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Tiernahrung

Snacks sind auch bei Haustieren im Trend

09.11.2012 | 19:43 Uhr
Snacks sind auch bei Haustieren im Trend
Besondere Leckerli wie Katzenmilch, Schokolade oder Fleischsnacks sind der Renner. Foto: Sebastian Konopka/WAZ Fotopool

Essen.   Milliardenmarkt Tiernahrung: Erstmals verkauften die Händler mehr Snacks als normales Tierfutter. Der Fachhandel kann nur noch mit Zubehör punkten. Auch das Weihnachtsgeschäft hat keine besondere Bedeutung mehr für die Händler.

Hund, Katze und Co. haben nicht einfach nur Hunger, sie werden auch wählerisch: Herrchen und Frauchen greifen immer öfter zu kulinarischen Kleinigkeiten. Snacks erobern die Regale der Tierhandlungen und Discounter. Das Umsatzwachstum bei Hundesnacks steigerte sich in 2011 so sehr, dass die Snacks erstmals den Umsatz vom klassischen „Feuchtfutter“ übertrafen. Das geht aus der Bilanz des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) hervor.

Eine Produktlawine macht das möglich: Es gibt Schokolade-Happen in Mausform, laktosefreien Vanillepudding (1,99 Euro für 150 Gramm) oder gesüßte Milch für die Katze. Ein Regal weiter stehen zig Sorten knuspriger Hundeleckerli – mit Taurin fürs „gesunde Herz“ oder Vitamin C fürs „Immunsystem“. So sieht’s im Tierfachhandel, im Einzelhandel, im Discounter, im Bau- oder Drogeriemarkt aber auch im Internethandel aus. Überall finden sich die Leckereien für die gut 8,2 Millionen Hauskatzen, 5,4 Millionen Hunde, 3,3 Millionen Ziervögel oder 5,1 Millionen Kleintiere wie Hamster und Co.

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Seit Jahren werden mit Leckerli die höchsten Umsatzzuwächse eingefahren. Ohne die Knabbereien würden die Tierfutter-Umsätze kaum noch steigen. Der Gesamtumsatz der Tiernahrung stagnierte 2011 bei 2,86 Milliarden Euro. Hundesnacks dagegen brachten ein Plus von 19 Millionen (5,1 Prozent) auf 373 Millionen Euro ein. Ähnlich sieht es bei Snacks für Katzen aus: Der Umsatz von 197 Millionen Euro bedeutet ein Plus von etwa elf Millionen Euro (5,9 Prozent). Das fängt die Umsatzeinbußen beim regulären Futter – wie etwa dem 10-Millionen-Minus beim Hunde-Trockenfutter – auf.

„Außen cross, innen cremig“

Profiteure des Tierfutterhandels sind weniger die kleinen Fachhändler, sondern Lebensmittelgeschäfte und Discounter. Das sieht man am Beispiel der „Katzenmilch“. Das Produkt mit dem größten Umsatzgewinn in 2011 steht in Mini-Plastik-Fläschchen im Verkaufsregal. Das Design erinnert an Joghurt-Drinks für Menschen. Neben der Markenware der weltweit agierenden Tierfutteranbieter – Mars, Nestlé, Colgate Palmolive und Procter & Gamble – erweitern Eigenmarken der Handelsketten das Sortiment. Das süße Leckerli, das man nicht mit Aufzuchtmilch für Kätzchen verwechseln darf, ist somit ab 55 Cent zu haben.

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Auch im kleinen Essener Zoofachhandel „City Zoo“ räumt Betreiber Thomas Wittig zunehmend Regalplatz für Tiersnacks frei – jedoch ohne große Begeisterung. Bekannte Werbeslogans wie „außen cross, innen cremig“ oder „Weniger als 2 Kalorien pro Stück“ sind hier zu finden. Wittig sagt, auch er komme am Snacktrend nicht vorbei: „Man kriegt mit den angepriesenen Kaustangen beim Hund zwar keinen Hüftschaden weg, wie es teils von der Werbung suggeriert wird. Aber wir müssen es verkaufen.“

Fachhandel punktet nur noch mit Zubehör

Statistisch gesehen punktet der Fachhandel nur noch mit Zubehör wie etwa Kuschelkissen, Tierkleidung oder Käfigen. Doch in 2011 rutschten die Umsatzzahlen laut IVH erstmals mit 2,2 Prozent ins Minus auf 916 Millionen Euro.

Seit elf Jahren betreibt Wittig das Fachgeschäft. Er hält durch, auch wenn der Onlinehandel zur Verdrängung kleiner Läden führe und das Weihnachtsgeschäft seit Jahren keine Bedeutung mehr habe. Er selber bietet keine Produkte im Internet an, diesen Trend lässt er an sich vorbeiziehen. Mit dem Snacktrend kann sich Wittig aber auch nicht anfreunden. Er plädiert für fleischhaltiges Tierfutter. „Natürlich kostet die Packung dann eben nicht 35 Cent, sondern eher 1,80 Euro für 800 Gramm“, sagt Wittig. Vielen Verbrauchern sei gar nicht bewusst, dass in den meisten Produkten nur noch vier bis zehn Prozent Fleisch enthalten sei. „Wegen der geringen Menge können die Hersteller dann auch Bio-Fleisch verwenden“, sagt Wittig – fürs Tier sei das aber wenig hilfreich.

Anne Wohland



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