"Smart Home" soll Strom sparen - Datenschützer warnen

Per "Smart Home" kann der Stromverbrauch von Kühlschränken gemessen werden.
Per "Smart Home" kann der Stromverbrauch von Kühlschränken gemessen werden.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Eon und RWE erschließen sich neue Geschäftsfelder: Wachstumschancen werden dem "Smart Home“ prophezeit. Datenschützer jedoch warnen vor Überwachung.

Düsseldorf/Essen.. Wissen Sie eigentlich, wie viel Ihr Kühlschrank verbraucht? Oder der Fernseher, auch wenn er ausgeschaltet ist und im Standby-Betrieb läuft? Der Düsseldorfer Energieversorger Eon will noch in diesem Jahr darauf eine Antwort liefern – in Form einer Box, die den Verbrauch jedes einzelnen Elektrogeräts misst und dem Nutzer verrät, wo sich Stromfresser im Haushalt verbergen. Eon begibt sich damit auf den gewinnträchtigen Zukunftsmarkt „Smart Home“. Das „intelligente Zuhause“, so ergab eine Prognose der Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche, soll bis zum Jahr 2017 allein in Europa ein Marktvolumen von 4,1 Milliarden Euro erreichen.

Auch der Essener Energiekonzern RWE drängt in die Wohnungen seiner Kunden. Mittlerweile habe man bereits 600.000 Produkte aus dem Bereich „Smart Home“ verkauft, heißt es bei RWE. Die Produktpalette umfasst mehr als 20 Geräte wie Thermostate oder Sensoren wie Rauch- und Bewegungsmelder. Über ihr Smartphone oder den Computer können RWE-Kunden zum Beispiel ihre Heizung, Haushaltsgeräte, Rollläden oder die Beleuchtung steuern. Außerhalb Deutschlands kooperiert der Essener Energiekonzern auch mit dem amerikanischen Daten- und Internetkonzern Google. RWE-Tochterfirmen vermarkten in Großbritannien und in den Niederlanden Thermostate der Google-Firma Nest.

Ein Partner von RWE heißt Google

Trotz des prominenten Partners werden die Nest-Thermostate von RWE nicht in Deutschland angeboten. Dabei dürften auch Datenschutz-Bedenken eine Rolle spielen. Die Google-Geräte sammeln jede Menge Informationen, um sich automatisch auf das tägliche Verhalten der Bewohner einer Immobilie einzustellen. Wann gehen sie schlafen? Wie kalt ist das Schlafzimmer in der Nacht?

Hauselektronik Datenschützer warnen im Zusammenhang mit den neuen Geschäftsmodellen der Energieversorger grundsätzlich davor, zu viele persönliche Daten leichtfertig weiterzugeben. „Verbrauchsdaten können viel über Lebensgewohnheiten aussagen“, sagt Ulrich Lepper, der Datenschutzbeauftragte des Landes NRW. „Wer Smart-Metering-Auswertungen nutzen möchte, sollte sich deshalb gut überlegen, was mit den Daten passiert, und erst dann entscheiden: Sollen sie wirklich durch den Anbieter ausgewertet, für Profile genutzt und möglicherweise an Dritte weitergegeben werden oder sollen die Daten besser ohne Zugriff anderer genutzt werden?“ Lepper rät Stromkunden, die sich für solche Systeme interessieren, Angebote zu vergleichen, Nutzungsbedingungen genau zu lesen und möglichst wenige Daten preiszugeben.

„Server stehen auf deutschem Boden“

Eon versichert, mit den Daten verantwortungsvoll umgehen zu wollen. „Die Server stehen auf deutschem Boden, die Daten werden verschlüsselt und nicht an Dritte weitergegeben“, sagt Eon-Sprecher Maximilian Heiler. Hintergrund: Wissen Hersteller etwa, dass der Kühlschrank des Eon-Kunden schon älteren Datums ist, könnten sie ihm maßgeschneiderte Werbung zukommen lassen.

CES „SmartCheck“ heißt das Eon-Produkt zurzeit, das von der Vertriebstochter des Düsseldorfer Konzerns noch in diesem Jahr auf den Markt gebracht werden soll. Mit der neuen Box wolle man den Nutzern einen genauen Überblick über ihren Stromverbrauch bieten, beteuert Eon. Der Kunde könne gegebenenfalls die Abschlagszahlung anpassen. Auch könne der Verbraucher Stromfresser zweifelsfrei erkennen und – wenn gewünscht – durch ein neues Gerät ersetzen.

Rauchmelder als Einbrecherschreck

Anhand eines speziellen Algorithmus ermittelt die Eon-Box, welches Gerät gerade wie viel Strom zieht. Ein Fernseher zeige zum Beispiel eine ganz andere Verbrauchskurve als eine Waschmaschine. Die Box soll solche Unterschiede erkennen und sich merken können. Die Daten werden anschließend an einen Eon-Server gesendet, der diese dann aufbereitet und dem Nutzer zum Beispiel auf dem Smartphone zur Verfügung stellt.

RWE macht auch Sicherheitsfirmen Konkurrenz. Der Essener Energieversorger bietet unter anderem Fenstersensoren an, die sich mit dem Rauchmelder im Haus verknüpfen lassen, um Einbrecher bei der Arbeit abzuschrecken. Wird ein Fenster unerwartet geöffnet, gibt es einen schrillen Alarm und zeitgleich wird ein Hinweis zum Handy des RWE-Kunden geschickt. Auch Kameras, die Haustüren oder Wohnräume beobachten, bietet der Energieversorger an.