sich auszuzahlen.
Die umstrittene Übernahme der Steag durch sechs Revierstädte scheint sich auszuzahlen.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Der Essener Steag-Konzern schüttet 86 Millionen Euro an seine Gesellschafter aus. Über das Geld können sich Stadtwerke aus sechs Kommunen freuen.

Essen.. Die Folgen der Energiewende setzen die Städte an Rhein und Ruhr unter Druck. Seitdem grüner Strom Vorrang hat, ringen die traditionell im konventionellen Energiegeschäft engagierten Kommunen um ihre Pfründe. Kraftwerkserträge brechen ein und die dicken Aktienpakete, die Städte wie Dortmund, Bochum und Essen am Energie-Riesen RWE halten, sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ausgerechnet die politisch hochumstrittene Übernahme des Kohleverstromers Steag durch sechs Revierstädte scheint jedoch noch die große Ausnahme zu bilden.

Bilanz Allen Unkenrufen zum Trotz erfüllt der milliardenschwere Einstieg der Stadtwerke aus Dortmund, Essen, Bochum, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken beim früheren Evonik-Ableger zumindest bisher die Erwartungen der neuen Eigentümer. Auch im vierten Jahr habe man den geplanten Beteiligungsertrag erzielt, heißt es aus Kreisen der eigens für den Steag-Erwerb gegründeten kommunalen Beteiligungsgesellschaft KSBG. Allein Dortmund, über zwei Stadttöchter mit insgesamt 36 Prozent größter Steag-Eigner, fließen aus dem Geschäftsjahr 2014 über elf Millionen Euro zu. Die Bochumer Stadtwerke erhalten für ihren 18-Prozent-Anteil 5,6 Millionen. Entsprechend die Verteilung für Duisburg (19 Prozent) mit knapp sechs Millionen, Essen (15 Prozent) fast 4,7 Millionen, Oberhausen und Dinslaken (je 6 Prozent) mit jeweils rund 1,9 Millionen Euro. Insgesamt schüttet die Steag 86 Millionen Euro an die Gesellschafter aus, nach 96 Millionen 2013. Und das, obwohl auch der fünftgrößte deutsche Kraftwerksbetreiber, der sein Geld überwiegend mit Steinkohlekraftwerken und dem Fernwärmebetrieb macht, finanziell stärker unter Druck geraten ist.

Übernahme kostete 1,2 Milliarden Euro

In der Fernwärme habe sich die warme Wetterlage ungünstig auf das Ergebnis ausgewirkt, teilte das Unternehmen gestern mit. Nach vorläufigen Zahlen konnte der Steag-Konzern seinen Umsatz freilich um 6,6 Prozent auf 3,13 Milliarden Euro steigern. Auch der operative Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 6,6 Prozent auf 390 Millionen Euro. Mit seinen Auslandskraftwerken erzielte die Steag ein Ebitda von 112 Millionen Euro, der Bereich Erneuerbare Energien spülte 77 Millionen Euro in die Kasse. Angesichts der stabilen Ertragslage dürften zwei große Negativposten im eigentlich starken Auslandsgeschäft besonders schmerzen: Größter Verlustbringer ist ein Solarpark in Andalusien, dem die spanische Regierung kurzerhand die Fördergelder strich. 48 Millionen Euro muss die Steag hier einmalig abschreiben. Hinzu kommen weitere 25 Millionen aus Fehlkalkulationen für ein Biomasse-Kraftwerk in Brasilien. Zusammen macht das 73 Millionen Miese. Der Jahresüberschuss des Konzerns, der 2013 bei 199 Millionen Euro lag, dürfte deutlich zusammenschmelzen.

Staubbelastung Endgültige Zahlen kommen bei der Steag-Aufsichtsratsitzung am 20. April auf den Tisch. Dort dürfte auch die Ausschüttung an die Gesellschafter abgenickt werden. Auch Altbesitzer Evonik erhält noch einen Anteil. Denn das Stadtwerke-Konsortium hatte die restlichen 49 Prozent am Unternehmen erst im August 2014 übernommen. Der Löwenanteil der Ausschüttung aber dient der Kredittilgung. Die insgesamt 1,2 Milliarden teure Übernahme haben die Stadtwerke zu 70 Prozent auf Pump finanziert.