Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Deutsche Bank

Staatsanwaltschaft wirft Fitschen falsche Angaben zu Razzia vor

22.01.2013 | 17:02 Uhr
Staatsanwaltschaft wirft Fitschen falsche Angaben zu Razzia vor
Zahlreiche Polizeiwagen standen während der Razzia am 12. Dezember vor der Deutsche-Bank-Zentrale in FrankfurtFoto: dapd

Essen/Frankfurt.   Mehrfach hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen zuletzt die Ermittler für ihre Razzia bei der Deutschen Bank im Dezember kritisiert. Von 500, teils vermummten Polizisten, Maschinenpistolen und Hubschraubern hatte er berichtet. Diese Darstellung weist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft nun entschieden zurück.

Er wollte sich den Ärger des alten Jahres von der Seele reden. So schien es jedenfalls, als Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen vor einer Woche beim Neujahrsempfang seines Instituts in der Essener Philharmonie ans Rednerpult schritt. Ärger über die spektakuläre Razzia zum Beispiel, bei der Mitte Dezember Polizisten die beiden Türme der Frankfurter Konzernzentrale durchsucht hatten. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchter Strafvereitlung beim Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten.

Ärger auch über die Folgen seines Anrufs beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Fitschen hatte sich nach der Razzia bei Bouffier darüber beklagt, dass ein derartiges Verhalten der Ermittler „unangemessen“, „geschäftsschädigend“ und „nicht gut für den Standort Frankfurt“ sei. Daraufhin war Fitschen, der selbst zu den Bank-Mitarbeitern gehört, gegen die ermittelt wird, vorgeworfen worden, sich über das Recht stellen zu wollen. Für diesen Eindruck hatte sich Fitschen entschuldigt.

Jürgen Fitschen beim Neujahrsempfang in EssenFoto: von Born

Keine Maschinenpistolen, keine Hubschrauber

Doch damit nicht genug. Am Dienstag widersprach die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft entschieden der Darstellung der Razzia, die Fitschen nicht nur in Essen verbreitet hat. Von „500 Polizisten, teilweise vermummt, teilweise schwer bewaffnet, mit Hubschraubern überm Dach als Unterstützung“ hatte Fitschen vergangene Woche Dienstag in Essen gesprochen. Tags drauf soll beim Neujahrsempfang in Berlin auch noch von Maschinenpistolen die Rede gewesen sein.

Staatsanwalt Günter Wittig stellte indes am Dienstag klar: „Wir hatten weder 500 Beamte im Foyer der Deutschen Bank noch waren die Beamten vermummt oder mit Maschinenpistolen bewaffnet. Wir haben auch keinen Hubschrauber im Einsatz gehabt.“ Wittig betonte: „Hier geht es um Fakten, die nicht korrekt dargestellt werden, darum haben wir uns entschlossen, das zu kommentieren.“

Deutsche Bank will „keinen Kommentar“ abgeben

Eine Erklärung, warum Fitschens Darstellungen und die der Generalstaatsanwaltschaft derart voneinander abweichen, blieb die Deutsche Bank schuldig. „Kein Kommentar“, hieß es auf NRZ-Anfrage.

Unstrittig scheint nur das vorläufige Resultat der Razzia vom 12. Dezember: Fünf Bank-Mitarbeiter mussten vorübergehend in Untersuchungshaft. Im Visier haben die Staatsanwälte neben Fitschen auch Finanzvorstand Stefan Krause. Beide haben die fragliche – und später korrigierte – Umsatzsteuererklärung 2009 unterschrieben.

Zumindest vergangene Woche zeigte sich Fitschen noch überzeugt, dass die Vorwürfe gegen ihn zu Unrecht erhoben wurden. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich nicht nur Recht habe, das wäre zu billig, sondern dass ich auch Recht bekomme“, verkündete er in Essen, „dann wissen’s alle Beteiligten“. Doch bis dahin dürfte noch einige Zeit vergehen. Der Ärger für Fitschen geht vorerst weiter.

Thomas Rünker, Ulf Meinke



Kommentare
22.01.2013
19:17
Staatsanwaltschaft wirft Fitschen falsche Angaben zu Razzia vor
von hofisch | #1

Es ist schon verwunderlich, was sich Leute ab einem gewissen Einkommen und der dazugehörenden gesellschaftlichen Stellung leisten dürfen.
Na ja, einen ehemaligen Vorstand aus der selben Bank und seinen damaligen Arbeitgeber hats wegen unüberlegten Aussagen erwischt.
Zu der Umsatzsteuererklärung ist nur zu sagen, wer etwas unterschreibt, sollte sich von der Richtigkeit des Inhalts überzeugen, so lautet jedenfalls die bisherige Rechtsprechung.

Aus dem Ressort
Deutlich mehr Phishing-Fälle beim Online-Banking
Internet-Kriminalität
Datenklau beim Online-Banking hat laut Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr stark zugenommen. Die digitalen Diebe knacken inzwischen auch SMS-TANs. Bei 4000 Euro liegt der Schaden im Schnitt. Am meisten Angst haben Nutzer davor, ausgespäht zu werden - allerdings vom Staat.
Immer rangehen, wenn der Chef anruft? Nicht in Rheinberg
Arbeit
Der Landesarbeitsminister will ständige Erreichbarkeit von Arbeitnehmern einschränken. Bei Solvay in Rheinberg gibt es bereits Regelungen dagegen. Das Telefon klingelt nur während der Dienstzeit. Auch Alpens Bürgermeister ist dagegen, dass seine Beschäftigten immer erreichbar sind - mit Ausnahmen.
Duisburger DVG mahnt im "Via-Streit" zu mehr Gelassenheit
Nahverkehr
Beim Via-Verkehrsverbund der Städte Duisburg, Mülheim und Essen gibt es wieder so viele ungelöste Fragen, dass Essen nun die Kooperation in Frage stellt und prüfen lassen will. DVG-Chef Marcus Wittig sieht zwar vor allem beim Personal Reformbedarf, jedoch nicht allein zu Lasten Duisburgs.
Hohe Dispozinsen - Jeder fünfte Bankkunde überzieht Konto
Dispozinsen
Rund 20 Prozent aller Bankkunden überziehen ihr Girokonto - und zahlen deshalb hohe Dispozinsen. Die Zinsen schwanken enorm: Die Filialbanken und die Sparkassen der Region kassieren zwischen 8,3 und knapp 13 Prozent Zinsen. Künftig wollen einige ihre Kunden bei Überziehung vor den Zinsen warnen.
Ökoprofit-Projekt - 13 Unternehmen stiegen im Jahr 2014 ein
Umwelt
Anfang des Jahres stiegen 13 Unternehmen aus der Region in das Ökoprofit-Projekt der vier Ruhrgebietsstädte Bottrop, Gelsenkirchen, Gladbeck und Herne ein. Sie haben damit begonnen, ökologisch zu denken und zu handeln und gewinnen dabei - 300.000 Euro an Energie-Ersparnissen konnten erzielt werden.
Umfrage
Duisburg droht seine U-Bahn zu verlieren, weil eine Sanierung des maroden Systems zu teuer wäre. Würde Ihnen die Bahn fehlen?

Duisburg droht seine U-Bahn zu verlieren, weil eine Sanierung des maroden Systems zu teuer wäre. Würde Ihnen die Bahn fehlen?