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So macht mildes Wetter Wirtschaft

04.01.2013 | 19:06 Uhr
So macht mildes Wetter Wirtschaft
Ein milder Winter sorgt bei Verbrauchern für geringe Heizkosten.Foto: Gudella

Essen.   Hohe Temperaturen sind schlecht für das Geschäft der Energieversorger. Für Bau und Straßenverkehr ist der ungewöhnliche Winter dagegen ein Segen.

Man könnte meinen, Petrus verkommt zur launischen Diva. Hatten die Wintermonate der Jahre 2011 und 2012 zeitweise noch Schnee und eisige Kälte zu bieten, dreht der Wettergott das Thermostat in diesen Tagen auf über zehn Grad plus – Regen und böiger Wind inklusive. Doch welche Auswirkungen hat der ungewöhnlich milde Winter auf Industrie und Wirtschaft? Ein Überblick.

Landwirtschaft

Für die Bauern sind die kommenden Monate entscheidend. „Durch die vergleichsweise hohen Temperaturen schreitet das Wachstum der Pflanzen schneller voran und die Pflanzen haben einen geringeren Widerstand. Wird es im Februar noch richtig kalt, friert uns die Saat kaputt“, erklärt Hans-Heinrich Berghorn, Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Und auch Schädlinge fühlen sich bei diesem Wetter pudelwohl. Finden gerade Mäuse in strengen Wintern keine Nahrung und verhungern, bietet sich jetzt Nahrung in Hülle und Fülle.

Bleibt es bei diesen Temperaturen, könnte es im Frühjahr zu einer Schädlingsplage kommen, sagt Berghorn. Doch noch bestehe kein Anlass zur Sorge. Eine zuverlässige Prognose für das Jahr 2013 sei zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.

Einzelhandel

Unzufrieden sind in diesen Tagen vor allem Anbieter von Ski-Artikeln. „Der Absatz von Wintersportbekleidung ist bisher nicht zufriedenstellend verlaufen“, bestätigt Michael Steinhauser vom Fachhändler Intersport Deutschland. Trotzdem lägen die Verkaufszahlen aus Dezember leicht über dem Vorjahresniveau. „Hierfür ist vor allem die winterliche erste Monatshälfte verantwortlich. Die zweite Monatshälfte war dann aber deutlich zu mild.“ Bei Intersport hofft man jedenfalls, dass der Winter in diesem Jahr doch noch schneereich und kalt wird.

Auch beim Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels sorgt das milden Wetter für Unzufriedenheit. „Der Verkauf von Winterkleidung ist nicht angesprungen, nur vor Weihnachten wurde erwartungsgemäß viel gekauft“, sagt Sprecher Axel Augustin.

Straßenverkehr

Noch warten 190 000 Tonnen Streusalz auf ihren Einsatz auf Autobahnen und Landesstraßen in NRW. Hoffentlich müssen sie noch lange warten, werden Pendler denken. „Von uns aus kann der Winter noch richtig kommen, wir sind vorbereitet“, sagt Bernd Löchter von der Landesbehörde Straßen NRW, die den Räumdienst organisiert. 30 000 von 220 000 gelagerten Tonnen Streusalz wurden bis Weihnachten verbraucht, besonders arbeitsintensiv sei dabei das zweite Dezemberwochenende gewesen, sagt Löchter.

„Wenn es bei den 30 000 Tonnen bleibt, ist das wenig“, fügt er hinzu. Langeweile komme bei den Straßenbetrieben trotzdem nicht auf: Statt der Räumarbeiten werden jetzt andere klassische Winterarbeiten erledigt – zum Beispiel Gehölzpflege.

Bauindustrie

Des einen Leid ist des anderen Freud: Gerade die Bauindustrie profitiert von den milden Temperaturen. „Der milde Winter ist besonders für den Tiefbau gut“, erklärt Jürgen Michel vom Bauindustrieverband NRW. Sobald es friert, geht beim Straßen- oder Kanalbau gar nichts mehr. „Natürlich gab es im Dezember einige Tage, an denen die Baustellen stillstanden, aber wir sind zufrieden mit der Baukonjunktur und der Auftragsentwicklung“, so Michel.

Energieversorger

Was den Verbraucher freut, ärgert die Energieversorger: Die Heizungen bollern deutlich weniger. Noch gibt sich der größte deutsche Energiekonzern Eon optimistisch. Es sei verfrüht, zur laufenden Heizperiode schon heute tragfähige Aussagen zu machen, sagt Eon-Sprecher Michael Krautzberger. Außerdem sei ein etwas niedrigerer Erdgasverbrauch aufgrund höherer Dezember-Temperaturen noch in den Monaten Januar bis April auszugleichen. „Solche Schwankungen sind in unseren Prognosen berücksichtigt“, gibt sich Krautzberger demonstrativ gelassen. Aber schon der milde Winter Anfang 2012 hatte zu einem insgesamt niedrigeren Erdgasverbrauch zu Jahresbeginn geführt.

Leonie Prym


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