„Sinkender CO2-Ausstoß ist kein umweltpolitischer Erfolg“

Hamburg..  Der sinkende Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO2 in Deutschland wird nach Ansicht des Hamburger Forschers Christian Growitsch überbewertet. „Wir sollten da mit einigen Mythen aufräumen“, sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts.

„Es ist unseriös, dies als einen großen umweltpolitischen Erfolg zu werten.“ Der Rückgang sei zum Teil durch den milden Winter zu erklären, zum Teil durch den steigenden Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung. Doch werde durch den Mechanismus des europäischen Zertifikate-Systems letztlich jede Tonne CO2, die in Deutschland eingespart werde, in einem anderen EU-Land in die Luft ausgestoßen.

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte vor einem Monat erklärt, der Ausstoß von CO2 sei im vergangenen Jahr in Deutschland um rund drei Prozent zurückgegangen. In den beiden Jahren zuvor war er gestiegen.

„Im globalen Maßstab spielt das keine Rolle“, sagte Growitsch. Mit 951 Millionen Tonnen im Jahr 2013 entfallen auf Deutschland etwas mehr als zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Ein Rückgang um drei Prozent wären rund 29 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: China produziert mit zehn Milliarden Tonnen CO2 mehr als die USA und die EU zusammen. Growitsch erwartet, dass wegen der gesunkenen Ölpreise sowie einer möglichen konjunkturellen Erholung in den südlichen Ländern der EU die CO2-Emissionen in Europa in diesem Jahr nicht nennenswert sinken.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE