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Spekulationen über Cromme-Nachfolge bei ThyssenKrupp

10.03.2013 | 19:05 Uhr
Foto: /dapd/Volker Hartmann

Für die Nachfolge des überraschend zurückgetretenen ThyssenKrupp-Aufsichtsrats Gerhard Cromme sind Medienberichten zufolge zwei erfahrene Manager im Gespräch. Favorit ist angeblich der ehemalige BDI-Präsident Hans-Peter Keitel, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Wochenende vorab unter Berufung auf Aufsichtsratskreise.

Hamburg/München (dapd). Für die Nachfolge des überraschend zurückgetretenen ThyssenKrupp-Aufsichtsrats Gerhard Cromme sind Medienberichten zufolge zwei erfahrene Manager im Gespräch. Favorit ist angeblich der ehemalige BDI-Präsident Hans-Peter Keitel, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Wochenende vorab unter Berufung auf Aufsichtsratskreise.

Der 65-jährige Keitel, Ex-Chef des Baukonzerns Hochtief, habe Erfahrungen mit der Leitung großer Unternehmen und beste Verbindungen in die Politik. Aber auch der ehemalige Chef des Henkel-Konzerns, Ulrich Lehner, hat laut "Spiegel" gute Chancen. Keitel und Lehner gehören demnach dem Aufsichtsrat des in der Krise steckenden Stahlkonzerns seit Langem an und könnten den Spitzenposten sofort übernehmen.

Laut "Euro am Sonntag" wird dagegen Lehner als wahrscheinlicher Nachfolger gehandelt. Unternehmensnahen Kreisen zufolge sollen auch die Aufsichtsräte Kersten von Schenck und Jürgen Thumann, die als Crommes Favoriten gälten, ihre Posten aufgeben, wie die Zeitung berichtet.

Der 70-jährige Cromme hatte am Freitag nach fast zwölf Jahren seinen Rücktritt vom Chefposten im Aufsichtsrat erklärt und auch sein Amt als stellvertretender Vorsitzender der Krupp-Stiftung niedergelegt.

Wie der "Focus" am Wochenende berichtete, ist Cromme anders als offiziell dargestellt offenbar zum Rücktritt gedrängt worden. Unter Berufung auf Unternehmenskreise schreibt das Magazin, der 99-jährige Vorsitzende der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, habe Cromme am Freitag in einem 15-minütigen Gespräch mitgeteilt, dass er ihn weder im Aufsichtsrat des Konzerns noch im Kuratorium der Krupp-Stiftung weiterhin "sehe". Das gesamte Kuratorium - zu den Mitgliedern zählt auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) - vertrete diese Ansicht, da das notwendige Vertrauen nicht mehr vorhanden sei. Bei der zukünftigen Führung der Stiftung setzt Beitz nach "Focus"-Informationen auf seine Tochter Susanne Henle. Sie ist bereits Mitglied des Kuratoriums.

ThyssenKrupp geriet unter Crommes Aufsicht in eine gravierende Misere: Zu den Milliardenverlusten durch zwei neue Stahlwerke in Übersee kamen zuletzt noch die Verwicklung in Kartellabsprachen sowie eine Affäre um Luxusreisen.

Derweil berichtete die Zeitung "Euro am Sonntag", die Stellung Crommes als Aufsichtsratschef des Industriekonzerns Siemens werde offenbar nicht angefochten. Cromme werde von der Siemens-Familie gestützt. Man sei dem 70-Jährigen dankbar, dass er die Bestechungsaffäre sauber aufgearbeitet und so verhindert habe, dass der Konzern von öffentlichen Aufträgen in den USA ausgeschlossen wird. Auch aus Siemens-Kreisen habe es geheißen, dass es an der Spitze des Kontrollgremiums keine Veränderungen geben soll. Dagegen hätten Siemens-Belegschaftsaktionäre Crommes Rücktritt auch von der Aufsichtsratsspitze des Münchner Konzerns gefordert.

Wie das "Handelsblatt" (Montagausgabe) berichtete, hat das Bundeskartellamt bei seinen Ermittlungen gegen ThyssenKrupp das Topmanagement des Ruhrkonzerns ins Visier genommen. Bei den Razzien vor anderthalb Wochen seien auch die Privaträume eines Bereichsvorstands und eines früheren Vorstands der Stahltochter ThyssenKrupp Europe durchsucht worden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. Die Behörde gehe dem Verdacht nach, dass ThyssenKrupp mit Voestalpine und Arcelor-Mittal die Stahlpreise zulasten ihrer Automobilkunden illegal abgesprochen haben.

Die "Wirtschaftswoche" berichtete am Wochenende, dass die ThyssenKrupp-Tochter Uhde in den Kaukasusrepubliken Aserbaidschan und Georgien eine lukrative Ausschreibung gegen den südkoreanischen Konkurrenten Samsung verloren. Grund sei nach Informationen des Magazins die Verärgerung Aserbaidschans über kritische deutsche Äußerungen über die Menschenrechtslage im Lande. Bei der Ausschreibung sei es um den Bau zweier Düngemittelfabriken zum Preis von je rund 600 Millionen Dollar (460 Millionen Euro) gegangen.

dapd

dapd

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Kommentare
10.03.2013
21:05
Bei all den Diskussionen um das Unternehmen ThyssenKrupp… - II
von TreuerLeser | #2



Wer seinen leitenden Managern derartige Fototermine abverlangt oder aufzwingt (Dass sie das freiwillig tun, kann ich mir nicht vorstellen), sollte m. E. seine eigene Möglichkeit kritisch überdenken, Inspirator für künftige Weichenstellungen zu sein.

Und der Hinweis auf „Erbhof“-Überlegungen:

„Bei der zukünftigen Führung der Stiftung setzt Beitz nach "Focus"-Informationen auf seine Tochter Susanne Henle. Sie ist bereits Mitglied des Kuratoriums.“

ist aus meiner Sicht nicht unbedingt eine Perspektive, die auch dem Unternehmen nutzen muß.

Vielleicht wäre es eine Aufgabe der NRW-Ministerpräsidentin, die ja auch dem Gremium angehört, mit dem Kuratoriumsvorsitzenden über eine familienunabhängige, zukunftsorientierte Lösung für den wichtigen Essener und NRW-Arbeitgeber ThyssenKrupp AG zu sprechen.

10.03.2013
21:04
Bei all den Diskussionen um das Unternehmen ThyssenKrupp… - I
von TreuerLeser | #1

…schneidet der Kuratoriumsvorsitzende Berthold Beitz in Medien-Berichten und Kommentaren nach wie vor glänzend ab, der ja auch in der Vergangenheit große Verdienste um das Unternehmen erwarb.

M. E. ist er aber auch Teil der Probleme, die TK heute hat, und nicht nur (oder mehr) Teil von deren Lösung.

In dem Unternehmen ist doch nichts ohne seine Zustimmung geschehen.

Kein Vorstandsmitglied - auch nicht die inzwischen „entfernten“ - wurde ohne sein Plazet berufen, keine - auch die mittlerweile „notleidenden“ - Investitionen ohne sein „Ja“ getroffen.

Die FAZ zeigt gestern ein Bild von Herrn Beitz (sitzend) und Frau Beitz bei einer Ehrung durch MP Sellering im Kreise u. a. von Herrn Cromme und Herrn Hiesinger.

Wie beide dort stehen, erinnern sie mich an Konfirmanden.


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