Starke Lohneinbußen bei Geringverdienern
19.07.2011 | 08:47 Uhr 2011-07-19T08:47:00+0200
Berlin.Die realen Nettolöhne von Geringverdienern sind seit der Jahrtausendwende stark gesunken. In den unteren Einkommensgruppen haben die Einbußen laut einem Medienbericht 16 bis 22 Prozent betragen, im Durchschnitt aller Beschäftigten liege das Minus bei 2,5 Prozent.
Die realen Nettolöhne von Geringverdienern sind seit der Jahrtausendwende stark gesunken. Bei Beschäftigten in den unteren Einkommensgruppen hätten die Einbußen 16 bis 22 Prozent betragen, berichtete die „Berliner Zeitung“ (Dienstagsausgabe) unter Berufung auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Im Durchschnitt aller Beschäftigten seien die Nettogehälter zwischen 2000 und 2010 preisbereinigt um 2,5 Prozent zurückgegangen. Das geht den Angaben zufolge aus neuen Umfrageergebnissen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hervor.
„Die Wirtschaft ist seit der Jahrtausendwende ordentlich gewachsen“, sagte DIW-Verteilungsforscher Markus Grabka der Zeitung. Die Gewinne und Vermögenseinkommen seien „insgesamt sogar kräftig gestiegen“. Doch bei den meisten Erwerbstätigen sei vom Wirtschaftswachstum nichts angekommen.
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warf der Bundesregierung Untätigkeit vor. „Es gibt Möglichkeiten, die Löhne zu stabilisieren. Doch die Politik interessiert sich nicht dafür“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Bofinger plädierte dafür, Arbeitnehmer bei den Sozialabgaben zu entlasten. So sollten die Arbeitgeber künftig wieder die Hälfte der Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung übernehmen. „Eine solche Rückkehr zur Parität würde den Staat keinen Cent kosten“, betonte der Professor an der Universität Würzburg.
Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit sprach sich für einen Mindestlohn aus. Im Niedriglohnsektor gebe es inzwischen Auswüchse, „die man beschäftigungspolitisch nicht rechtfertigen kann“, erklärte der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller. (afp)

12:26
Gehälter und Löhne, gerade im Niedriglohnbereich lassen sich nur noch schwer im Inland bestimmen. Durch Produkte aus dem Ausland sind die Lohnkosten bereits vorgegeben. Wenn zu diesen (vorgegebenen) Kosten keine Produkton mit angemessenen Gewinnmargen, nach Steuern, in Deutschland möglich ist, wird die Produktion ins Ausland verlagert. Polen und Rumänien sind hier deutlich im Vorteil. Daher ist auch nicht zu erwarten, dass Bllligarbeitskräfte ins Land strömen. Die Arbeit wandert ab zu den kostengünstigeren Ländern. Wir können nur mithalten, wenn noch mehr automatisiert wird. Aber das schafft eben auch keine Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor.
22:01
So ganz drückend sind die Probleme in den Teilbereichen der Gesellschaft ,die über genügend Bildung verfügen , sich auf einem Druckposten häuslich einzurichten -in aller Regel über der Beitragsbemessungsgrenze - sicherlich nicht.
Um diesen Personenkreis geht es -soviel ich verstanden habe - in diesem Artikel aber nicht.
Wobei : Neueste Untersuchung der hans-Böckler -Stiftung zeigen ,dass Bildung allein nicht vor dem Niedriglohnsektor schützt.
Der weitet sich tendentiell nämlich aus.
Sowohl quantitativ ,wie auch qualitativ.
Auch der von vielen Kommentatoren in diesem Bereich als quasi zwingend beschriebene Zusammenhang zwischen Verschlechterung der finanziellen Situation im Niedriglohnsektor mit der angeblich in den letzten Jahren veränderten sog. Berufswelt ,einer angeblichen geringeren Nachfrage und dem angeblich zunehmenden Konkurrenzdruck ,den sehe ich so nicht.
Richtig ist ,dass sich in unserer banana republika die Arbeitsbedingungen radikal verschlechtert haben.
Geht man der Ursache nach ,dann stößt man schnell auf die durch die politische Mehrheit - veränderten gesetzlichen Regelwerke wie Agendapolitik ,Hartz ,Umwandlung des Arbeitsamtes in eine Agentur ,Geschäftemacherei mit Vermittlungsscheinen bei Arbeitssuchenden ,Deregulierung ,Privatisierung öffentlicher Strukturen usw....
Folge : Schwächung der Gewerkschaften in der Fläche.
