Siemens-Chef beklagt sich über Proteste im Mülheimer Werk

Siemens-Chef Joe Kaeser kritisiert den Kampf gegen Stellenabbau im Mülheim.
Siemens-Chef Joe Kaeser kritisiert den Kampf gegen Stellenabbau im Mülheim.
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Was wir bereits wissen
Siemens-Chef Joe Kaeser kritisiert den Protest gegen den Abbau von 950 Stellen und die „Funktionärsprofilierung“ von IG-Metall-Bezirksleiter Giesler.

Mülheim/München.. Siemens-Chef Joe Kaeser übt harsche Kritik am Protest gegen den geplanten Abbau von 950 Stellen im Mülheimer Dampfturbinen- und Generatorenwerk.

In einem Interview mit der Mitarbeiterzeitung „Siemens-Welt“ hebt Kaeser hervor, dass sich der Standort Mülheim beim Kampf gegen Arbeitsplatzabbau „besonders hervortut, wo ein einzelner Gewerkschaftsfunktionär uns sogar als weltfremd bezeichnet“. Damit zielt der Konzernchef auf eine Äußerung von Knut Giesler, dem Bezirksleiter der IG Metall in NRW, ab.

„Völlig weltfremd“

In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ hatte Giesler wörtlich gesagt: „Sich hinzustellen wie Herr Kaeser und denen zu sagen ,Ihr könnt ja mitgehen, wenn wir Eure Arbeitsplätze ins Ausland verlagern’, ist unanständig. Da agiert der Siemens-Chef völlig weltfremd und abgehoben.“

Siemens Nun schlägt Kaeser zurück: „Es gibt immer Einzelne, die versuchen, mit ideologischen Methoden einen Keil zwischen Management und Mitarbeiter zu treiben. Ich werde aber nicht zulassen, dass Funktionärsprofilierung auf dem Rücken unserer loyalen und fleißigen Mitarbeiter ausgetragen wird.“

Aktionstag am 9. Juni

Knut Giesler wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung derzeit nicht zu den Anschuldigungen Kaesers äußern. Die Reaktionen des Betriebsrats auf den verbalen Schlagabtausch ließen jedoch nicht lange auf sich warten. Nicht die IG Metall habe einen Keil zwischen Un­ternehmen und Belegschaft getrieben, sagte der Mülheimer Betriebsratsvorsitzende Pietro Bazzoli dieser Zeitung. „Die Pläne, die uns Siemens vorgelegt hat, haben die Mitarbeiter erschreckt. Für uns stellt sich eher die Frage, ob nicht der eingesetzte Unternehmensberater mit seinem Abbaukonzept den Keil in den Konzern treibt“, so Bazzoli.

Weil aufgrund der Energiewende Aufträge insbesondere für große Gaskraftwerke ausbleiben, will Siemens weltweit 4500 Stellen in seiner Energiesparte abbauen. Der Löwenanteil entfällt auf das Werk Mülheim, das u.a. die Generatorenfertigung an den US-Standort Charlotte abgeben soll.

Am 9. Juni plant die IG Metall einen Siemens-Aktionstag am Zoo Duisburg.