So trickste das Kartoffel-Kartell

Die Kartoffel – ein dickes Geschäft und ein Fall fürs Kartellamt.
Die Kartoffel – ein dickes Geschäft und ein Fall fürs Kartellamt.
Foto: Bernd WüstnecK/dpa
Die Kartoffel gilt als Lieblingsknolle der Deutschen. Nun fällt ein Schatten auf die Branche. Das Kartellamt ist einem Kartoffel-Kartell auf der Spur. Den Verbrauchern ist vermutlich ein Millionen-Schaden entstanden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem Fall.

Bonn.. Sie tragen liebliche Namen wie Linda, Laura oder Rosara. Und sie gehören zu den wichtigsten Lebensmitteln im Land. Auch deshalb gilt die Kartoffel als Lieblingsknolle der Deutschen. Doch nun fällt ein Schatten auf die Branche. Die Behörden sind einem Kartoffel-Kartell auf der Spur. Es besteht der Verdacht, dass seit Jahren Preise abgesprochen worden sind – auf Kosten der Verbraucher.

Wie ist der Fall bekannt geworden?

Vor wenigen Tagen schlug das Kartellamt zu. An neun Firmenstandorten und in der Privatwohnung eines Verdächtigen gab es Durchsuchungen. An der Aktion waren 30 Mitarbeiter des Kartellamtes beteiligt, zusätzlich waren Beamte der Kriminalpolizei im Einsatz. Wie üblich in solchen Fällen hält sich das Kartellamt mit Stellungnahmen am Anfang von Ermittlungen zurück. Allerdings sind mittlerweile Informationen aus Branchenkreisen durchgesickert.

Wie soll das Kartoffel-Kartell vorgegangen sein?

Vor etwa zehn Jahren sollen sich große Betriebe der Kartoffel-Abpack-Branche darauf verständigt haben, regelmäßig die Preise abzusprechen, zu denen die Supermarkt-Ketten beliefert werden. Später sollen sich 80 bis 90 Prozent der großen und größeren Kartoffel-Abpacker bei den Preisen verständigt haben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Es soll auch eine Art Anführer gegeben haben, der beispielsweise vor den Bestellungen der großen Discounter-Ketten die Kollegen angerufen und den Wochenpreis ausgemacht habe. Die Angebote sollen sich dann nur um einen oder wenige Cents unterschieden haben. So sollen die Gewinnmargen zeitweise rasant in die Höhe geschnellt sein.

Welche Dimension hat der Fall?

Wer im Supermarkt in den vergangenen Jahren Kartoffeln gekauft hat, soll weit mehr gezahlt haben als notwendig. Seit der vermuteten Gründung des Kartells seien die Verbraucher um mehr als 100 Millionen Euro geschädigt worden, heißt es. Es sind Summen, die sich vor allem durch die großen Mengen erklären lassen. Der Verbrauch von Kartoffeln in Deutschland lag zuletzt laut Statistischem Bundesamt pro Jahr bei 56,6 Kilogramm je Einwohner. Nach Angaben des Bauernverbandes bezahlten die Verbraucher für Kartoffeln Anfang Mai im Schnitt 80 Cent je Kilo, für Frühkartoffeln lag der Preis über einem Euro. Auch Bauern wurden angeblich von den Mitgliedern des Kartells über den Tisch gezogen. Sie sollen überhöhte Preise für Pflanzkartoffeln gezahlt haben.

Was sind die Konsequenzen?

Die Ermittlungen in Sachen Kartoffel-Kartell befinden sich noch am Anfang. „Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung“, betont das Bundeskartellamt. In früheren Fällen hat die Bonner Behörde hohe Strafgelder gefordert. Im vergangenen Jahr verhängte das Kartellamt Bußgelder in Höhe von 248 Millionen Euro gegen 57 Firmen und 31 Privatpersonen. Allein 124,5 Millionen Euro mussten Mitglieder des Schienenkartells zahlen. „Illegale Absprachen finden wir kreuz und quer durch alle Branchen“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt unlängst. Und er fügte hinzu: „Der Trend zu mehr Kartellfällen setzt sich fort.“