Starkes Herz der Wirtschaft - Revier der mächtigen Konzerne

Die Konzernzentrale von Thyssen-Krupp in Essen.
Die Konzernzentrale von Thyssen-Krupp in Essen.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Sechs der 50 umsatzstärksten Konzerne Deutschlands haben ihre Zentralen im Ruhrgebiet, dessen Bruttoinlandsprodukt so hoch ist wie das von Tschechien.

Essen.. Wäre das Ruhrgebiet ein Staat, könnte sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) im europäischen Vergleich durchaus mithalten. Mit mehr als 150 Milliarden Euro im Jahr ist das BIP etwa so hoch wie in der gesamten Tschechischen Republik oder dreimal höher als die Wirtschaftsleistung von Kroatien.

Sechs der 50 umsatzstärksten Unternehmen aus Deutschland sitzen im Ruhrgebiet – Aldi, RWE, BP, Thyssen-Krupp, Hochtief und Evonik. „Wenn man sich die 100 umsatzstärksten Unternehmen anschaut, kommen noch fünf Unternehmen hinzu“, berichtet Annette Peis von der Wirtschaftsförderung NRW.Invest: Rethmann, Tengelmann, Amprion, Brenntag und Klöckner&Co.

14,8 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Industrie

Für das Ruhrgebiet hat die Industrie nach wie vor eine überdurchschnittlich große Bedeutung. 18,4 Prozent der Beschäftigten arbeiten in diesem Bereich, bundesweit sind es 16,6 Prozent. In Duisburg befindet sich der größte Stahlstandort Europas. Doch die Industrie verändert sich – und mit ihr eine ganze Region. In Bochum ist der letzte Opel vom Band gerollt, bald schließt mit Auguste Victoria in Marl die nächste Zeche in der Region, große Arbeitgeber wie die Energiekonzerne RWE und Eon schrumpfen.

„Der Wandel ist rasant“, sagt BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Die Energieversorger benötigen ein neues Geschäftsmodell. Aber große Veränderungen sind nicht neu für das Ruhrgebiet. Wir können Strukturwandel.“ Doch Grillo geht auch davon aus, dass die Schwerindustrie, die Energie- und die Chemiebranche auch in Zukunft „ein wichtiger Teil des Ruhrgebiets“ sein werden.

Vom Revier in alle Welt

Ein Trend lautet Internationalisierung. Der Stahl- und Technologiekonzern Thyssen-Krupp zählt zwar allein im Essener Konzern-Quartier rund 3000 Mitarbeiter und etwa 37 000 Beschäftigte an 38 Standorten in NRW. Die Schwerpunkte des Revier-Unternehmens verlagert sich allerdings zunehmend ins Ausland. Bereits rund 70 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet Thyssen-Krupp fern der Heimat. „Der Anteil von Deutschland wird kontinuierlich zurückgehen“, sagte Konzernchef Heinrich Hiesinger unlängst. Die Ursache für diesen Trend seien die höheren Wachstumsraten im Ausland. Bereits jetzt sind von den rund 160 000 Mitarbeitern des Konzerns etwa 100 000 Beschäftigte außerhalb Deutschlands tätig.

Kaum eine andere Region habe ähnlich starke Veränderungen erlebt wie das Ruhrgebiet, erklärt Bernd Tönjes, Chef des Bergbaukonzerns RAG. „Die Region wandelte sich von einer einst landwirtschaftlich geprägten Gegend zum Motor der Industrialisierung in Deutschland mit Kohle und Stahl. Dazu kamen Industriebereiche, die genau dies benötigten, beispielsweise Opel. Insofern repräsentierte der Autobauer schon den nächsten Wandel im Ruhrgebiet innerhalb kurzer Zeit.“ Heute seien es unterschiedliche Branchen, die für Arbeitsplätze sorgen: Maschinenbau oder chemische Industrie, die Medizinbranche oder die Informationstechnik (IT).

Richtungweisend sei die Entwicklung der Logistikbranche, sagt Ruhr-Wirtschaftsförderer Rasmus C. Beck. „Das Branchenwachstum verläuft hier schneller als im EU-Durchschnitt – das Ruhrgebiet hat sogar Hamburg von Platz eins der deutschen Logistik-Standorte verdrängt.“ Ein weiterer überregional bedeutender Leitmarkt ist die Gesundheitswirtschaft mit einer engen Verflechtung zur Forschung.