Siemens liefert 82 Züge für den Rhein-Ruhr-Express

So soll der RRX aussehen: Siemens soll den Zuschlag für den Bau von 82 "Rhein-Ruhr-Express"-Zügen bekommen.
So soll der RRX aussehen: Siemens soll den Zuschlag für den Bau von 82 "Rhein-Ruhr-Express"-Zügen bekommen.
Foto: Verkehrsministerium NRW
The winner is... Siemens. Der Konzern hat die Ausschreibung um den Bau der Züge für den Rhein-Ruhr-Express gewonnen. Gebaut werden sie in Krefeld.

Düsseldorf.. Der Münchner Großkonzern Siemens wird die 82 Doppelstockzüge für den künftigen Rhein-Ruhr-Express (RRX) bauen. Sie sollen ab Ende 2018 rollen und dann Dortmund mit Köln via Ruhrgebiet und Düsseldorfer Flughafen in einem 15-Minuten-Takt verbinden.

Siemens hat sich dabei mit dem „wirtschaftlichsten Angebot“ gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt. Allerdings müssen bis Ende März die politischen Gremien dieser Vergabe noch zustimmen. Geschwiegen wird auf allen Seiten über die finanzielle Größenordnung der Order. Vor einiger zeit war von 600 Millionen Euro die Rede.

Land gibt 60 Millionen Euro dazu

Sicher ist, dass das Land sich mit einem Zuschuss von 60 Millionen Euro beteiligen wird. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD): „Auch, wenn am Ende immer nur einer gewinnen kann. Unser Dank gilt allen, die an diesem anspruchsvollen Wettbewerb teilgenommen haben.

Rhein-Ruhr-Express Sie haben einen weiteren großen Schritt zur Realisierung des bedeutendsten Verkehrs- und Mobilitätsprojekts in NRW beigetragen und die Bereitschaft unter Beweis gestellt, neue Wege zu gehen“.

Besonderer Pluspunkt für NRW: Die Züge werden in Krefeld gebaut. Gleichzeitig erhält der Konzern den Auftrag, die Wartung für die Triebwagen 30 Jahre lang zu übernehmen. Das aber ist der politisch heikelste Punkt der Vereinbarung. Denn heute erledigt die Bahn AG Beschaffung, Betrieb und Wartung der wichtigsten Ruhrgebiets-Regionalzugstrecken selbst.

Sie darf sich zwar in naher Zukunft um den Betrieb der Regionalzugstrecken RE 1, RE 11, RE 5 und RE 6 wieder bewerben - Linien, die das Vorlaufnetz für den Rhein-Ruhr-Express bilden. Nicht aber mehr um Wartung oder Beschaffung.

Bahn droht mit Rückzug aus dem Ruhrgebiet

Schon vor einem halben Jahr kamen die ersten Warnschüsse aus der Bahn-Zentrale in Berlin, auch aus Sorge um die bestehenden Wartungsanlagen in Düsseldorf: Man wolle sich nicht zum „Lohnkutscher“ degradieren lassen, hieß es da. Und: „Bei diesen Kriterien müssen wir uns ernsthaft überlegen, ob wir mitbieten können“, hatte DB-Regio-Chef Manfred Rudhart gesagt.

DB-Regio-Sprecherin Barbara Tünnemann sagt jetzt: "Ausschlaggebend ist, dass die DB aufgrund der höheren Personalkosten bei dieser Ausschreibung, die allein über die Personalkosten entschieden wird, chancenlos ist. Für unsere 750 durch die RRX-Ausschreibung betroffenen Mitarbeiter ist diese Erkenntnis bitter."

Im Klartext: Das Staatsunternehmen könnte sich dann aus dem Kerngeschäft im Ruhrgebiet demonstrativ zurückziehen. In jüngster Zeit hat sich diese reservierte Haltung der Bahn AG nach Informationen unserer Redaktion nicht mehr verändert.

Barrierefreier Einstieg und mehr Sitzplätze

Die Folge: Privatbahnen wie das britische Unternehmen National Express, das jetzt Interesse gezeigt hat, könnten dann zum Zug kommen und auch den 160 Stundenkilometer schnellen RRX betreiben. Ob die Bahn jetzt noch einmal ihre neue politische Allzweck-Waffe, den für Regierungs-Kontakte zuständigen Bevollmächtigten und früheren Kanzleramtschef Ronald Pofalla einsetzt, ist eine spannende Frage.

Für die Fahrgäste wird es mit der Bestellung der Züge bei Siemens so und so erst einmal angenehmer. „Ein Premium-Produkt zwischen Nah- und Fernverkehr“, heißt es beim Verkehrsverbund Rhein Ruhr. Es wird einen barrierefreien Einstieg geben, in jedem der beiden Zugteile bestehen 400 Sitz- und 205 Stehplatz-Möglichkeiten, das sind 80 mehr als in den heutigen Fahrzeugen. Es wird 18 Fahrrad-Abstellplätze und drei Rollstuhl-Stellflächen geben. Die Beschleunigung ist weit höher als bei den Regionalexpress-Zügen heute. Anders ließe sich auch der 15-Minuten-Takt nicht bei Tempo 160 nicht einhalten.

Bei Siemens freut man sich. Georg Lohmann, Sprecher des Konzerns in Nordrhein-Westfalen: „Das ist ein positives Signal für unseren Standort in Krefeld mit 2500 Mitarbeitern“. Auch das Prüfzentrum in Wegberg-Wildenrath mit 300 Jobs profitiere.

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