Also der gesamte neoliberale Strauss an Massnahmen zur Verschlechterung der Lebensbedingungen der breiten Masse mit der Zielsetzung zur Profitmaximierung für einige Wenige.
Insbesondere im sog. durch den Artikel angesprochenen Niedriglohnsektor.
Diese veränderten Regelwerke sind aber nicht durch einen etwa zwingenden Konkurrenzdruck entstanden ,sondern sie haben durch eine andere Regelsetzung Druck auf diejenigen Wettbewerber erzeugt ,die ihre Dienstleistung z.B. mit einem halbwegs sozial akzeptablen Stundenlohn anbieten wollten.(siehe Postdienste usw...)
Derartige -einem bestimmten ökonomischen Aberglauben geschuldeten - Regelsetzungen sind durch veränderte politische Mehrheiten veränderbar.
Und für die negativ betroffenen Menschen sind die Probleme schon drückend.
Aber auch für eine gesunde soziale Struktur einer Gesellschaft ist eine positive Veränderung dringend erforderlich.
Leider mit den neoliberalen Standard-Parteien und deren heutigen Vorturnern nicht zu machen.
21:52
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21:23
Zunächst einmal bin ich erstaunt, wie m. E. „geierhaft“ sich die Medien auf diese Meldung des DIW stürzen, zu der es heißt, die „Berliner Zeitung“ (Dienstagsausgabe) berichte unter Berufung auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
Das DIW selbst hat wohl auf seiner Homepage bisher keine Details zu dieser Untersuchung eingestellt. Dort sind andere wichtige Themen im Fokus wie
„Labor and Love - Employment Effects on Divorce Risk in Eleven Countries“
oder von dem aktuell benannten Verteilungsforscher“ ein Bericht unter dem Titel
„Einkommenssituation der älteren Bevölkerung ist insgesamt positiv: Sieben Fragen an Markus Grabka“.
Worauf ich also vorab hinweisen möchte, ist, daß wieder einmal sehr wenige bekannte Details zu einer immensen Diskussion führen.
Sodann zeigen Statistiken (Im Internet verfügbar), daß die Gesamtsozialbeiträge im Zeitraum 2001 bis 2011 um etwa 0,65 % gesunken sind. Die Aufteilung auf AG und AN hat sich aber sicherlich zu Lasten der AN verschoben.
Die Beitragsbemessungsgrenzen sind allerdings gestiegen. Hier zu vergleichen geht also nicht ohne Detailzahlen zur Erhebung. Zudem handelt es sich um die realen Nettolöhne. Die Inflation spielt also auch noch eine Rolle als externer Faktor.
Negativ zu Lasten der Einkommen wird sich allerdings die Steuersituation insbesondere im Grenzsteuerbereich entwickelt haben. Denn bei den 2,5 %igen Verschlechterungen gehe ich mindestens davon aus, daß sie nicht (nur) auf sinkenden Löhnen und Gehältern beruhen, sondern auf steuerlichen Mehrbelastungen in den entsprechenden Einkommensbereichen.
Was die stark gefallenen unteren Einkommen angeht, ist uns ja schon seit Jahren bekannt, daß durch Veränderungen in der Berufswelt dort eine geringere Nachfrage und ein zunehmender Konkurrenzdruck besteht und daß dies auch die Löhne drückt. Interessant wäre zu wissen, auf wie viele Personen in den genannten Gruppen sich die Erhebung bezieht.
Insgesamt will ich also die Zahlen nicht in Frage stellen. Bevor man aber dies alles publiziert und intensiv diskutiert oder diskutieren läßt, bedarf es m. E. weiterer Details, die ich bisher nirgendwo gefunden habe.
Aber da läßt eine weitere Überschrift auf der DIW-Homepage hoffen, die da heißt „DIW Berlin verbessert Kommunikation“.
Subjektiv wird jeder für sich (Ich natürlich auch) sagen „Das DIW hat recht“, die Faktenlage ist aber bisher eher dünn.
Außerdem ist neuerdings, wann immer Steuer- oder Abgabenreduzierungen in Aussicht gestellt werden, die (teils übergroße) Mehrheit der Bevölkerung der Ansicht, man solle erst einmal Schulden tilgen (Wenn man die Billionen Euro an Gesamtschulden meint, dauert dies Hunderte von Jahren!) oder aber Medien darauf verweisen, daß Entlastungen nur ein paar Euro pro Person ausmachen (Gerne gebrauchte Formulierungen: „Eine Pizza pro Monat oder eine Tasse Kaffee pro Tag“).
So ganz drückend scheinen die Probleme also nicht zu sein.
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